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„Rückläufige Geburtenzahlen“Stadt schließt einzelne Kita-Schließungen nicht aus

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Ein Kind spielt im Sandkasten einer Kita.

Ein Kind spielt im Sandkasten einer Kita. 

Die Stadt stellt sich auf sinkende Kinderzahlen ein und schließt deshalb nicht aus, künftig einzelne Kita-Standorte aufzugeben. Gleichzeitig ist die Betreuung vielerorts noch immer angespannt.

Eltern, deren Kind eine Kölner Kita besucht, haben jüngst Post von der Stadt erhalten – und einige Mütter und Väter dürfte das Schreiben etwas nachdenklich gemacht haben. Denn neben vielen freundlichen Worten, kündigte die Stadt auch an, dass künftig einige Kölner Kitas geschlossen werden müssen. „Die rückläufigen Geburtenzahlen führen dazu, dass sich der Bedarf an Betreuungsplätzen weiter verändern wird und die bestehende Angebotsstruktur der gesamten Trägerlandschaft entsprechend angepasst werden muss“, heißt es. „Vor diesem Hintergrund wird es perspektivisch auch zur zielgerichteten Aufgabe einzelner Standorte kommen.“

Die Stadt bestätigt dies auf eine Anfrage dieser Redaktion. Eine konkrete Zahl oder eine Liste betroffener Einrichtungen nennt die Kommune allerdings nicht. Über die Zukunft einzelner Standorte werde jeweils nach einer fachlichen Prüfung und unter Beteiligung der politischen Gremien entschieden, heißt es. Hintergrund sind die sinkenden Geburtenzahlen. 2025 kamen in Köln 9059 Kinder zur Welt – fast 900 weniger als im Jahr 2000. Nach der kommunalen Bevölkerungsprognose dürfte es in den 2030er Jahren weniger Kinder im Kita-Alter geben als noch vor einigen Jahren. Die Stadt will ihre Kita-Landschaft deshalb an die veränderten Rahmenbedingungen anpassen.

Vor diesem Hintergrund wird es perspektivisch auch zur zielgerichteten Aufgabe einzelner Standorte kommen
Stadt Köln

„Für das Jahr 2035 weicht die Prognose deutlich von der letzten Prognose aus dem Jahr 2022 ab“, heißt es auch im neuen „24. Statusbericht zum Ausbau der Kindertagesbetreuung in Köln“. Demnach verringere sich die Anzahl der Kinder unter drei Jahren um 2292 und die Anzahl der Kinder über drei Jahren um 1729. „Insbesondere auf kleinräumiger Ebene ergeben sich bei den Kinderzahlen unter sechs Jahren erhebliche Differenzen zwischen den Bevölkerungsprognosen 2022 und 2025, was die kleinräumige Planung zusätzlich erschwert.“

Dabei geht es nach Angaben der Verwaltung nicht zwangsläufig nur um Schließungen. Möglich seien auch Veränderungen bei den Gruppenstrukturen und Angebotsprofilen oder eine Anpassung der Betreuungsumfänge. Überalterte Einrichtungen könnten allerdings aufgegeben werden; zudem könnten Mietverträge auslaufen, wenn dies sinnvoll sei. Gleichzeitig sollen in Köln in den kommenden Jahren weitere Kitas eröffnen. Zahlreiche Projekte befänden sich bereits in Vorbereitung oder im Bau.

Sinkende Kinderzahlen in Köln

Die aktuelle Lage ist trotz der perspektivisch sinkenden Kinderzahlen angespannt. In Köln gibt es derzeit 698 Kindertageseinrichtungen, eine weniger als im Vorjahr. Allein die Stadt betreibt 205 Kitas, in denen rund 3600 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter arbeiten. Zu den Beschäftigtenzahlen bei den freien Trägern liegen der Verwaltung nach eigenen Angaben keine vollständigen Angaben vor.

Gut jede vierte der 205 städtischen Einrichtungen – insgesamt 50 – könne derzeit wegen personeller Engpässe nur reduzierte Öffnungszeiten von 40 oder 35 Stunden anbieten. In rund 60 städtischen Kitas werden aktuell keine neuen Kinder aufgenommen. Als Gründe nennt die Stadt länger anhaltende Personalengpässe und bauliche Maßnahmen, die den Regelbetrieb beeinträchtigen. Überschneidungen zwischen beiden Gruppen sind möglich.

Für das Kita-Jahr 2025/26 standen nach Angaben der Verwaltung insgesamt 14.347 Betreuungsplätze für Kinder unter drei Jahren (U3) sowie 32.164 Plätze für Kinder ab drei Jahren bis zum Schuleintritt zur Verfügung. Vier neue Kitas und zwei Kita-Erweiterungen habe die Stadt vollendet – insgesamt seien damit 355 neue Plätze geschaffen worden. Für das laufende Kita-Jahr sind laut Statusbericht zusätzliche 209 Plätze im U3-Bereich und weitere 60 Plätze im Ü3-Bereich geplant. Im Kindergartenjahr 2026/27 würden voraussichtlich acht neue Kindertageseinrichtungen und eine Erweiterung einer bereits bestehenden Kindertageseinrichtung geschaffen. Damit werden insgesamt 460 neue Betreuungsplätze angeboten, die Betreuungsquote soll sich auf 55 Prozent (U3) und 110 Prozent (Ü3) erhöhen.

Weniger Kindertagespflegerinnen

Allerdings bestünde ein Gefälle in der Versorgung mit Kita-Plätzen zwischen den Bezirken 1 bis 5 und den Bezirken 6 bis 9. Dies sei vor allem darauf zurückzuführen, dass das Angebot der Kindertagespflege in den Bezirken 1 bis 5 vergleichsweise hoch sei und teilweise deutlich über dem gesamtstädtischen Durchschnitt liege, die Bezirke 6 bis 9 (Chorweiler, Porz, Kalk und Mülheim) darunter lägen. Die Kindertagespflege sei bis zum Jahr 2023 gewachsen, anschließend aber wieder zurückgegangen. Seien Mitte 2025 insgesamt 807 Personen in der Kindertagespflege tätig gewesen, waren es ein Jahr später 716.

Im Haushaltsplanentwurf 2027 seien für die Kindertagesbetreuung einschließlich der Kindertagespflege Aufwendungen von 802 Millionen Euro vorgesehen, teilte die Stadtsprecherin mit. Darin enthalten seien unter anderem die städtischen Kitas, die Verwaltung sowie die Finanzierung der freien Träger und der Kindertagespflege. Das Geld komme vom Land Nordrhein-Westfalen sowie aus kommunalen Mitteln, ein kleiner Teil werde über Elternbeiträge refinanziert. Wie viel von den angekündigten zusätzlichen 420 Millionen Euro aus dem geplanten Änderungsgesetz zum Kinderbildungsgesetz (Kibiz) in Köln ankommen wird, kann die Stadt derzeit noch nicht sagen. Dafür müssten zunächst die noch ausstehenden Durchführungsverordnungen des Landes vorliegen.

Damit stehen die Kölner Kitas vor einem widersprüchlichen Wandel: Während die Stadt wegen sinkender Geburtenzahlen langfristig über eine Neuordnung und möglicherweise auch die Aufgabe einzelner Standorte spricht, führen Personalmangel und bauliche Probleme bereits heute zu verkürzten Öffnungszeiten und Aufnahmestopps. Eine Entspannung bei der Zahl der Kinder bedeutet deshalb nicht automatisch eine schnelle Entlastung für die Familien.