Köln – Erst vor zwei Monaten saß Darius W. (Name geändert) wegen gefährlicher Körperverletzung und Bedrohung auf der Anklagebank des Amtsgerichts und hinterließ mit seinem ungewöhnlichen Auftritt nachhaltigen Eindruck. Impulsiv, aggressiv und aufbrausend reagierte er auf die Anklagevorwürfe, seine damals schwangere Freundin in den Bauch geboxt oder getreten zu haben. Er bestritt sämtliche ihm vorgeworfene Taten.
Weil die Atmosphäre im Gerichtssaal sich zusehens verschlechterte, schwante dem bis zu diesem Zeitpunkt auf freiem Fuß sich befindlichen Angeklagten nichts Gutes. Er nutzte eine angebliche Toilettenpause und kehrte nicht wieder zurück. Ein Sachverständiger hatte ihm zuvor „einen gestörten Realitätsbezug“ bescheinigt und ausdrücklich gewarnt: „Er ist gefährlich.“ Einem vorläufigen Gutachten zufolge leide der Angeklagte unter einer „paranoiden Schizophrenie“.
Verfahren neu aufgerollt
Daraufhin hatte das Gericht auf Antrag der Staatsanwaltschaft sofortige Fahndungsmaßnahmen eingeleitet. Doch bereits am nächsten Tag hatte sich der gelernte Monteur freiwillig den Behörden gestellt. Seitdem sitzt er nicht etwa in Untersuchungshaft, sondern in der Psychiatrie. Seit Donnerstag wird das Verfahren noch einmal neu aufgerollt: Diesmal vor dem Landgericht, denn nur dieser Instanz ist es möglich, einen Angeklagten auf Dauer in eine Klinik zwangseinzuweisen. Und das droht nun dem Angeklagten. Das Gericht will sich im Vergleich zur ersten Instanz mit zehn Verhandlungstagen mehr als dreimal so viel Zeit nehmen, um die Persönlichkeit des Angeklagten zu hinterfragen.
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Prozessbeteiligte glaubten ihren Augen und Ohren nicht zu trauen, als Darius W. vorgeführt wurde. Optisch nicht wiederzuerkennen, scheint er die Ruhe selbst, gibt sich äußerst kooperativ und entspannt, lässt in erster Linie seinen Anwalt Markus Haupt zu den Vorwürfen Stellung nehmen.
Mutter bestätigt Handgreiflichkeiten
Ohrfeigen und Beleidigungen gibt er zu, den versuchten Schwangerschaftsabbruch weist er von sich: „Ich liebe meine Tochter über alles, war auch bei der Geburt dabei“, sagt er dazu. Er spricht von einer on/off Beziehung zu der Kindsmutter, sie hätten sich beide nicht gut getan. „Er hat eine kurze Zündschnur, wenn er sich ungerecht behandelt fühlt“, erklärt Verteidiger Haupt die zumindest damalige Impulsivität seines Mandanten.
Handgreiflichkeiten habe es gegenseitig gegeben, das bestätigt die 26-jährige Mutter auch im Zeugenstand. „Er hat ein super gutes Herz, ist aber schnell aus der Ruhe zu bringen“, sagt seine Ex über ihn. „Wir haben uns auch gegenseitig hochgeschaukelt“, räumt sie auf Nachfrage ein. Die Tochter kam im April 2018 gesund zur Welt. Darius W. hat in der Klinik für die Tochter zu ihrem zweiten Geburtstag ein Geschenk gebastelt.



