Der Niederländer studierte bereits vor zehn Jahren in Köln. Nun kehrt er zurück – und ist direkt einer der Publikumslieblinge.
Pantomime, Tanz und SlapstickKevinski ist der etwas andere Clown im Circus Roncalli

Kevin Gorczynski alias Kevinski ist der neue Clown beim Circus Roncalli.
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Köln ist Zirkus. Das war einer der bleibendsten Eindrücke von Kevin Gorczynski während seines Pantomime-Studiums in Köln. Wo genau das war? Gute Frage. Irgendwo im Rechtsrheinischen, ein Appartement, holzverkleidet und mit großen Spiegeln ausgestattet. Die Einfahrt in die Stadt blieb dem Niederländer dagegen mehr im Kopf. An einer roten Ampel jonglierten die Straßenkünstler, schritten mit ihren Hüten die wartenden Autos ab und freuten sich über die Münzen der Insassen. „Ich war begeistert“, erinnert sich Gorczynski.
Gut zehn Jahre später ist er zurück in Köln. Er ist der neue Clown im Circus Roncalli, der noch bis Ende Mai auf dem Neumarkt gastiert. Der neue Clown ist einer, den der Circus Roncalli lange nicht in seinen Reihen hatte. Vivi Paul, die Tochter von Roncalli-Chef Bernhard Paul, hatte ihn in den Niederlanden gescoutet. Mit seinen großen Locken, seinem elastischen Gesicht und seinem flexiblen Körper steht Kevinski etwas unbeholfen und schlaksig in der Manege, schüchtern, verträumt, immer ein bisschen zu spät.

Kevinski mit Weißclown Gensi in der Manege
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Mit einer modernen Mischung aus Tanz, Slapstick und Pantomime ist Kevinski auch in Köln schnell zu einem der Publikumslieblinge geworden. „Es gibt nicht so viele Clowns mit dieser Mischung“, sagt Gorczynski. Für seine Kunst braucht er nicht viel. Einen Koffer, der durch die Pantomime-Fähigkeiten von Kevinski wie von Zauberhand ein Eigenleben entwickelt und davonfliegt. Einen überdimensionalen Lollipop, der mal zum Mikrofon, mal zum Boxsack und mal zur Gitarre umfunktioniert wird. Oder einfach nur seinen Körper, den er besonders spektakulär beim sogenannten „Popping“ mit harten, roboterartigen Bewegungen in Szene setzt.
Kevinski im Circus Roncalli: Charlie Chaplin als Vorbild
Menschen gute Laune zu bereiten, das hat Kevin Gorczynski schon immer im Blut gehabt. „Wenn Mitschüler eine schlechte Note geschrieben haben oder es ihren Haustieren nicht gut ging, dann wollte ich ihnen ein gutes Gefühl geben“, sagt Gorczynski. „Die Leute haben über mich gelacht. Aber positiv.“ Eine Laufbahn als klassischer Clown hatte er dennoch nie im Sinn. Ihn faszinierte das Theater, das Straßentheater, Künstler, die die Aufmerksamkeit von Passanten weckten. Stummfilm-Legenden wie Charlie Chaplin oder Buster Keaton begeisterten ihn. Im Cirque du Soleil sah er einen Clown, der ihn ganz besonders inspirierte. „Er war ganz allein in einer großen Arena und hat nur mit Geräuschen eine Geschichte erzählt. Da habe ich gedacht: Das könnte etwas für mich sein.“
Auch deshalb, weil der kleine, schüchterne Kevin selbst nur wenig redete, begeisterte ihn das Spiel mit dem Körper und mit der Mimik, die er in der Tanzausbildung und im Pantomime-Studium in Köln verfeinerte. Später arbeitete Gorczynski unter anderem als Mime im Movie Park Germany in Bottrop, zeitweise aber auch mit dem niederländischen Zauberkünstler Hans Klock, der Gorczynski als „neuen Charlie Chaplin“ feierte.

Kevin Gorczynski bei der Vorbereitung auf die Show
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Inspiration für seine Geschichten findet Gorczynski in der Musik, in eigenen Erfahrungen, aber auch in ganz einfachen Beobachtungen auf der Straße. Menschen, die auf den Bus warten, oder Kinder und Senioren, die einfach nur auf ihre ganz eigene Weise durch die Stadt gehen. „Jeder Mensch hat seine Eigenheiten, von denen man sich etwas abschauen kann.“
Eine Besonderheit beim Circus Roncalli ist die Vielfalt der Clowns. Teilweise steht Kevinski gemeinsam mit Weißclown Gensi, dem Musikclown Canutito Jr., Housch-ma-Housch, ebenfalls neu im Ensemble, und dem Gondoliere Professor Wacko in der Manege: vier Menschen, die einander nicht kannten und unterschiedliche Sprachen sprechen. „Aber wenn wir Clowns zusammenspielen, verstehen wir einander. Das sind die besonderen Clown-Antennen in unseren Clown-Gehirnen“, sagt Gorczynski. „Eine Choreografin sortiert das Clown-Chaos dann zu einer stimmigen Nummer.“
Dass Köln und der Zirkus irgendwie zusammengehören, das ist auch jetzt wieder sein Eindruck. „Die Leute haben so große Lust auf Zirkus“, sagt Gorczynski. „Wir sind die Stars, schon bevor die Show überhaupt begonnen hat.“
