Unter der Uniklinik verbirgt sich ein System, das kaum jemand sieht – aber alle brauchen: Transportroboter bringen Essen, Sterilgut und Material über ein Tunnelnetz zu den Stationen.
Köln von unten100 Fahrzeuge, tausende Fahrten – Unterwegs im Versorgungsnetz der Uniklinik
Läuft man eine Feuertreppe zwischen den Häusern der Uniklinik hinab und öffnet eine Brandschutztür, erstreckt sich im Keller eine Parallelwelt unter dem Klinikgelände. Die Luft ist stickig und warm, es riecht nach Essen, das für Patientinnen und Patienten zubereitet wurde. Kleine Roboter, die wie eckige Metallkisten aussehen, fahren durch die Katakomben und transportieren Container teils kilometerweit zu ihrem Bestimmungsort.
Bastian Weiser arbeitet seit über 25 Jahren hier unten. Er sorgt mit seinem Team dafür, dass das Versorgungsnetzwerk der Klinik reibungslos läuft. In seiner Werkstatt zeigt er auf einem Bildschirm das Tunnelsystem, auf dem die Versorgungsroboter unterwegs sind. Man sieht Wege, Strecken und Stationen, die sie anfahren. „Auf die autonomen Roboter werden Container befestigt. Und diese transportieren dann alles durch die Klinik, was dort gebraucht wird: Essen, Wäsche, sterile Utensilien, am Ende auch Müll“, erklärt er. „Es gibt praktisch nichts, was nicht hier durch den Keller gefahren wird“, sagt Weiser. „Außer Betäubungsmittel, die unterliegen sehr strengen Auflagen.“
Rund 4000 Transporte auf 12 Kilometern Länge unter der Uniklinik
Um die 4000 Transporte am Tag brauche es hier laut Weiser. Alle finden auf einem Netz von circa 12 Kilometern statt, fast der gesamte Klinikkomplex ist unterirdisch durch die Versorgungsroboter miteinander verbunden. Wer oben im Bettenhaus liegt, bekommt davon nichts mit. Aber ohne diesen Tunnel, ohne die Fahrzeuge und Container, wäre der Alltag in einem der größten Krankenhäuser der Region kaum zu organisieren.

Bastian Weiser arbeitet seit über 25 Jahren im Keller der Uniklinik.
Copyright: Arton Krasniqi
Gebaut wurde der Versorgungstunnel Anfang der 1970er Jahre, zusammen mit dem Bettenhaus. Damals hingen Ketten unter der Decke, an denen Kisten liefen. Vor rund 20 Jahren wurde auf Roboterfahrzeuge umgestellt.
Am Mittwochmorgen liegen zwei Roboter auf den Tischen der Werkstatt, statt ihre Strecken zu fahren. Weiser muss sie reparieren – damit verbringt er den Großteil seines Tages. „Auch wenn hier alles automatisch funktioniert: Etwas zu tun ist immer.“
In der Vorhalle kann man die Roboter dabei beobachten, wie sie in Stationen einfahren, ihre Terminals. Hier bekommen sie Aufträge von einem übergeordneten Leitrechner, bevor sie ihre Fracht abholen. Über kaum sichtbare, im Boden verankerte Magnete werden sie auf ihrer Fahrlinie gehalten und rollen im Sekundentakt aneinander vorbei zu ihren Zielen. „So ein Roboter kostet 80.000 Euro, das ist quasi ein Porsche“, sagt Weiser und schmunzelt. „Nur nicht ganz so schnell.“

Rund 4000 Transporte am Tag werden mit den Robotern durchgeführt.
Copyright: Arton Krasniqi
Tatsächlich ist das Tempo eher unspektakulär: ein Meter pro Sekunde – „zügiges Schritttempo“, wie Weiser sagt. Das Entscheidende ist nicht die Geschwindigkeit, sondern der Fluss: Aufzüge, Kreuzungen, Brandschutztüren – alles Hürden und mögliche Quellen für Stau. „Selbst wenn wir schneller fahren könnten, dann kommen die trotzdem nur eins nach dem anderen durch“, sagt Weiser. Vorne und hinten messen Sensoren an den Robotern, ob etwas im Weg ist. Bei etwa 45 Zentimetern Abstand werde das Fahrzeug langsamer, bei 15 Zentimetern bleibe es stehen, erklärt Weiser.

100 Fahrzeuge, tausende Fahrten am Tag – unter der Uniklinik ist viel los.
Copyright: Arton Krasniqi
Die Rushhour im Uniklinik-Keller beginnt früh: „Schon um 6 Uhr fängt die Lieferung für das Frühstück an, das ist die erste richtig große Lieferung des Tages.“ Um 9 Uhr folgt das Mittagessen, um 14 Uhr das Abendessen. Dazwischen läuft der Rest: Lagerware, Sterilgut, Wasser. Und manches werde praktisch immer gebraucht: Sterilgut könne auch nachts fahren, etwa wenn im OP etwas benötigt werde, sagt Weiser.
„Ein riesen Rattenschwanz“ sei das, was an Logistik dahinterstecke, wenn eine Klinik wie die Uniklinik jährlich bis zu 500.000 Patientinnen und Patienten behandelt. Spricht Weiser mit anderen über seinen Job, blickt er oft in erstaunte Gesichter, wenn er erzählt, was hinter einem Krankenhausessen so alles steckt: „Küche, Transport, Service auf Station, Rückweg, Entsorgung, Reinigung“, zählt er auf. „In einem Krankenhaus“, sagt Weiser zum Schluss, „ist jeder einzelne Mitarbeiter wichtig, auch die Reinigungskraft. Sonst würde all das hier nicht funktionieren.“
Und ohne Menschen wie Weiser, die das System warten und im Störfall eingreifen, würde es auch im Keller der Uniklinik schnell zum Stillstand kommen.
