Die Moderatorin und Entertainerin kommt am 29. März mit ihrem neuen Programm „Halftime-Show“ ins Kölner Gloria.
Katrin Bauerfeind über Älterwerden„So Rainers und Günthers finden, ich hätte mich gut gehalten“

Moderatorin und Autorin kommt mit ihrem neuen Programm am Sonntag, 29. März, nach Köln.
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Statistisch gesehen hat Katrin Bauerfeind die Lebensmitte erreicht. In Deutschland werden Frauen durchschnittlich 83,4, Männer 78,5 Jahre. Aus diesem „Mittendrin“-Gefühl heraus hat die 43-Jährige ihr neues Comedy-Programm gemacht. „Ich habe Dinge festgestellt wie: Ich telefoniere mit Earpods, aber ich weiß auch noch, was eine Telefonzelle ist. Oder ich trinke das Kultgetränk Espresso Martini, erinnere mich aber noch an die Kopfschmerzen nach zwölf Apfelkorn. Wie alle aus der Mittendrin-Generation“, sagt die Moderatorin und Entertainerin im Gespräch mit dem „Kölner Stadt-Anzeiger“.
Am Sonntag, 29. März, ist Bauerfeind mit ihrer neuen „Halftime-Show – Jetzt oder nie“ im Kölner Gloria. Köln ist für die aus Aalen stammende und in Berlin lebende Moderatorin wie eine Art Heimspiel. Nach dem Abitur studierte sie Technikjournalismus an der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg und verbrachte viele Jahre im Rheinland. „Köln ist meine erste Großstadt. Ich weiß noch, wie ich mit dem Zug am Bahnhof Süd angekommen bin und dachte: Hier ist das Licht und die Luft anders. ich werde auf jeden Fall bleiben wollen. In Köln geht mir immer das Herz auf“, saft Bauerfeind, die Beststeller-Bücher wie „Alles kann, Liebe muss. Geschichten aus der Herzregion“ geschrieben hat und aktuell zum Beispiel bei „Wer stiehlt mir die Show?“ auf Pro Sieben das Finalduell moderiert.

Katrin Bauerfeind ist Entertainerin, Moderatorin, Autorin und Schauspielerin. Mit ihrem Programm „Halftime-Show – Jetzt oder nie“ kommt sie am 29. März nach Köln ins Gloria.
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Katrin Bauerfeind: Gedanken über Lebensmitte nach Tod vom Vater
Anlass für ihr neues Bühnenprogramm sei trotz aller intendierten Lacher ein trauriger und ernster gewesen. „Mein Papa ist mit 64 sehr überraschend gestorben, ich war Mitte 30. Und da ist mir mitten in der Trauer aufgefallen, dass mehr als die Hälfte schon weg wäre.“ All das biete reichlich Material. „Ich wollte wirklich ein Programm machen, das ist wie das Leben: Man lacht viel, aber es gibt eben auch ein paar nachdenkliche Momente.“
Dem Jungsein hinterherzuweinen oder sich krampfhaft an das Vergangene klammern zu wollen – um dieses Gefühl gehe es nicht. „Alles im Leben hat seine Zeit und es geht darum, sie bestmöglich zu nutzen. Denn wenn man sich umhört, sagen ja auch die meisten mit 40 oder 60, sie wollen eigentlich nicht noch einmal 20 sein“, so Bauerfeind. Sie wolle dazu animieren, aus der aktuellen Lebensphase das Beste zu machen, Projekte nicht im nebulösen Später versickern zu lassen.
Der Untertitel „Jetzt oder nie“ wirkt wie eine Aufforderung an sich selbst und eine Ermunterung für andere. „Ich selbst versuche nichts mehr aufzuschieben. Sehr oft war ich am Gardasee und bin immer durch die Dolomiten gefahren. Jahrelang habe ich gedacht, eines Tages will ich dahin. Aber warum nicht jetzt? Und dann habe ich einfach direkt gebucht. Oder mein Leben lang denke ich: Ich will super kraulen können. Jetzt mache ich einen Schwimmkurs.“
Wenn nichts draus werde: auch nicht schlimm. Lieber abbrechen und was Neues starten, findet Bauerfeind. Männer und Frauen gingen mit dem Thema Alter unterschiedlich um, stellt die 43-Jährige fest. Männer seien trotz kürzerer Lebensrewartung besser darin, diese Erkenntnis auszublenden. „Männer denken oft, die Lebensmitte ist spät. Als ich meinem Kollegen Joko von meiner Tour erzählt habe, sagte er: Aber du bist doch noch nicht 50. Allerdings werden wir wahrscheinlich nicht 100. Die Midlife-Crisis brachte man früher mit der 50 in Verbindung.“ Frauen stünden zudem unter dem besonderen Druck, immer gut aussehen zu müssen.
Katrin Bauerfeind: Disco statt Club, Spa statt Shopping in der Großstadt
„Bei mir in den Kommentaren steht oft ‚Du bist aber alt geworden‘ im Wechsel mit ‚Du hast dich aber gut gehalten‘. Das sind dann so Rainers, Werners und Günthers, die selber aussehen wie eine Pommes-Tonne ohne Haare, aber finden, ich hätte mich halt gut gehalten“, sagt Bauerfeind. Äußerlichkeiten seien jedoch insgesamt zweitrangig. Zwischen den Lebensphasen stehend, die Erkenntnis der eigenen Endlichkeit, das Mittendrin-Sein – die „Nicht mehr Pubertät und schon Rücken“-Lebensphase: Darum gehe es.
Mittendrin-Check zum Schluss, Frau Bauerfeind: Durchfeierte Clubnacht oder essen gehen mit anschließendem Drink in einer schicken Bar? „Also ich war noch nie Club, ich komme ja von Disco. Ich sage auch immer noch Disco, was einfach auch alles sagt.“ Mit Freundinnen in den Einkaufsstraßen der Großstädte shoppen oder einen Tag im Spa verbringen? „Ich bin mittlerweile der Spa-Typ. Das ist für mich die totale Reizüberflutung in den Städten. Nach drei Minuten weiß ich nicht mehr, was ich wollte.“
Typ Drei-Gänge-Menü vorbereiten, wenn Freunde nach Hause kommen oder doch Pizza bestellen? „Ich bin schon der Typ Mühe geben, das finde ich wichtig. Deswegen würde ich mich bei einem Ein-Gänge-Menü sehr dolle anstrengen.“ Zur „Mittendrin“-Wahrheit gehöre einfach dazu, dass „ich Harry Styles wahrscheinlich jetzt nicht mehr im Baumarkt erkennen würde: Man weiß nicht mehr genau, was jetzt fetzt oder wer jetzt so in den Charts ist. Früher wusste man dagegen einfach so, was angesagt ist.“
„Halftime-Show – Jetzt oder nie“, Katrin Bauerfeind, Sonntag, 29. März, um 19 Uhr im Gloria-Theater in der Apostelnstraße, Tickets kosten 38,10 Euro.

