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Besten Freund getötet Kölner (25) sticht 140 Mal mit Küchenmesser zu

Der Angeklagte (25) hält sich eine rote Mappe vors Gesicht, um nicht erkannt zu werden. Vor ihm steht einer seiner zwei Verteidiger.

Der Angeklagte (25) mit seinen Verteidigern beim Prozessauftakt im Kölner Landgericht.

Mit 140 Messerstichen hat ein Lagerist aus Köln seinen Mitbewohner und besten Freund getötet. Zunächst hatte der Mann versucht, die schreckliche Bluttat auf jemand anderen zu münzen.

Mit einem Geständnis startete am Donnerstag vor dem Landgericht der Prozess gegen einen 25-jährigen Kölner, der seinen Mitbewohner laut Anklage der Staatsanwaltschaft mit 140 Messerstichen getötet hat. Zunächst hatte der ausgebildete Lagerist bei seiner Aussage im Polizeipräsidium noch versucht, sich als unschuldig darzustellen. Doch schnell verstrickte der Täter sich in Widersprüche.

Köln-Kalk: Mit Küchenmesser auf Freund eingestochen

Einen Monat zuvor war der Angeklagte in der Wohnung seines guten Freundes in der Dillenburger Straße in Kalk untergekommen, als es Mitte Juni „aus ungeklärtem Grund“ zum Streit kam, so die Staatsanwaltschaft. Im Verlauf der Auseinandersetzung habe der Beschuldigte ein Küchenmesser genommen und wuchtig auf das 23-jährige Opfer eingestochen. Immer und immer wieder.

Messerstiche und Schnitte am ganzen Körper wies das Opfer auf, tödlich verliefen allein 14 Stiche ins Lungengewebe. Noch in der Wohnung verstarb der junge Mann an einem Pneumothorax, also der Luftansammlung zwischen Lunge und Brustwand und einem erheblichen Blutverlust. Die Kölner Staatsanwaltschaft sieht kein Mordmerkmal wie etwa Heimtücke, klagte daher einen Totschlag an.

Täter nennt Auslöser für tödlichen Streit nicht

„Ich bin für den Tod meines besten Freundes verantwortlich“, ließ der Angeklagte über seinen Verteidiger Maximilian Klefenz verlauten. Den Grund für den Streit wollte er aber nicht nennen. Weil es dann danach klingen würde, als wolle er die Verantwortung abwälzen. „Diesen Part auszulassen, wie es zur Tat kam, ist nicht besonders zweckmäßig“, kommentierte Richterin Sabine Kretzschmar.

Er sei schockiert über die große Anzahl an Messerstichen. „ Ich weiß nicht, wieso ich so außer Kontrolle geraten bin, irgendwas in meinem Kopf hat nicht mehr funktioniert“, so der Angeklagte. Als es dann an der Tür geklingelt habe, habe er Panik bekommen die Version eines andern Täters erfunden. „Ich werde die Verantwortung übernehmen und erwarte nicht, dass mir jemand vergibt.“

Lügengeschichte bei Polizeivernehmung widerlegt

Eine Polizeibeamtin schilderte danach im Zeugenstand, dass der Tatverdächtige noch in der Nacht eine Aussage machen wollte. Der wahre Täter sei ein gewisser Nico, der sich zum Date mit seinem Mitbewohner verabredet habe. Diesen habe er noch begrüßt, sei dann zum Einkaufen gegangen. Bei seiner Rückkehr habe er die blutüberströmte Leiche seines Freundes entdeckt und um Hilfe gerufen.

Nachbarn widerlegten die Version des Angeklagten. Sie hatten schon frühzeitig Schreie vernommen, die offenbar von der Tat selbst herrührten. Einen dritten Beteiligten sahen sie nicht, auch nicht den Angeklagten ins Haus gehen. Außerdem passten Blutspuren an den Socken und Schuhen zu den Aussagen des Täters, der in Untersuchungshaft sitzt. Der Prozess im Landgericht wird fortgesetzt.