Nach dem Aus der früheren Hofburg, dem Pullman-Hotel, Ende 2026 suchen die Karnevalsvereine nach Alternativen für ihre Sitzungen Anfang 2027.
„Kam aus heiterem Himmel“Pullman-Aus: Karnevalsszene in Sorge

Die Grüngürtelrosen waren am Freitagabend (16. Januar 2026) zu Gast bei der Prunk- und Kostümsitzung der Karnevalsgesellschaft Grosse Braunsfelder im Pullman.
Copyright: Marcel Schwamborn
Auf den ersten Blick sah alles aus wie immer. Ein proppenvoller Saal, ausgelassen feiernde Gäste, beste Stimmung, fleißige Servicekräfte, die durch die Gegend flitzen. Aber dennoch war es ein besonderer Abend.
Die große Prunk- und Kostümsitzung zum 50. Jubiläum der Karnevalsgesellschaft Grosse Braunsfelder wurde am Freitagabend (16. Januar 2026) von einem Thema überlagert. Der EXPRESS.de-Exklusiv-Bericht, dass das Pullman-Hotel Ende 2026 seinen Betrieb einstellt, sorgte für Gesprächsstoff.
Pullman-Aus: Karnevalsvereine suchen Alternativen für 2027
1972 wurde das Hotel als InterContinental errichtet, seit 2008 gehört es zur Marke Pullman. 47 Jahre diente das Gebäude als Hofburg für das jeweilige Dreigestirn. Die Bar, in der „Charly“ Fukuhara 33 Jahre lang wirbelte, war der Treffpunkt vieler Karnevalisten.
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Zudem war der große Ballsaal eine Institution im Sitzungskarneval. Bis zu 30 Veranstaltungen zahlreicher Gesellschaften gingen dort jährlich über die Bühne. Doch Anfang Dezember stellt die Hotelkette Pullman den operativen Betrieb ein. In einer Mail hat General Manager Sabine van der Wolf am Donnerstagvormittag (15. Januar) alle Präsidenten informiert, dass die geschlossenen Verträge mit den Vereinen aufgekündigt wurden.
„30 Minuten später hatte ich den ersten Anruf auf dem Handy“, sagt Koelncongress-Geschäftsführer Ralf Nüsser. „Die Vereine suchen nun nach Alternativen. Die eine oder andere Option konnte ich in unseren Häusern schon bieten“, sagt der „Herr des Karnevals“, der Gürzenich, Flora, Congress-Centrum und Tanzbrunnen betreut.
Was der schwedische Investor Pandox, der das Gebäude Anfang 2025 für 66 Millionen Euro gekauft hat, mit dem Gebäude an der Helenenstraße vorhat, weiß niemand. Gerüchte gibt es viele. Die einen wollen gehört haben, dass das Haus zu einer Seniorenresidenz umgebaut werden könnte. Andere glauben, dass eine andere Hotelkette (beispielsweise Scandic) die Regie übernimmt.

Auch am Freitagabend (16. Januar 2026) war der große Ballsaal im Pullman wieder voll besetzt. Die Grosse Braunsfelder feierte die Jubiläumssitzung.
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„Weitere Informationen über die zukünftige Nutzung der Immobilie nach dem 31.12.2026 sind bei der Eigentümerin Pandox zu erfragen“, schreibt van der Wolf. Eine Kontaktaufnahme ist den Vereinen bisher nicht gelungen. Auch eine EXPRESS.de-Anfrage beim Unternehmen blieb vorerst unbeantwortet.
Klar scheint, dass das Gebäude Anfang 2027 nicht zur Verfügung steht, zumal auch dem Pullman-Personal zum Jahresende gekündigt wurde. In der nächsten Session wären daher keine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vorhanden, die den Betrieb vorübergehend weiterführen könnten.
„Uns ist bewusst, dass der Termin dieser Ankündigung zu einem ungünstigen Zeitpunkt kommt, allerdings müssen wir Sie zeitnah, nach Kenntnis der oben genannten Ankündigung vom Betreiber, direkt informieren“, schreibt die Pullman-Managerin. „Unser Bedauern über diesen Schritt können wir kaum in Worte fassen.“

Das Pullman-Hotel war jahrzehntelang Anlaufstelle im Karneval. Ob der Eigentümer nach dem Aus der Hotelkette dort mit dem jecken Treiben weitermachen will, steht derzeit in den Sternen.
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Bei den Karnevalisten wird deshalb hektisch nach Alternativen gesucht. Und die sind in Köln rar. Festkomitee-Vizepräsident Lutz Schade kündigte gegenüber EXPRESS.de an, dass man sich für die Vereine einsetzen wolle. „Wir suchen nach Lösungen und bemühen uns, Räumlichkeiten für die rund 30 geplanten Veranstaltungen zu finden.“
„Für uns kam die Nachricht aus heiterem Himmel. Wir haben damit überhaupt nicht gerechnet und sind sehr über diese Entwicklung überrascht“, sagt Michael Gerhold, der Präsident der Nippeser Bürgerwehr.
„Wir versuchen jetzt Kontakt zu dem Hausbesitzer aufzunehmen, um zu erfahren, wie es mit dem Pullman 2027 weitergeht. Wir loten natürlich auch Alternativen aus, wobei das an einem Karnevalssamstag, an dem wir unsere Drömeröm-Party ausrichten, in einer so kurzen Session wie 2027 sehr schwierig wird.“

Die Kölner Rheinveilchen, das Tanzkorps der Grosse Braunsfelder, überraschten bei der Jubiläumssitzung mit einem Luftballon-Flashmob die Gäste.
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Auch die Bürgergarde blau-gold ist betroffen. „Wir haben bereits eine Ausweichmöglichkeit für unsere Herrensitzung reserviert“, sagt Präsident Markus Wallpott. „Ich hoffe aber immer noch, dass der neue Betreiber, wenn er mal da ist, erst einmal die nächsten zwei, drei Jahre so weitermacht wie bisher.“
Tanja Spiegel, Präsidentin der Goldmarie, war auch geschockt. „Auch für uns kam die Nachricht der Hoteldirektorin am Donnerstag aus heiterem Himmel. Wir haben sofort reagiert, da es nicht leicht ist, in so einer kurzen Session wie 2027 einen neuen Saal zu finden. Wir wägen nun kurzfristig verschiedene Alternativen ab“, sagt sie zu EXPRESS.de.
Das Problem bei den Alternativen ist jedoch, dass die rund 250 Programmpunkte für das Pullman bereits in allen Kalendern stehen. Und da die Session 2027 extrem kurz ist, haben die Künstlerinnen und Künstler mit knappen Zeitfenstern kalkuliert. Da ist es dann schwierig, einen eigentlich im Pullman geplanten Auftritt mal eben aus dem Zentrum heraus zu verlegen.
Pullman-Aus: Festkomitee will den Vereinen bei der Suche helfen
„Wenn die Sitzungen umgelegt werden, wird es natürlich etwas holprig. Wenn jetzt eine Gesellschaft in die Messe oder die Halle Tor 2 ausweicht, werden die Wege länger. Aber wir befinden uns dann immer noch in Köln“, sagt Markus Wallpott, der als Chef der Kölner Event Werkstatt viele Buchungen vornimmt.
Michael Gerhold, der auch Chef der Künstleragentur Ahrens ist, baut auf den Zusammenhalt der Jecken. „Wenn sich die betroffenen Vereine andere Locations suchen, kann es für die Künstler bedeuten, dass sich die Fahrtwege verlängern. Im schlimmsten Fall könnten einzelne Auftritte nicht funktionieren. Es kann aber auch sein, dass einzelne Nummern im Programm leicht verschoben werden, um dadurch fünf Minuten mehr Zeit für die Anfahrt zu schaffen. Ich gehe davon aus, dass sich die Solidargemeinschaft Karneval hilft.“

