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Kommentar

„Wenig Metall für viel Eitelkeit“
Wer in Köln den heimlichen Super-Orden bekommt

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Volksproklamation des Dreigestirns: Prinz Niklas, Bauer Clemens und Jungfrau ,Aenne, zusammen mit den Adjutanten des Dreigestirns Frank Rehfus (Jungfrau), Marco Hollekamp (Bauer), Michael Palm (Prinz)

Prinz Niklas, Bauer Clemens und Jungfrau Aenne mit den Adjutanten des Dreigestirns: Frank Rehfus (Jungfrau), Marco Hollekamp (Bauer), Michael Palm (Prinz)

Der begehrteste Orden im Kölner Karneval ist keineswegs die Prinzenspange, wie viele meinen

Aristide Briand war ein Jeck. Zumindest war er bekannt für seinen treffenden, oft ironischen Humor. „Was ist ein Orden?“, fragte der 1926 mit dem Friedensnobelpreis französische Außenminister einmal und lieferte gleich die büttenreife Pointe: „Ein kostensparender Gegenstand, der es ermöglicht, mit wenig Metall viel Eitelkeit zu befriedigen.“ Tätää!

Orden gibt es im Kölner Karneval wie Sand am Meer oder Austern in Briands Heimat, der Bretagne. Jede Karnevalsgesellschaft lässt in jeder Session unzählige Exemplare neu anfertigen. Und selbst wer aus dem Helau-Land stammt oder mit Karneval nichts am Hut hat, wird ungefragt dekoriert und so zum Ordensträger.

Narzissmus mancher Jecken

Daher sorgt der Narzissmus mancher Jecken dafür, dass besonders rar gesäte Exemplare umso begehrter sind. Bislang war das vor allem die Prinzenspange, verliehen vom obersten Regenten der Stadt. Doch inzwischen ist eine andere Spange weitaus gefragter: die der Adjutanten. Michael Palm, Marco Hollekamp und Frank Rehfus – die staatsen „Hiwis“ des Kölner Dreigestirns, vergeben diese nämlich nur an Leute, die sich wirklich verdient gemacht haben im Karneval.

Nur ein Amt innezuhaben oder eine Funktion auszuüben – nein, das reicht nicht. Die Adjutanten wählen sorgfältig aus, wem Lob und Anerkennung zuteil wird: Sie oder er muss schon was für Kölle getan haben. Wer nicht bedacht wird, aber sich unbedingt dem erlauchten Kreis zugehörig fühlen will, hat nur noch eine Chance: bei Ebay schauen. Nä, wat fies!