Köln – Weil sie an einem Abend im Oktober der vorigen Jahres in Köln ein illegales Straßenrennen veranstaltet haben sollen, mussten am Montag zwei Brüder, 20 und 21 Jahre alt, im Amtsgericht auf der Anklagebank Platz nehmen. Startpunkt soll der Messekreisel in Deutz gewesen sein. Dort hätten sich die Angeklagten, jeder am Steuer eines BMW und mit einer Begleiterin auf dem Beifahrersitz, durch die offenen Fenster verabredet, die Geschwindigkeiten ihrer Wagen zu messen.
Was sich im Weiteren abgespielt haben soll, findet sich im Anklagesatz mit typischen Formulierungen beschrieben, von „aufheulenden Motoren“ über „quietschende Reifen“ bis zur rasenden Fahrt „Stoßstange an Stoßstange“. Auf bis zu 110 Kilometer pro Stunde hätten die Fahrer auf dem Pfälzischen Ring beschleunigt, heißt es. An der Einmündung der Karlsruher Straße wurden sie von der Polizei gestoppt.
Zum Essen verabredet
Ein Angeklagter schwieg zur Sache, der andere bestritt, was beiden zur Last gelegt wird. Durch die offenen Fenster hätte sie sich bloß darauf verständigt, gemeinsam in einem Restaurant in der Keupstraße essen zu gehen. Vom Amtsrichter nach dem Tempo gefragt, sagte der Angeklagte, er habe „nicht auf den Tacho geschaut“; sein Verteidiger ergänzte, sein Mandant sei „nach Gefühl“ gefahren.
Als der Richter dem 21-Jährigen eine Aussage bei der Polizei vorhielt, wonach die Männer an einer Ampel darüber gesprochen hätten, „wer besser beschleunigen kann“, sagte der Beschuldigte: „Ich weiß es nicht mehr, es ist länger her“. Die Verhandlung musste vertagt werden, denn noch waren keine Zeugen geladen: die beiden Begleiterinnen von damals und vier Polizisten. Beim nächsten Termin soll außerdem eine Videoaufzeichnung von jenem Abend gezeigt werden.
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Heftige Kritik übte der Verteidiger, der den jüngeren Bruder vertritt: Das Verfahren habe viel zu lange „beim Staatsanwalt gelegen“. Die Verzögerung treffe seinen Mandanten empfindlich, denn der habe seit jenem Abend keinen Führerschein mehr, obwohl er "zwingend darauf angewiesen“ sei. Mangels Fahrerlaubnis sei ihm schon eine gute Berufschance entgangen.


