- Der Fachkräftemangel ist bei den städtischen Kitas angekommen. Das Ausbauprogramm läuft, aber es fehlt Personal.
- Auch andere Kita-Träger schildern einen Personalmangel mit dramatischen Auswirkungen.
- Mit unterschiedlichen Mitteln versuchen die träger, Bewerber zu gewinnen und Personal zu halten.
Köln – Manchmal habe sie das Gefühl, dass sich die Kinder selbst erziehen müssen, sagt Elke Schubeck (Name geändert). Ihre beiden Kindern gehen in eine städtische Kindertagesstätte in der Innenstadt. Eine Erzieherinnen-Stelle ist seit längerer Zeit unbesetzt, zwei Mitarbeiterinnen sind seit langem krank. Vertretungen gibt es nicht.
Es sei schon vorgekommen, dass die Eltern gebeten wurden, ihre Kinder doch zu Hause zu lassen, weil die Kita ihrer Aufsichtspflicht nicht nachkommen könne.
Gruppen starten später
43500 Betreuungsplätze
In Köln gibt es fast 43 500 Betreuungsplätze für Kinder, die noch nicht schulpflichtig sind. Für Kinder unter drei Jahren werden neben rund 10 000 Kita-Plätze etwa 3000 Plätze in der Kindertagespflege bei Tagesmüttern und Vätern angeboten. Für die Über-Dreijährigen sind ausschließlich Kindertagesstätten für die Betreuung zuständig. Den Ausbau der Plätze stemmt die Stadt vor allem über private Investoren, die neue Kitas bauen, die dann nach Fertigstellung von freien Trägern betreut werden. (fra)
Der Fachkräftemangel scheint bei den städtischen Einrichtungen angekommen zu sein. Bislang hatte die Jugendverwaltung darauf gesetzt, durch bessere Arbeitsbedingungen und unbefristete Verträge ausreichend attraktiv für arbeitsuchende Erzieherinnen und Erzieher zu sein. „Jetzt kommt das Problem auch bei der Stadt an“, sagt Personalrat Achim Schlömer.
Dass neue Kita-Gruppen nicht eröffnen können, weil kein Personal gefunden werde, sei zwar bislang noch nicht vorgekommen. „Es kann aber sein, dass eine Gruppe deshalb verspätet startet.“
Die Zahl der Kölner Kinder steigt, immer mehr Eltern möchten auch für Unter-Dreijährige einen Betreuungsplatz. Das städtische Kita-Ausbauprogramm läuft. Doch ob es auf Dauer auch genug Personal für alle Einrichtungen gibt, ist offen.
Bis zum Sommer soll die Zahl der Kitas auf 660 anwachsen. 229 davon sind in städtischer Trägerschaft. Die meisten Kitas werden somit von Kirchen, Vereinen, Elterninitiativen und anderen freien Trägern betrieben. Und hier sind die Probleme deutlich größer als bei der Stadt.
Werben um Bewerber
„In jeder zweiten Kita ist eine Stelle unbesetzt“, schätzt Helga Blümel von der evangelischen Diakonie. „Es wird immer härter.“ Inge Komke vom Paritätischen (früher Paritätischer Wohlfahrtsverband) nennt die Lage „dramatisch“.
Besonders schwer sei es für kleinere Elterninitiativen und ganz neue Einrichtung. Weil der Markt leer gefegt sei, habe man bei Neueinstellungen kaum Auswahl.
Aus Sicht derer, die sich für den Erzieherberuf entscheiden, ist die Situation dagegen äußerst komfortabel. Der Blick der Kita-Träger ist ein anderer: Kindergärten in guten Wohnlagen finden leichter Personal als die in sozialen Brennpunkten, wo gute Leute viel dringender gebraucht werden. Da würden manche schon auf dem Weg zum Bewerbungsgespräch umdrehen, weil sie wüssten, dass sie woanders ziemlich sicher eine leichtere Arbeit finden, so Blümel.
Die Rahmenbedingungen, die das Land mit seinen Gesetzen festlege, seien so unzureichend, dass die Träger kaum Spielräume haben, die Arbeitsbedingungen zu verbessern. „Das Kinderbildungsgesetz muss geändert werden“, sagt auch der städtische Personalrat Schlömer. So müssten Urlaub, Fortbildung oder Krankheit bei der Festlegung der Personalschlüssel besser berücksichtigt werden. Der Krankenstand sei auch deshalb hoch, weil durch den Personalmangel der Druck auf die arbeitenden Kollegen wachse.
Die Kita-Träger, die der Fachkräftemangel nun in eine ungewollte Konkurrenz zwingt, versuchen mit unterschiedlichen Mitteln, Bewerber zu gewinnen und Personal zu halten. Mancher private Träger ködert offenbar bereits mit Zusatzprämien. Einigkeit besteht bei allen Betreibern, dass es ohne bessere gesetzliche Rahmenbedingungen keine echte Lösung des Problems geben wird.
Die Forderung nach einer Gesetzesänderung bezieht sich nicht nur auf die Arbeitsbedingungen der Erzieherinnen; es müsse auch weitere Verbesserungen bei der Ausbildung geben. „Selbst wenn sich mehr Menschen für den Beruf interessieren, würden die Ausbildungskapazitäten nicht reichen“, sagt Inge Komke.
Die Jugendverwaltung der Stadt hat einen Arbeitskreis „Erziehungs- und Sozialberufe“ initiiert, an dem auch die Berufskollegs und die Bezirksregierung teilnimmt. Er soll weitere Maßnahmen gegen den Fachkräftemangel ausarbeiten.
