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Zu lange Einsatzzeiten, Tier auf AntibiotikaKölner Grüne fordern Verbot von Pferden im Rosenmontagszug

Lesezeit 4 Minuten
20.02.2023
Köln:
Rosenmontag
zum 1. Mal von Deutz
Deutzer Brücke mit Pferden
Foto: Martina Goyert

Reiter beim diesjährigen Rosenmontagszug. Die Pferde waren fünfeinhalb Stunden unterwegs.

Beim Rosenmontagszug 2023 wurden bei einem Pferd Antibiotika festgestellt, die Einsatzzeiten waren lang. Die Grünen fordern nun ein Verbot.

Päder im Zoch - das ist für Kölnerinnen und Kölner seit Jahrhunderten ein gewohntes Bild. Doch damit könnte bald Schluss ein - zumindest, wenn es nach den Grünen geht. Denn die Ratsfraktion fordert ein Verbot von Pferden im Rosenmontagszug.

20 Dopingkontrollen beim Rosenmontagszug

Hintergrund ist eine Anfrage der Grünen und Volt im Umweltausschuss zu den Einsatzdetails der Pferde. Aus der Antwort der Verwaltung geht hervor, dass nicht nur die maximale Einsatzzeit von vier Stunden (ohne Pause) für die Pferde beim diesjährigen Rosenmontagszug überschritten wurde. Bei einem Pferd wurden im Blut außerdem Antibiotika und entzündungshemmende Medikamente nachgewiesen.

Insgesamt waren 195 Pferde beim Rosenmontagszug im Einsatz, 20 Pferde, also rund zehn Prozent, wurden einer Dopingkontrolle unterzogen. Gegen den Verleiher beziehungsweise Besitzer des betroffenen Pferdes wird laut Stadt zeitnah ein Bußgeldverfahren wegen Verstoß gegen das Tierschutzgesetz eingeleitet. Auf Anfrage des „Kölner Stadt-Anzeiger“ sagte die Verwaltung, dass ihr sowohl die Gesellschaft, als auch der Besitzer/Verleiher des Pferdes bekannt seien. Einen Namen nennt sie hingegen nicht. Auch das Festkomitee schweigt zur Karnevalsgesellschaft, die den entsprechenden Verleiher beauftragt hat.

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Pferd wurde elf Tage vorher Zahn gezogen – Tierarzt spricht von „schwerem Eingriff“

„Nach unserem Stand hat das betreffende Pferd elf Tage vor Rosenmontag eine medizinische Behandlung erhalten, weil ein Zahn gezogen werden musste“, so das Festkomitee Kölner Karneval (FK). „Die dafür notwendigen Medikamente konnten im Blut nachgewiesen werden. Wir sehen darin allerdings keinen eindeutigen Verstoß gegen unsere Richtlinien, weil keine Medikamente genutzt wurden, die das Pferd während des Zuges sedieren, noch eine Leistung ermöglichen, die es ohne die Medikamente nicht erbringen könnte.“ Für das nächste Jahr wird das FK die Richtlinien allerdings noch einmal präzisieren, um den Verleihern klarere Regeln zu geben.

Ralf Unna von den Grünen, von Beruf Tierarzt, bewertet den Einsatz des Pferdes hingegen anders. „Eine Zahn-OP ist ein schwerer Eingriff. Elf Tage später ist die Wunde noch nicht verheilt, das Tier weder physisch noch psychisch in der Lage, einer derartigen Belastung standzuhalten. Da wurde ein krankes Pferd, mit Trense und Gebiss im Maul, nach einem Eingriff im Mund, durch den Zug geschickt.“

Grünen-Politiker geht von weiteren „gedopten“ Tieren aus

Unna geht außerdem davon aus, dass das Pferd nicht das einzige „gedopte“ Tier im Zug war. „Wenn bei zehn Prozent der Pferde eine Stichprobe genommen wurde, und bei einem Tier etwas gefunden wurde, muss man das ja nur hochrechnen. Das ist reine Statistik. In der Gesamtsumme wären dann rund zehn Tiere im ganzen Zug unter Medikamenten mitgelaufen“, sagt Unna. Das FK verweist darauf, dass alle weiteren untersuchten Proben negativ waren.

Uneinigkeit gibt es aber auch über die Einsatzzeit der Pferde. „Die Laufzeit der Pferde betrug circa fünfeinhalb Stunden“, so das FK. „Das Festkomitee plant die Durchlaufzeiten mit vier Stunden, erlaubt sind laut NRW-Richtlinie bis zu acht Stunden. Es gibt also einen Puffer, wenn es - wie beim diesjährigen Zug - zu Verspätungen kommt.“ Die Pferde würden vor und nach dem Zug getränkt und gefüttert, Verzögerungen auf der Strecke hätten den Reitern zudem die Gelegenheit gegeben, zwischendurch abzusitzen und die Pferde pausieren zu lassen.

Einsatzzeiten der Pferde wurden überschritten

In der NRW-Richtlinie steht allerdings auch: „Spätestens vier Stunden nach Zugbeginn ist eine Pause einzulegen. Wenn die Möglichkeit einer mindestens halbstündigen Pause zur ungestörten Futter- und Wasseraufnahme für die teilnehmenden Pferde nicht ermöglicht werden kann, ist der Einsatz der Pferde zu diesem Zeitpunkt zu beenden.“ Laut Unna kommen die Pferde mit Aufstellung und Anfahrtszeiten, teils bis aus der Eifel, auf bis zu 16-Stunden-Tage. „Dass die Pferde so lange unterwegs waren, ist inakzeptabel. Das ist ein systemischer Verstoß gegen die Vorlagen.“

Unna behält sich daher persönlich vor, eine Fachaufsichtsbeschwerde gegen den Amtstierarzt prüfen zu lassen. Im Namen der Fraktion sagt er: „Die Stadt ist nun dazu aufgefordert, Pferde im Karneval zu verbieten, weil sie nicht regelkonform im Zug zu führen sind. Und das Festkomitee ist dazu aufgefordert, das Mitführen von sich aus zu unterlassen.“ Ob die Stadt selbst ein Verbot allein umsetzen kann, ist derweil unklar. Grundsätzlich sind NRW-weit einheitliche Vorgaben vorgesehen. Laut Verwaltung finden in Kürze Gespräche mit dem FK zur Evaluierung des Einsatzes von Pferden im Karneval statt.

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