Die Staatskanzlei des Landes NRW präsentiert in einem Booklet neue Visualisierungen und Details zu den Stadionplänen im Kölner Norden.
Kölns OlympiapläneDopingkontrollzentrum wird zur Kita – Gemüseanbau am Stadion

So sollen Olympiastadion und Olympisches und Paralympisches Dorf im späteren Kölner Stadtteil Kreuzfeld aussehen. Rechts begrenzt der Blumenbergsweg das Areal, links vom Stadion ist ein Aufwärmplatz geplant.
Copyright: planquadrat
Die olympische Laufbahn wird zum öffentlichen Park, der Aufwärmplatz der Leichtathleten zur grünen Mitte des neuen Kölner Stadtteils Kreuzfeld. In das Dopingkontrollzentrum zieht eine Kita ein, in die Mensa für Spitzenathleten aus aller Welt eine Schule und die Poliklinik für Sportlerinnen und Sportler wird zum Ärztehaus. Das sind die Pläne für einen Kölner Olympiapark mit Athletendorf und Stadion, mit denen Köln und die Region um den Zuschlag für die Ausrichtung der Spiele werben.
Auf 30 der 163 Din-A4-Seiten des kürzlich veröffentlichten Köln-Rhein-Ruhr-Booklets geht es um das Olympische und Paralympische Dorf und Stadion im Kölner Norden. Neue Visualisierungen des Darmstädter Architektur- und Stadtplanungs-Büros planquadrat zeigen die auf das Areal in Chorweiler angepassten Ideen eines temporären Leichtathletikstadions. Der Slogan der Planer: „Olympia wird Stadt – Gekommen um zu bleiben“.
So soll Kreuzfeld während der Spiele aussehen
„Das Olympische und Paralympische Dorf in Kreuzfeld erfüllt nicht nur alle Anforderungen der Sportverbände, sondern ist zugleich eine historische Chance für die Kölner Stadtentwicklung“, sagt Oberbürgermeister Torsten Burmester: „Nach der temporären Nutzung durch die Athletinnen und Athleten entsteht hier dringend benötigter Wohnraum für bis zu 10.000 Menschen samt nachhaltig tragfähiger Infrastruktur und guter Verkehrsanbindung.“

Der geplante Kölner Stadtteil Kreuzfeld mit Olympiastadion, Aufwärmplatz und Olympischem und Paralympischem Dorf, oben begrenzt der Blumenbergsweg das Areal.
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In dem Booklet werden die mit Olympia verwobenen Pläne für Kreuzfeld in eine erste Phase („Die Spiele als Initialzündung“) und eine zweite („Transformation zum Stadtteil“) unterteilt. In Phase eins will man das Areal in einen öffentlichen Zuschauerbereich mit dem Leichtathletikstadion und einem vorgelagerten Olympic Plaza einerseits und in das gut gesicherte Olympische (später Paralympische) Dorf für bis zu 16.000 Athleten und Betreuer andererseits teilen.
An das Stadion angeschlossen läge, bereits innerhalb des gesicherten Bereichs, ein Aufwärmplatz für die Sportlerinnen und Sportler. Rechts und links des Stadions würden mehrere Baufelder zunächst unbebaut bleiben, um logistische Groß-Infrastruktur für die Spiele unterzubringen: etwa Busterminals, Parkplätze, Flächen für TV-Compounds.
Nach Olympia: Wohnungen statt Athletenunterkünfte
Die Verkehrsanbindung soll über den bereits bestehenden Blumenbergsweg, für den ein Anschluss an die A 57 vorgesehen ist, und die S-Bahn-Station Blumenberg erfolgen. Beides sind Knackpunkte in der Entwicklung des bereits vor 30 Jahren beschlossenen 87. Kölner Veedel. Im März sagte Burmester, Bund und Land müssten das Projekt priorisieren: „Mit Olympischen und Paralympischen Spielen schaffen wir diese Anbindung, wir schaffen es schneller, solche Projekte zu entwickeln.“

So soll der Kölner Stadtteil Kreuzfeld nach dem Rückbau des Olympiastadions aussehen, der Aufwärmplatz ist zur „Grünen Mitte“ des Viertels, der Stadion-Innenraum zu einem Park geworden.
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Die baulichen Strukturen trügen bereits in der ersten Phase „die funktionale DNA der späteren Stadtquartiere“ in sich, heißt es in dem Konzept. So könnten sie nach den Spielen nahtlos weiter- oder umgenutzt werden. Wer Sorge hat, die Athleten-Apartments könnten dem Bedarf der zukünftigen Bewohner des Viertels nicht entsprechen, dem halten die Planer entgegen, dass die Grundrisse der Einheiten so entworfen seien, dass sie „in der späteren Phase mit minimalem baulichen Aufwand in attraktive Regelwohnungen für unterschiedliche Haushaltsgrößen umgewandelt werden können“.
Impulsgeber für Nachhaltigkeit und Innovation
Bei alledem will man auch Impulsgeber für Nachhaltigkeit und Innovation sein: Es soll Regenwassernutzungsanlagen geben und Grauwasser soll aufbereitet und für die Bewässerung der Grünflächen genutzt werden. Die Anordnung von Gebäuden und Straßenzügen soll eine Querlüftung sicherstellen, eine massive Durchgrünung mit Bäumen und Fassadenbegrünung ist ebenso vorgesehen wie Sprühregensysteme, die an besonders heißen Tagen für Abkühlung sorgen. „Diese Maßnahmen transformieren das Olympische und Paralympische Dorf in eine kühlende Oase innerhalb des Kölner Nordens“, heißt es zuversichtlich in dem Konzept. Für die Energieversorgung plant man mit Geothermie, Wärmepumpen, großflächigen Photovoltaik-Dachanlagen und einem Eisspeicher für die Gebäudekühlung.

Der geplante Kölner Stadtteil Kreuzfeld nach dem Rückbau des Olympiastadions, die Wohnbebauung ist näher an den Stadion-Nukleus des Viertels herangerückt.
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Eine weitere Vision in dem Konzept: Vertical Farming. Heißt: Gemüseanbau an den Wänden des Stadions. „Vertical Farming am Leichtathletikstadion steht exemplarisch für eine zukunftsorientierte Neuausrichtung urbaner Ernährungssysteme“, schreiben die Planer in dem Konzept. So könnten in dicht besiedelten Städten, in denen verfügbare Flächen knapp sind, Lebensmittel effizient, lokal und ressourcenschonend produziert werden.
Für die Spiele soll eine Wohnfläche von rund 310.000 Quadratmetern realisiert werden, hinzu kommen 100.000 bis 120.000 Quadratmeter für eine erweiterte Infrastruktur des Dorfes mit Mensa, Poliklinik, Dopingkontrollzentrum oder Trainingshallen. Nach den Spielen soll die Wohnbebauung dann unmittelbar an das Stadion heranrücken, dabei würden zusätzliche Kapazitäten von rund 300.000 Quadratmetern Bruttogrundfläche geschaffen, heißt es in dem Konzept.
Der Trick beim temporären Stadion: Es erhält einen L-förmigen Rohbau, der erhalten bleibt. Alles andere entsteht in modularer Holzbauweise, so dass Gebäudeteile nach den Spielen demontiert und anders wieder aufgebaut werden können. „Durch ein hochflexibles, modulares Bausystem werden die ehemaligen Tribünen zu hochwertigem Wohnraum transformiert und die Stufenanlagen zu privaten Dachterrassen umgestaltet.“ So werde „die emotionale Bedeutung der olympischen und paralympischen Geschichte“ bewahrt, schreiben die Planer: „Anstatt Ressourcen für kurzlebige Monumente zu verbrauchen, begreifen wir die vorhandene Megastruktur als wertvolles Fundament für ein innovatives Quartierszentrum.“
