So geleckt haben die Pendler den Bahnhof Ehrenfeld schon lange nicht mehr gesehen. Das Ergebnis von zwei Wochen Großputz kann sich sehen lassen. Die meisten Aufkleber und Graffiti sind verschwunden, die Schmierereien am Bahnsteig-Mobiliar beseitigt, die Mülleimer quellen nicht mehr über, in den Abgängen zur U-Bahn riecht es nicht mehr streng, die öffentliche Beleuchtung erneuert. Selbst an den vergammelten Bahnbögen, die seit Jahren ein Streitthema zwischen der Bahn und der Stadt sind, und das in Kürze gelöst werden soll, sieht es einigermaßen ordentlich aus.
Auf den letzten Metern der Reinigungsaktion trifft sich das Quartett, das die Sauberkeitsaktion im Frühjahr ins Leben gerufen hat: Oberbürgermeister Torsten Burmester, Alexandra Rohlmann, Vorständin für Technik und Finanzen der KVB, Markus Bokelmann, seit ein paar Wochen Boss der Abfallwirtschaftsbetriebe, und Kai Rossmann, Leiter des Bahnhofsmanagements der DB. Sie entsorgen ein paar Schrotträder und reinigen Glas-Vitrinen der Zwischenebene zur U‑Bahn. Mehr als drei Millionen Euro muss allein die KVB pro Jahr nur für die Reinigung der Haltestellen aufwenden.

Wie geleckt: der Bahnhof Ehrenfeld nach der zweiwöchigen Grundreinigung. Foto: Alexander Schwaiger
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Ehrenfeld ist nach dem Hauptbahnhof und dem Hansaring seit dem Frühjahr die dritte Station, an der so viel Aufwand betrieben wird. „Und wir werden weitermachen“, sagt der Oberbürgermeister entschlossen. „Wir hören nicht auf mit diesen öffentlichkeitswirksamen Aktionen. Weil wir zeigen wollen, dass die Zusammenarbeit funktionieren muss und ein nachhaltiger Effekt auf die Sauberkeit unserer Stadt nur dann eintritt, wenn alle Bürgerinnen und Bürger mit uns an einem Strang ziehen.“
Wir werden weitermachen
Das Thema ist dem OB offenbar so wichtig, dass er die Bilanz aller Aktionen im Kopf hat: 380 wilde Müllkippen und 788 Schrotträder beseitigt, 578 Spielplätze kontrolliert.
Ob sich durch Putzaktionen wie am Bahnhof Ehrenfeld etwas ändern lässt? In zwei Wochen wurden 90 Schrotträder allein im Umfeld der Station entfernt. Der langjährige Leiter des Bahnhofsmanagements im Großraum Köln bleibt skeptisch. „Wir haben hier Grund reingebracht, um zu zeigen, wie so ein Bahnhof aussehen könnte“, sagt Kai Rossmann. „Das zu erhalten, ist ein Gemeinschaftsthema. Wenn sich das Verhalten der Nutzer nicht ändert, können wir hier 24 Stunden pro Tag Reinigungskräfte hinstellen und werden das nicht schaffen.“
Das sieht man auch am Donnerstag auf den S‑Bahnsteigen. Gleisbett ist zum Teil schon wieder zugemüllt. „Das können wir nicht mal so eben saubermachen. Hier fahren Züge. Das wäre viel zu gefährlich“, sagt die Mitarbeiterin von DB-Service, die für die Sauberkeit von 52 Bahnhöfen im Rheinland verantwortlich ist. Die schlimmsten Stationen neben Ehrenfeld seien Mülheim, Hansaring und Trimbornstraße. „Wir reinigen dort einmal täglich. Aber das reicht eigentlich nicht.“
Für den Geschäftsführer der Abfallwirtschaftsbetriebe ist das alles noch Neuland. „Mein erster Eindruck ist, mit welchem Engagement und welcher Professionalität die Kolleginnen und Kollegen der AWB für Sauberkeit sorgen“, sagt Markus Bokelmann. Mit der Zusammenarbeit von Stadt, Bahn, KVB und AWB könne man viel bewirken. „Das hat sich am Hansaring und am Hauptbahnhof gezeigt. Wir können als AWB immer nur hinterherputzen. Wenn aber alle mitmachen, sorgen wir gemeinsam für ein besseres Sicherheitsgefühl und eine höhere Lebensqualität, als wir die jetzt schon in Köln haben.“

