Köln – Eines der prägnantesten Gebäude an der Nord-Süd-Fahrt in der Innenstadt wird ein völlig neues Aussehen erhalten. Wie der „Kölner Stadt-Anzeiger“ erfuhr, wird das 40 Jahre alte WDR-Filmhaus zwischen Tunisstraße und Appellhofplatz ab Ende 2017 kernsaniert. Lediglich der Rohbau soll als Korsett erhalten bleiben, so dass praktisch ein komplett neues Gebäude entstehen wird. „Der Brandschutz entspricht nicht den aktuellen Vorschriften, und die Haustechnik ist veraltet“, sagt Projektleiter Matthias Kosek. Das sei zwar nicht gefährlich und die Bausubstanz sei völlig in Ordnung, aber die aktuellsten Vorschriften wären nicht mehr erfüllt. Die Betriebserlaubnis laufe nur noch bis 2020. Bis dahin müsse alles umgestaltet sein.
Ein Umbau im Bestand sei nicht möglich gewesen. Für die Generalsanierung habe zudem gesprochen, dass neueste Energiestandards umgesetzt werden können und in Zukunft eine bessere Vernetzung der medialen Kanäle Fernsehen und Internet möglich sei. Wie teuer der aufwendige Umbau wird, will der WDR noch nicht bekannt geben. In der Auftragsbekanntmachung für die Projektsteuerung, die dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ vorliegt, ist von einem „derzeitigen Kostenrahmen“ in Höhe von etwa 80 Millionen Euro die Rede. „Ein Gebäude zu entkernen und danach neu aufzubauen gehört nicht zu unserem Tagesgeschäft“, sagt Kosek. „Das ist ein außergewöhnliches Projekt.“
Das Filmhaus wurde zwischen 1971 und 1974 gebaut und verfügt über zehn Stockwerke sowie drei Untergeschosse. Es handele sich um einen „Maßanzug für die Fernsehtechnik und die Arbeitsläufe der damaligen Zeit“, sagt Kosek. So sei klar erkennbar, dass die meisten Räume über eine Zellenstruktur verfügen, die heute nicht mehr optimal genutzt werden könne. Im Filmhaus befindet sich der Programmbereich Information mit Sendungen wie „Tagesschau“, „Monitor“, „Die Story“ und „Lokalzeit“ sowie der gesamte digitale TV-Sender „Einsfestival“. Das Fernsehstudio E, in dem der Brennpunkt aus Köln produziert wird, findet im unteren Bereich des Gebäudes Platz.
Bis Ende 2017 der Abriss und Neubau beginnt, müssen die 580 Mitarbeiter, die im Filmhaus beschäftigt sind, umgezogen sein. „Wir entwickeln zurzeit ein Ausweichszenario für die vom Umzug betroffenen Redaktionen“, sagt Kosek. Der WDR wolle das auf eigenen Flächen lösen und nach Möglichkeit keine Räume in fremden Gebäuden mieten. Ohnehin befinde sich aktuell viel in Bewegung. So seien etwa die Radiosender WDR 2 und WDR 5 in die Arkaden umgezogen, so dass zum Beispiel im Funkhaus am Wallrafplatz Platz vorhanden sei. Ob dieser auch für Redaktionen aus dem Filmhaus genutzt werden kann, ist allerdings noch unklar.
Ein Wettbewerb für die Generalsanierung des Filmhauses ist bereits angelaufen (siehe „Architektenwettbewerb“). „Die flexible Nutzung des Gebäudes ist für uns ein Hauptkriterium bei der Auftragsvergabe“, sagt WDR-Architekt Stefan Lenz. Am 30. April wird eine Jury, zu der unter anderem WDR-Intendant Tom Buhrow und Baudezernent Franz-Josef Höing gehören, den besten Entwurf küren. Die Beiträge werden danach öffentlich ausgestellt.
Die Vorgaben für die Architekten wurden gering gehalten, um ihnen möglichst viel Spielraum zu lassen. Wichtig sei vor allem, den Bebauungsplan einzuhalten. Der neue Baukörper werde ungefähr dieselbe Größe erreichen wie der bisherige, so Lenz. „Es ist außerdem sehr wahrscheinlich, dass das sanierte Gebäude wieder ein Flachdach erhält“, sagt er. Wichtig sei, dass der Eingang künftig ebenerdig und damit barrierefrei erreichbar sein soll. Bislang führt eine steile Treppe in das Gebäude. Außerdem soll ein neuer Übergang zum Archivhaus gestaltet werden, das sich unmittelbar über der Tunisstraße befindet.
Das Gebäude stehe nicht unter Denkmalschutz , und der damalige Architekt habe bereits seine Einwilligung gegeben, so Projektleiter Kosek. Das Vorhaben sei auf dem besten Weg. Die Arbeiten sollen bis 2020 abgeschlossen sein.
