Ein Jungtier, das niemand erwartet hat, hat sich jetzt erstmals im Madagaskarhaus gezeigt. Für den Kölner Zoo ist das ein Erfolg.
Nachwuchs im MadagaskarhausSeltene Geburt bei bedrohter Art schreibt in Köln Zoo-Geschichte

Dieser Zucht-Erfolg bringt den Artenschutz voran: Im Kölner Zoo ist ein Jungtier (r.) bei den Madagaskar-Springratten zur Welt gekommen.
Copyright: Rolf Schlosser
Im Kölner Zoo ist etwas gelungen, worauf Artenschützer gehofft haben: Erstmals ist bei den sehr seltenen Madagaskar-Springratten ein Jungtier geboren worden. Das gibt der Tierpark in einer Pressemitteilung bekannt. Bereits Ende November sei der Nachwuchs im Madagaskarhaus zur Welt gekommen, verborgen im unterirdischen Gangsystem der Tiere.
Fünf Wochen später habe sich das Junge erstmals ans Licht gewagt – und zwar „exakt zu Weihnachten“. Für das Zoo-Team sei das ein besonderer Moment gewesen. Die Tierpflegerinnen und -pfleger tauften das Jungtier „Noely“, das madagassische Wort für Weihnachten. Das Geschlecht sei bislang noch nicht bekannt.
Kölner Zoo: „Ako “und „MJ“ sind Eltern geworden
Die Eltern sind der zweieinhalbjährige „Ako“ und das fast zweijährige Weibchen „MJ“. Beide kamen 2024 aus europäischen Zoos nach Köln – mit einem klaren Ziel: die Nachzucht dieser vom Aussterben bedrohten Art. Mit „Noely“ ist dieses Vorhaben nun aufgegangen. Zuletzt war im Kölner Zoo ein Elefantenjunges tot zur Welt gekommen.

Die Madagaskar-Springratten haben Zuwachs bekommen. "Noely" heißt das Jungtier.
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Madagaskar-Springratten sind mit rund 30 Zentimetern und einem Gewicht von etwa einem Kilo die größten Nagetiere der Insel vor Ostafrika, berichtet der Kölner Zoo. Sie sind Vegetarier, leben nachtaktiv in Trockenwäldern, graben weitverzweigte Höhlensysteme und bleiben als Paar ein Leben lang zusammen. Meist kommt nur ein Jungtier pro Jahr zur Welt. Deshalb sei jede Geburt ein Erfolg für den Artenschutz.
Forschung im Madagaskarhaus liefert neue Erkenntnisse
Um ihren Bestand zu sichern, gilt der Aufbau von Zoo-Populationen als wichtig. Gleichzeitig lieferten die Tiere wertvolle Erkenntnisse: Im Kölner Zoo seien bereits zwei Bachelorarbeiten über die Art entstanden, aktuell laufe eine Studie zum Familienleben der Springratten.
Klar ist inzwischen auch ihre ökologische Bedeutung: „Experten konnten bereits herausfinden, dass die Madagaskar-Springratte in der Wildbahn eine wichtige ökologische Rolle als Beutetiere für Schlangen, Greifvögel und das bekannteste Raubtier, die Fossa, spielt.“ Verschwindet die Springratte, geraten weitere Arten unter Druck.
Madagaskar zählt zu den Hochburgen der globalen Artenvielfalt. Rund 90 Prozent der dortigen Wirbeltiere kommen ausschließlich auf der Insel vor. Abholzung, Brandrodung, Klimawandel und Jagd bedrohen diesen einzigartigen Lebensraum jedoch massiv. Im Madagaskarhaus leben viele hochbedrohte Tiere dieser Insel – neben den Springratten auch verschiedene Lemurenarten, Tenrek und Gecko. (sbo)

