Diesem Clown sollte man nicht zu nahekommen. Stellt sich Fumagalli mit Namen vor, spricht er den Anfangslaut gerne sprühend feucht aus, ebenso, wenn er das Wort „phänomenal“ folgen lässt. So geschieht es in der Regel, wenn Gianni Huesca, wie er mit bürgerlichem Namen heißt, mit seinem Bruder Daris in der Manege oder auf der Bühne steht. Auch sonst geht es zwischen den beiden alles andere als trocken zu. In Köln waren die Fumagalli-Clowns zuletzt zu erleben, als der Kölner Weihnachtscircus zum neunten Mal in der Stadt gastierte.
Nun haben dessen Produzenten, Katja und Ilja Smitt, bekanntgegeben, dass die Publikumslieblinge zurückkehren. Sie sind die Stargäste des 11. Kölner Weihnachtscircus, dessen Programm bis auf diese Neuigkeit bereits Anfang September vorgestellt wurde. Wegen Bauarbeiten steht der traditionelle Platz an der Zoobrücke nicht zur Verfügung; das blau-weiße Palastzelt wird deshalb mitten im Schanzenviertel in Mülheim aufgebaut. Premiere ist am 27. November.
Mit Köln verbindet die Fumagalli-Clowns viel. Von 1994 bis 1998 waren sie mehrmals mit dem Zirkus Roncalli in der Stadt zu Gast. Es folgte eine lange Pause. 2022 kamen sie zum ersten Mal mit dem Weihnachtscircus her. „Das Publikum in Köln ist wunderbar“, sagt Gianni Huesca, „die Stadt ist für uns wie eine Heimat.“ Dem Publikum in ganz Deutschland sei anzumerken, dass es Zirkusshows liebe. Speziell bei ihren Auftritten komme das Moment einer „Super-Wiedererkennung“ hinzu, sagt Daris Huesca. Denn seit den 1950er Jahren hätten die Deutschen eine enge Beziehung zu Italien, wo die Brüder, die mit typischem Herkunftsakzent mehrere Sprachen sprechen, geboren sind.
60 Artisten aus aller Welt
Von ihrem jüngsten Gastspiel dürfte den Besuchern und Besucherinnen am ehesten die Nummer „Bienchen, Bienchen, gib mir Honig“ in Erinnerung geblieben sein. Über den Sketch, in dem sich die Clowns, die buchstäblich den Mund voll nehmen, wechselseitig mit reichlich Wasser bespritzen, habe sich selbst das eher zurückhaltende Publikum in China „kaputtgelacht“, erzählt Daris.
Also darf die Szene auch in der neuen Auflage des Weihnachtscircus nicht fehlen; zu den 68 Vorstellungen werden mehr als 100.000 Menschen erwartet. Die zweite Nummer, mit der die Fumagallis aufwarten, stammt ebenfalls aus dem Repertoire, wird aber für kleinere Besetzung abgewandelt und aufgefrischt: der ursprünglich auf fünf Personen angelegte Sketch „Fuma Boys“, den die Clowns zusammen mit Giannis Sohn Niko spielen. Es ist eine Parodie auf eine in altmodischem Varieté-Stil gehaltene Akrobatik-Darbietung mit zwei Schleuderbrettern.

Die Fumagalli-Clowns beim Weihnachtscircus im Jahr 2022. (Archivfoto)
Copyright: Martina Goyert
Der Auftritt der Fumagalli-Clowns fügt sich ein in ein opulentes, zweieinhalbstündiges Spektakel, an dem über 60 Artisten aus aller Welt mitwirken und das sich für die ganze Familie eignet. Was gibt es nicht alles in dieser Show zu sehen!
Zum Beispiel erzeugt ein Zauberer eine Illusion mit mächtigen Klauen, eine Balletttänzerin agiert mit Spitzenschuhen auf dem Kopf und den Schultern ihres Partners, fünf Frauen verbiegen bis zum Extrem ihre Körper, bis hoch unter die Zirkuskuppel wird mit Bällen, Keulen und Ringen jongliert, und Männer fliegen von Schaukel zu Schaukel. Wieder dabei ist das Duo Kvas, das unter anderem zeigt, wie man Kopf auf Kopf die Balance hält; erneut engagiert ist auch Leonid Beljakov mit seiner Hundeshow.
Mittendrin die italienischen Spaßmacher. Schon ihr Vater, der sich den Künstlernamen Enrico Fumagalli gab, war Clown. In mehreren Filmen von Fellini spielte er mit. Die Söhne, aufgewachsen in der Zirkuswelt, zu der auch ihre spanische Mutter gehörte, waren zunächst Akrobaten und konnten ebenso auf dem Seil tanzen wie jonglieren.
Gianni hatte schon damals einen Hang zum Komödiantischen, gepaart mit dem entsprechenden Talent. Zunehmend traten er und Daris als Komiker auf. Zeitweise waren die Brüder mit einem eigenen Zirkus auf Tournee. Danach feierten sie in anderen Zirkussen weltweit Erfolge. 2015 wurden sie beim Internationalen Zirkusfestival in Monte-Carlo mit dem Goldenen Clown ausgezeichnet, der höchsten Ehrung der Branche.
„Wir geben unser Herz“
„Du versuchst immer, das Beste zu geben, selbst wenn du nicht gut drauf bist“, sagt Daris, der 74 Jahre alt und seit 65 Jahren im Showbusiness tätig ist. „Wir geben unser Herz, und das Publikum kann es sehen“, sagt sein 69-jähriger Bruder, dessen Markenzeichen als Clown die mit Spray nach oben toupierten und seitlich abstehenden Haare sind. „Ich liebe das, was ich mache. Wenn dieses Gefühl nicht mehr da ist, dann ist es besser, aufzuhören.“
Mit der Zeit sei es schwieriger geworden, das Publikum zu erreichen, zumal in einer Manege, in der man zu mehreren Seiten hin spielen muss. Von den vielen Online-Angeboten übersättigt und den raschen Wechsel der Inhalte gewohnt, könnten sich viele Besucher und Besucherinnen nicht mehr so gut und anhaltend konzentrieren wie früher.
Dem begegnen die perfekt aufeinander eingespielten Clowns mit professioneller Routine. „Je mehr Erfahrung du hast, umso besser wirst du, das ist wie bei anderen Künstlern“, sagt Gianni. Ans Aufhören denkt er keineswegs: „Warum sollte ich zu Hause bleiben? Das wird nach einer Woche langweilig.“ Nach ihren Auftritten im Kölner Weihnachtscircus sind sie zu Gast bei einem Festival in der Schweiz. Schon jetzt blicken sie erwartungsvoll auf das Jahr 2028: Stéphanie von Monaco habe sie eingeladen, das 50. Jubiläum des Internationalen Zirkusfestivals mitzufeiern.
Kölner Weihnachtscircus, 27. November 2026 bis 3. Januar 2027, im Palastzelt an der Peter-Huppertz-Str. im Schanzenviertel, Mülheim. Tickets ab 24,90 Euro. Bis zum 18. Dezember ist mittwochs und donnerstags Partnertag. Für die Vorstellungen an diesen Tagen sind zwei Tickets zum Preis von einem erhältlich. www.koelner-weihnachtscircus.de

