Besonders für das Gloria-Theater und seine Gäste wäre das ein großer Gewinn, da die dortige Toilette nur über eine Treppe zu erreichen ist.
Zehn Jahre langes RingenApostelnstraße könnte endlich barrierefreie Toilette bekommen

Die im vorigen Jahr eröffnete WC-Anlage im Westen des Neumarkts ist nicht behindertengerecht.
Copyright: Clemens Schminke
Seit Jahren bemüht sich die Interessengemeinschaft (IG) Apostelnstraße darum, dass in der näheren Umgebung eine barrierefreie WC-Anlage eingerichtet wird. Nun ist Bewegung in die Sache gekommen. In unmittelbarer Nachbarschaft des Gloria-Theaters ist ein Ladenlokal geräumt worden und steht zu Vermietung frei. Dort könnte eine solche Anlage geschaffen werden. Besonders für das Gloria und seine Gäste wäre es ein großer Gewinn.
Bisher kann das Theater, das von der Gastro-Event GmbH betrieben wird und in einem Gebäude aus dem Jahr 1956 untergebracht ist, „den heutigen Ansprüchen an eine barrierefreie Spielstätte leider nicht gerecht“ werden, heißt es auf dessen Webseite. „Unsere Toiletten befinden sich im Kellergeschoss und sind daher für in ihrer Mobilität eingeschränkte Personen schwer beziehungsweise nicht erreichbar. Wir bedauern diesen Umstand, sehen jedoch derzeit keine Möglichkeit, dies baulich zu verändern.“
Einen ersten Vorstoß unternahm die IG Apostelnstraße 2016
Das Gloria bittet darum, bei Bedarf die öffentlich zugänglichen barrierefreien Toiletten in der Umgebung zu nutzen, beispielsweise in der Zentralbibliothek und im Museum Schnütgen. Die Bücherei ist allerdings wegen Sanierung geschlossen und das Museum in der Regel bis 18 Uhr, donnerstags bis 20 Uhr geöffnet, also nicht in der kompletten Zeit von Abendveranstaltungen im Gloria. Was tun als behinderter Gast, der auf die Toilette muss?

Im leerstehenden Ladenlokal, in dem sich früher ein Schuh- und Schlüsseldienst befand, könnte eine "Toilette für alle" eingerichtet werden.
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Den ersten Vorstoß unternahm die IG Apostelnstraße, in der die Gastro-Event GmbH Mitglied ist, und die mit ihr verbundenen Anlieger 2016 mit einer Bürgereingabe an die Bezirksvertretung (BV) Innenstadt. Diese beschloss im Februar 2017, die Verwaltung möge den Bedarf für eine barrierefreie WC-Anlage im genannten Bereich prüfen. Die SPD-Fraktion legte mit einem entsprechenden Antrag nach, der einhellige Zustimmung fand. Ortstermine folgten. Die Fläche vor Foto Gregor im Westen des Neumarkts wurde anvisiert. Dort hätten nur noch die Anschlüsse überprüft werden sollen. Doch jahrelang tat sich nichts.
Das Brennpunkt-WC am Neumarkt ist nicht barrierefrei
Anfang 2022 teilte die Verwaltung der BV mit, der Standort auf dem Neumarkt komme nicht infrage, „da zu erwarten ist, dass der Drogenmissbrauch an dieser Stelle die vorgesehene Nutzung nicht möglich macht“. So habe die City-WC-Anlage in der Krebsgasse wegen benutzten Fixerbestecks in den Klopapierrollen geschlossen werden müssen.
Im Jahr darauf beschloss die BV auf Antrag aller Bezirkspolitiker, am Neumarkt im Umfeld der Apostelnkirche solle ein sogenanntes Brennpunkt-WC errichtet werden. Im Sommer 2025 war es so weit. Doch diejenigen, die sich eine Verbesserung der Situation von behinderten Menschen erhofft hatten, wurden enttäuscht: Die in der Nähe von Foto Gregor aufgestellte Anlage ist nicht barrierefrei.
Vermieterin des Ladenlokals kann sich dort eine „Toilette für alle“ vorstellen
Nun gibt es Anlass zu neuer Hoffnung. Die Vermieterin des leer stehenden Ladenlokals in der Apostelnstraße könne sich „grundsätzlich vorstellen“, dort eine „Toilette für alle“ einzurichten, hat die IG im vorigen Herbst unter anderen der Behindertenbeauftragten der Stadt Köln, Mirjam Tomše, mitgeteilt. „Toilette für alle“ ist ein Projekt der Stiftung „Leben pur“. Mit deren Hilfe könne in dem ehemaligen Geschäft eine barrierefreie Anlage geschaffen werden, schreibt die IG. Die Stadt müsse lediglich die monatlichen Miet- und Reinigungskosten übernehmen. Mit der Einrichtung einer solchen Toilette könnte die Stadt „einen großen Schritt in Richtung Teilhabe am öffentlichen Leben für Menschen mit Behinderungen machen“.
Auch Künstlermanagerin Elisabeth Plum, Inhaberin des Kulturbüros Plum, engagiert sich seit Langem in der Sache. Sie ist selbst Rollstuhlnutzerin und sieht die Stadt in der Pflicht. Schließlich habe der Stadtrat 2007 die Erklärung „Die Stadt und die behinderten Menschen beschlossen“. Darin heißt es, dass die Kommunen „im Rahmen ihrer Befugnisse den Zugang von Behinderten zu Kultur-, Sport- und Freizeitangeboten und allgemein zur Teilnahme am gesellschaftlichen Leben in der Gemeinde“ ermöglichen sollen.
Stadt teilt mit, es würden zurzeit mögliche Fördermittel geprüft
Außerdem gilt seit Anfang 2009 die UN-Konvention über die Rechte von Behinderten auch für Deutschland. Im vorigen Oktober hat sich Plum per E-Mail an Oberbürgermeister Torsten Burmester (SPD) gewandt und ihn über die Möglichkeit informiert, eine „Toilette für alle“ einzurichten. Nachdem eine Reaktion ausgeblieben sei, habe sie Ende Januar nachgehakt. „Darauf folgte bisher lediglich eine automatisierte Antwort, die Angelegenheit werde individuell bearbeitet“, sagt sie.
Auf Anfrage des „Kölner Stadt-Anzeiger“ teilt die Stadt mit, „Mitarbeitende des städtischen Toilettenkonzepts“ hätten sich mit dem Büro der Behindertenbeauftragten über die Option einer „Toilette für alle“ ausgetauscht. Zurzeit würden mögliche Fördermittel geprüft, die herangezogen werden könnten, um die Kosten des Umbaus und der Unterhaltung zu decken. Mit einem gemeinsamen Antrag, der in der Sitzung am kommenden Donnerstag zur Abstimmung steht, wollen 18 der 19 BV-Mitglieder dem Anliegen Nachdruck verleihen.
Bis zum Sommer solle die Stadt die Einrichtung einer „Toilette für alle“ im Bereich Neumarkt prüfen und ein Umsetzungskonzept vorlegen. Zur Begründung heißt es, in Köln fehlten spezielle Sanitäranlagen für Menschen mit schweren und mehrfachen Behinderungen. Mit dem Projekt habe die Stadt auch im Hinblick auf die Bewerbung für die Olympischen und Paralympischen Spiele die Chance, „ein klares Zeichen für Barrierefreiheit und Teilhabe zu setzen“.
„Wir freuen uns, dass es weitergeht“, sagt Stephan Benn, Verwaltungsleiter des Gloria und Mitglied der IG Apostelnstraße. Lange genug habe es gedauert. Der Vorgang zeige, dass es sich lohne, „den Finger in die Wunde zu legen“ und nicht lockerzulassen. „Wir werden auf jeden Fall dranbleiben.“

