Fernsehen und im Internet surfen sind laut dem Freizeit-Monitor 2026 der Hamburger Stiftung für Zukunftsfragen aktuell die beliebtesten Freizeitaktivitäten. Dabei könnte man sich die Zeit mit außergewöhnlicheren Dingen vertreiben. Wir haben uns auf die Suche nach besonderen Hobbys gemacht. Eine Auswahl.
Johannes Sander ist Insektenkundler

Hobby-Insektenkundler Johannes Sander sammelt mit selbstgebautem Equipment Käfer.
Copyright: Daniel Sander
Wenn Johannes Sander von seinem Hobby erzählt, merkt man: Er ist durch und durch begeistert - und zwar von Käfern. Der 26-Jährige ist Insektenkundler. Neben seinem Biologie-Studium sammelt er Käfer und bestimmt sie. „Wir haben alleine in Deutschland ungefähr 7000 verschiedene Arten von Käfern“, so Sander. Über einen großen Teil dieser Arten sei noch wenig bekannt. Mit seiner Arbeit möchte Sander zumindest einen kleinen Teil der Tiere weiter erforschen. Dafür ist er seit sechs Jahren Insektenkundler. Auch vorher habe er schon mit Bestimmungsbüchern gesucht. Irgendwann habe er aber gemerkt: „Da stoße ich an Grenzen. Ich möchte das genauer wissen.“ Um die Käfer überhaupt zu finden, braucht es einen gewissen Grad an Professionalisierung: das richtige Equipment, entsprechende Genehmigungen und vor allem ganz viel Wissen. Denn der Großteil der Tiere sei sehr klein. Zum Beispiel der Käfer Baranowskiella ehnstromi, der gerade einmal einen halben Millimeter groß ist. Dieser hat es Sander ganz besonders angetan, so erzählt er.
Die nötigen Skills, um die Tierchen zu finden und zu bestimmen, habe er sich selbst angeeignet. Nachdem er die Käfer mit speziellen Techniken gesammelt hat, bestimmt er sie zu Hause: „Alles, was man entnimmt, muss - das ist der entomologische Ehrenkodex - sauber etikettiert und präpariert werden.“ Jede freie Minute, so sagt er, verwendet er für sein Hobby. Mittlerweile hat Sander eine große Sammlung an Käfern. Die soll eines Tages an ein Museum gehen.
Ellen Meyer sammelt Kennzeichen

Ellen Meyer sammelt überall utokennzeichen, hier zum Beispiel in Bonn.
Copyright: Ida Baggen
Ellen Meyer sammelt Kennzeichen. Seit einem Jahr hält die 23-Jährige Ausschau nach besonderen deutschen Nummernschildern. Die Kennzeichen sammelt sie nicht als echte Metallplatten, sondern mit der App „Kennzeichensammler“. Interessant ist dabei für sie das Kürzel, das anzeigt, aus welchem Ort das Auto kommt - also zum Beispiel K für Köln.
„Man kennt das ja, dass man die Autobahn entlang düst und ganz viele Kennzeichen sieht. Und ich habe mich immer gefragt, welche Stadt das ist.“ Dann habe sie im Internet von der App gehört. „Wenn ich ein Kürzel sehe, dann trage ich es da ein.“ Die App verrät der 23-Jährigen dann, für welche Stadt es steht und wie häufig es vorkommt. Außerdem kann Meyer ihre Sichtungen dokumentieren und Punkte sammeln: „Wenn es ein Kennzeichen ist, was es nicht so oft gibt, dann gibt das besonders viele Punkte“, so die 23-Jährige. In Köln sind laut der App circa 517.013 Fahrzeuge zugelassen, eine ganze Menge. Dafür gibt es nur zwei Punkte. Das Kürzel BÜS steht für die Gemeinde Büsingen am Hochrhein, eine deutsche Exklave in der Schweiz - viel seltener und deshalb 15 Punkte wert. Wer will, kann sich in einem Ranking mit Anderen vergleichen. „Das mache ich aktuell nicht. Da bin ich nicht so kompetitiv“, sagt Meyer aber. „Für mich ist es ein bisschen wie ein Stickerheft. Man freut sich, wenn man alle Kennzeichen aus einem Bundesland oder irgendwann vielleicht aus ganz Deutschland gesehen hat“, erklärt die Nordamerikanistik-Studentin. Gleichzeitig gehe es ihr auch um den Lerneffekt.
Mittlerweile hat Meyer schon 414 von 851 deutschen Kennzeichen gesammelt. Um neue Kürzel zu finden, so Meyer, läuft sie oft extra über Parkplätze. „Wo man gut sammeln kann, ist im Flughafenparkhaus. Da findet man die seltensten Kennzeichen, die von Gott weiß wo angereist sind.“ Und bei all den Kennzeichen, hat Meyer da auch einen Liebling? „Freiburg! Ich habe dort studiert und fühle mich der Stadt verbunden.“

In der App ‚Kennzeichensammler‘ sieht Ellen Meyer, welche Kennzeichen ihr noch fehlen.
Copyright: Ida Baggen
Volker Kumbartski macht Lachyoga

Volker Kumbartski lacht hobbymäßig.
Copyright: Kumbartski
Eigentlich ist Volker Kumbartski Rechtsanwalt. In seiner freien Zeit geht der 57-Jährige in den Kölner Lachclub. Einmal in der Woche trifft der sich im Bürgerzentrum Ehrenfeld, um Lachyoga zu machen. Eine Sitzung dauert etwa eine Stunde und wird von einem Lachyoga-Leiter geführt. Das Prinzip dabei, so Kumbartski: Lachen ohne Grund. „Dafür brauchen wir keine Witze, sondern Übungen. Wir sagen zum Beispiel: Wir lachen mal alle wie ein Löwe oder ein Schmetterling.“ Das Gehirn könne nicht unterscheiden, ob es ein künstliches oder echtes Lachen ist. Alle positiven Effekte entstünden auch so. „Unser Motto: Fake it until you make it. Irgendwann geht das dann eh meistens in echtes Lachen über.“ Um diese positiven Aspekte gehe es dabei letztlich auch: Lachen sei gesund, für die Psyche und den Körper. Man lache mit anderen Menschen zusammen, es habe auch eine spirituelle Dimension. „Nach jeder Sitzung bin ich definitiv besser gelaunt als vorher“, erzählt Kumbartski.
Angefangen hat er damit vor ungefähr 15 Jahren. Damals, so erzählt er, fand er in einer Kneipe einen Flyer dazu: „Diesen Begriff fand ich dermaßen abstrus und dachte mir: Was soll das denn sein?" Dann habe er es ausprobiert und gemerkt: „Das ist super! Man kann es einfach immer und überall machen - in der Dusche, beim Kochen, im Auto. Man muss sich nicht sonderlich anstrengen.“ Wer Lachyoga interessant findet, dem rät Kumbartski, es mindestens drei Mal auszuprobieren. „Das ist natürlich erstmal eine ungewöhnliche Situation, durchaus intim und irgendwie auch peinlich. Man muss die Bereitschaft mitbringen, über sich selbst lachen zu können.“

