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„Notstand“34 Kölner Schulleiterinnen und Schulleiter fordern endlich Lösungen

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Schulklasse

Blick in eine Schulklasse (Symbolbild)

Köln – Die Schulleitungen der Kölner Gymnasien haben sich in noch nie da gewesener Form geschlossen an die Kölner Eltern und die Stadtgesellschaft gewandt: In einem offenen Brief fordern die 34 Schulleiterinnen und Schulleiter die Stadt Köln und das Schulministerium NRW öffentlich auf, „dem eklatanten Notstand in der Stadt Köln“ zu begegnen. Die Kinder dürften nicht weiter im Stich gelassen werden und dem Schulbau müsse höchste Priorität gegeben werden. Und ein solches Anmeldeverfahren wie in diesem Jahr dürfe es nie wieder geben.

Öffentlicher Hilferuf der Kölner Schuleiterinnen und -leiter

Eigentlich kann man den dreiseitigen Brief, aus dem Wut und Verzweiflung sprechen, mit einem einzigen Satz zusammenfassen: Es reicht! Es ist nichts weniger als ein öffentlicher Hilferuf. Jahrelang hatten die Schulleitungen in Loyalität zur Stadt und auch zum Land Nordrhein-Westfalen still gehalten, obwohl sie die Folgen fehlender Schulplätze seit Jahren ausbaden.

Das gehe jetzt nicht mehr, hieß es. Es sei an der Zeit, sich öffentlich an die Seite der Kinder und Eltern zu stellen, die „schlimmerweise teilweise fünf und mehr Schulplatzabsagen verkraften müssen“ statt weiter „hilflos den Mangel zu verwalten“ und als Getriebene das Verfahren rechtssicher zu machen.

Kölner Schulen: Fachunterricht ohne Fachräume

Wie der Mangel aussieht, das bringen die Schulleitungen in ihrem Brief auf den Punkt: Seit zehn Jahren werden Mehrklassen gebildet, obwohl die Schulgebäude das nicht hergeben. Seit Jahren findet der Fachunterricht deshalb in großem Umfang nicht mehr in Fachräumen statt. Seit Jahren nehmen die Schulen bis zu 31 Schüler pro Klasse auf. Schulleitungen müssten ihr Vorgehen in jedes Jahr mehr Fällen gegenüber Anwälten darlegen und verteidigen. Was absurderweise von Seiten der Schulen zu immer enger ausgelegten Vorschriften und zu einer ausschließlichen Verrechtlichung führt.

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Das ist seit Jahren so, aber augenscheinlich haben das neue System der Mehrfachanmeldungen und der immense Druck, erneut 15 Mehrklassen bilden zu müssen, das Fass zum Überlaufen gebracht. Schließlich geht es auch um Pädagogik: Durch die Mehrfachanmeldungen sei kein einziger Schulplatz zusätzlich geschaffen worden. Viele hätten Lospech. Und viele hätten Losglück – aber nicht an der Schule, die für sie die richtige sei. Pädagogische Konzepte und Schulprofile spielten so ohnehin keine Rolle mehr.

Schließlich weisen die Schulleitungen daraufhin, dass sich der riesige Überhang von 1000 Schülern bei den Gesamtschulplätzen auch „ungebremst“ auf die Gymnasien auswirkt. Mit dem Ergebnis, dass dort immer mehr Kinder sitzen, die nicht für das Gymnasium empfohlen wurden. An etlichen Schulen würden vielen Kindern mit Realschulempfehlung Plätze zugelost, während Kinder mit eindeutiger Gymnasialempfehlung leer ausgingen. Das ist nicht nur ungerecht, es bedeutet auch für die Kinder, die dann im Gymnasium von Beginn an überfordert sind und nicht selten scheitern, sehr viel Leid. Auch das ist eine Folge der Schulplatznot in Köln.

Schnelleren Schulbau in Köln gefordert

Die Schulleitungen fordern nun ganz konkret die viel schnellere Schaffung neuer Gesamtschulen und Gymnasien – schon für das Schuljahr 2023/24. Zur Not müssten andere Projekte hinten anstehen. Zudem müsse bei den bestehenden Gymnasien der Fachraumausbau höchste Priorität bekommen. Denn: Immer wieder werden den Gymnasien als Entgegenkommen für die Aufnahme einer Mehrklasse neue Fachräume zugesagt, die dann etliche Jahre und Mehrklassen später immer noch nicht da sind.

Schließlich geht auch eine konkrete Forderung an das Land Nordrhein-Westfalen: Das Schulgesetz müsse so angepasst werden, dass ein Anmeldeverfahren an den weiterführenden Schulen möglich sei, dass den Kindern gerecht wird. Das heißt konkret: die gesetzliche Möglichkeit der Mehrfachanmeldung sollte aus ihrer Sicht abgeschafft werden.

Ministerium: Rechtlicher Rahmen wird geprüft

Das Schulministerium sagte dazu auf Anfrage, dass man das diesjährige Anmeldeverfahren in Köln aufmerksam beobachte. Der neu gewählte Landtag  müsse dann  entscheiden, ob der rechtliche Rahmen für das Verfahren angepasst werden soll. Das Ministerium betonte jedoch, dass es für die Stadt auch die Möglichkeit gegeben hätte, Schuleinzugsbereiche zu bilden, um eine gleichmäßige Auslastung der Schulen zu erreichen und Wohnortnähe zu gewährleisten. Dies habe die Stadt nicht getan.

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Schuldezernent Robert Voigtsberger äußerte „vollstes Verständnis“ für den Unmut von Familien und Schulleitungen. Die Kernbotschaften des Briefes entsprächen den Forderungen, die er in Köln seit Dienstantritt immer wieder vorbringe. Die rechtliche gestattete Option der Mehrfachanmeldung missfalle auch ihm. Es sei aber ein Gebot der Chancengleichheit gewesen, diese Option für alle transparent zu machen.

Er betonte, dass der Schulbau allerhöchste Priorität haben müsse. Dafür brauche es die Unterstützung aller Akteure. Andere Interessen „dürfen dem Schulbau nicht entgegenstehen oder die Prozesse verzögern“. Die Einrichtung einer Schulbaugesellschaft gehe in die richtige Richtung. Er werde sich mit aller Kraft für schnellstmögliche Verbesserungen einsetzen.  

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