Zwei Jahre nach seiner Weltpremiere auf der Bonner Hofgartenwiese kam Bernhard Paul 1978 mit zwei Tüten nach Köln. In der einen Unterhosen, in der anderen T‑Shirts. „Ich kam mit nichts, aber mit einem vollen Herzen“, sagt der Zirkusdirektor fast fünf Jahrzehnte später.
Aus seinem anfangs hoch verschuldeten Circus Roncalli ist inzwischen eine Erfolgsgeschichte geworden. 50 Jahre nach seiner Gründung kann der Österreicher stolz zurückblicken. Im Frühjahr feierte er sein Jubiläumsprogramm auf dem Neumarkt.
Bernhard Paul wird im Rathaus für sein Lebenswerk geehrt
Die stolze Entwicklung würdigte Oberbürgermeister Torsten Burmester, indem er am Dienstag (27. Oktober) einen Empfang in der Piazzetta des Rathauses ausrichtete. Paul durfte sich ins Gästebuch der Stadt Köln eintragen.
„Der Zirkus stand damals kurz vor dem Scheitern, das Geld war weg. Sie sind mit dem, was übrig geblieben ist, nach Köln gekommen, nicht nach Wien, nicht nach Berlin oder München“, blickte Burmester zurück. „Roncalli war immer mitten drin in dieser Stadt. Sie haben unsere Stadt nie nur als Standort gesehen.“ Nach dem Einsturz des Stadtarchivs hat der Regisseur eine Restaurierungspatenschaft übernommen.

Bernhard Paul (r.) wurde im Rathaus für sein Lebenswerk mit stehenden Ovationen gefeiert.
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„Ihre neuen Interpretationen des Zirkus haben mich schon immer sehr beeindruckt. Ich weiß, wie viel harte Arbeit hinter scheinbar mühelosen Bewegungen steckt.“ Roncalli, so fasste es der OB zusammen, sei „50 Jahre voller Staunen, Lachen und leiser Momente, in denen man im Zelt den Atem anhält“. Paul habe Köln ein Stück bunter gemacht.
Bei solch warmen Worten verkniff sich der Direktor auch die sonst bei ihm übliche Kritik an der Stadt. Seit über zehn Jahren träumt Paul von einem Zirkus-Museum in Köln. „Eines Tages, vielleicht zum 100. Geburtstag, eröffnen wir das“, spaßte er, als er ans Rednerpult humpelte. Im September war er ausgerutscht und hatte sich den Fuß gebrochen. Immerhin konnte er zur Ehrung ohne Rollstuhl oder Krücken kommen.
Bernhard Paul: „Köln ist mir ans Herz gewachsen“
„Ich freue mich unglaublich über diese Ehrung, weil meine Familie und ich Köln lieben. Es war manchmal anstrengend. Wir sind über die Wahl, dass wir uns in Köln niedergelassen haben, aber sehr froh. Die Stadt ist mir ans Herz gewachsen.“ Paul wird im kommenden Jahr 80 Jahre. „Ich bin auf der Zielgeraden. 90 werden nur die wenigsten. Die nächsten Jahre kann ich noch einiges erledigen.“
Vielleicht lässt sich unter Burmester ja der Museumstraum endlich umsetzen. „Der hat kaum hier angefangen, schon konnte er die Oper eröffnen“, scherzte der Geehrte. Und schloss ernster an: „Ich biete die ganze Kraft von Roncalli und seinen Mitarbeitern an. Wenn ihr etwas benötigt und wir helfen können, sind wir da.“

Oberbürgermeister Torsten Burmester freute sich beim Roncalli-Empfang über die kölsche Prominenz: Peter Werner, Tommy Engel, Patrick Lück, Heiko Braun und Janus Fröhlich (v.l.) waren dabei.
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Deshalb will der Zirkus auch trotz der Schwierigkeiten seinen Stammsitz in Köln behalten. „50 Jahre lang erfreuen wir die Menschen und machen sie glücklich. Zirkus ist Theater des Volkes und wir haben es immer auf hohem Niveau versucht.“
Der Steuersitz bleibt deshalb in Köln. „Alle zwei Jahre gastieren wir vier Wochen auf dem Neumarkt. Aber die ganze restliche Zeit, versteuern wir das Geld, was wir von New York bis Kopenhagen verdienen, hier. Wir zahlen 400.000 Euro Gewerbesteuer jedes Jahr. Das zahlen wir gerne und reden da nicht drüber. Außer heute.“
Begleitet wurde Paul von seiner Frau Eliana, Tochter Vivian und Sohn Adrian. Tochter Lili steht derzeit in Innsbruck in der Manege. Die stellvertretende NRW-Ministerpräsidentin Mona Neubaur schickte eine Video-Botschaft. Roncallis musikalischer Direktor Georg Pommer sorgte für die Untermalung.
Zum Gratulieren waren Tommy Engel, die Alt- und Neu-Höhner Peter Werner und Janus Fröhlich sowie Patrick Lück und Heiko Braun gekommen. Moderator Matthias Opdenhövel, Domdechant Robert Kleine, der frühere NRW-Finanzminister Norbert Walter-Borjans, Ex-OB Jürgen Roters und der frühere Koelncongress-Chef Bernhard Conin stießen mit auf 50 Jahre Roncalli an.


