In unserer Serie „Köln früher und heute“ stellen wir wichtige Kölner Bauwerke, Plätze und Siedlungen vor. Diesmal: das Haus Saaleck.
Köln früher und heuteDas Haus Saaleck erweckt nur den Anschein, richtig alt zu sein

Das Haus Saaleck ist eine Mischung aus mittelalterlicher Bausubstanz und Materialien der 1950-er Jahre. Heute ist hier die "Artothek" zu Hause.
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Wie so viele Gebäude in der Altstadt hatte auch das „Haus Saaleck“ den Zweiten Weltkrieg nur stark beschädigt überstanden. An der Ecke der Straßen Am Hof und Unter Taschenmacher lag ein architektonischer Schatz aus dem Jahr 1461 danieder, der von Kaufmann Gottschalk von Gilse einst als Wohnhaus und Warenlager errichtet worden war. Köln war damals eine Handelsmetropole. Alle Waren, die per Schiff über den Rhein transportiert wurden, mussten kontrolliert und eine Zeit lang den Kölner Bürgern zum Kauf angeboten werden. Dieses Stapelrecht spülte viel Geld in die Stadt.
Reste der Ruine stellten sich als nicht mehr tragfähig heraus
Mit seinen Eckwarten orientierte sich das Haus Saaleck am Gürzenich, der einige Jahre zuvor als Markthalle und Festsaal entstanden war. An einer Ecke spendete zudem eine Hausmadonna unter einem Baldachin geistlichen Schutz. Der Name Saaleck nahm Bezug auf die räumliche Nähe zum bischöflichen Palast, der auch als Saal bezeichnet wurde.

Die Schaufenster aus dem 19. Jahrhundert wurden nach dem Krieg beseitigt. Ziel war, den Urzustand des Gebäudes zu rekonstruieren. Dieses Bild stammt ca. aus dem Jahr 1910.
Copyright: Köln auf alten Ansichtskarten
Der anvisierte Wiederaufbau der Ruine gestaltete sich nicht so wie geplant. Die Reste stellten sich als nicht tragfähig heraus und wurden größtenteils abgetragen. Trotzdem feierte das Haus Saaleck Wiederauferstehung. Obwohl die Rekonstruktion von Denkmälern schon damals verpönt war, ließ die Stadt als Eigentümerin das gotische Schmuckstück in den 1950er Jahren komplett neu aufbauen. Dazu mischte sie noch vorhandene originale Bausubstanz mit ganz neuen Materialien. Ziel war, eine Kopie des Urzustandes herzustellen. Die Schaufenster im Erdgeschoss, Hinterlassenschaften des 19. Jahrhunderts, wurden geschlossen. Denn das Erdgeschoss, so die Annahme, sei einst ohne große Öffnungen errichtet worden. Allerdings war hier viel Spekulation im Spiel – genaue Erkenntnisse über das mittelalterliche Erscheinungsbild lagen nicht vor.
Das Haus Saaleck ist also eine Mischung aus Mittelalter und Nachkriegszeit, die nur den Anschein erweckt, richtig alt zu sein. Auch im Inneren, wo heute in der „Artothek“ Kunst ausgeliehen werden kann, haben die 1950er Jahre ihre Spuren hinterlassen. Ulrich Krings, früherer Kölner Stadtkonservator, ist dennoch begeistert von Haus Saaleck. Für ihn handelt es sich um „eine der schönsten Bauten überhaupt“, das neben den weniger gelungenen Fassaden in der Umgebung noch schöner wirke.
