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Unter dem Rhein
Der Tunnel, durch den die Kölner Wärme fließt

4 min
Für die Serie „Köln von unten“
Der Fernwärmetunnel der RheinEnergie unterquert den Rhein um die Wärmenetze im links- und rechtsrheinischen Köln zu verbinden.
Im Bild der Werkstudent Nicolas Dugeorge, der Besuchergruppen durch den Tunnel führt.

Köln
30.06.2026

Foto: Michael Bause

Werkstudent Nicolas Dugeorge an seinem Arbeitsplatz im Fernwärmetunnel

Nicolas Dugeorge führt Besuchergruppen durch den Fernwärmetunnel unter dem Rhein, der 18 bis 20 Prozent der Kölner Haushalte versorgt.

Tageslicht sieht Nicolas Dugeorge in seinem Job nur am Anfang und am Ende, niemals in der Mitte. In der Mitte und in der Hauptsache ist der Geografie-Student im Fernwärmetunnel der Rhein-Energie unterwegs – und damit in einer Röhre unter dem Rhein. Dugeorge führt regelmäßig Menschen durch den Tunnel, der Fernwärme vom linksrheinischen ins rechtsrheinische Köln transportiert. 200 Mal allein im vergangenen Jahr – die Nachfrage, sagt er, sei sogar noch höher.

Für die Serie „Köln von unten“
Der Fernwärmetunnel der RheinEnergie unterquert den Rhein um die Wärmenetze im links- und rechtsrheinischen Köln zu verbinden.

Köln
30.06.2026

Foto: Michael Bause

In den Tunnel geht es im Rechtsrheinischen, direkt bei der Hohenzollernbrücke.

Hinter einer schweren Tür, nahe der Hohenzollernbrücke im Rechtsrheinischen, beginnt der Weg zum, na ja, nicht zum Mittelpunkt der Erde, aber doch stark in die Richtung. Über eine Gittertreppe geht es 25 Meter in die Tiefe. Wer unter Höhenangst leidet, dürfte hier ebenso falsch sein wie Menschen, die unter Klaustrophobie leiden. Immerhin müssen sie 461 Meter in einer Röhre zurücklegen. „Natürlich kommen die meisten in den Tunnel, um einmal unter dem Rhein durchzugehen“, sagt er. „Aber wir verknüpfen das natürlich auch, weil viele erst einmal gar nicht wissen, was Fernwärme ist.“

Geschlossener Kreislauf

Dugeorge erklärt das so: „Fernwärme ist im Prinzip einfach nur warmes Wasser, das die Haushalte mitwärmt.“ Es wird in den Heizkraftwerken in Niehl und der Südstadt erhitzt und fließt durch den Tunnel auf die rechte Rheinseite. Über ein unterirdisches Rohrleitungssystem gelangt es dann zu den Gebäuden. Dort sorgt eine Übergabestation dafür, dass die Wärme in den Heizkreislauf und in Wohnungen oder Zimmer gelangt. Wenn die Heizkörper die Wärme an die Raumluft abgegeben haben, sinkt die Temperatur im Heizsystem. Das abgekühlte Wasser fließt wieder zurück und wird erneut aufgeheizt. „Ein geschlossener Kreislauf“, sagt der Student.

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Gebaut wurde der Tunnel zwischen Dezember 1983 und Oktober 1985. Davor hatte die rechtsrheinische Seite ein eigenes, unabhängiges Wärmenetz. Mit dem Tunnel wurden beide Netze zusammengeschlossen. Heute beziehen 18 bis 20 Prozent der Kölner Haushalte Fernwärme. „Die Technik an sich ist alt, jetzt ist sie aber im Zuge der Energiewende hochaktuell“, sagt Dugeorge.

Leitungen arbeiten

Es knackt immer wieder, recht laut, irgendwie metallisch, und auf dem Boden stehen kleine und größere Pfützen. Dugeorge sieht den leicht ängstlichen Blick der Besucherinnen und Besucher. „Keine Sorge“, sagt er, „das sind nur die Leitungen, die arbeiten. Durch die Temperaturschwankungen, durch warmes Wasser, das da durchfließt, arbeitet das Material, dehnt sich aus und zieht sich zusammen.“ Die Pfützen, die sich auf dem Boden bilden, kommen wegen der Kondensation zustande. Der Student lächelt: „Der Tunnel ist dicht.“

Für die Serie „Köln von unten“
Der Fernwärmetunnel der RheinEnergie unterquert den Rhein um die Wärmenetze im links- und rechtsrheinischen Köln zu verbinden.

Köln
30.06.2026

Foto: Michael Bause

Blaues Licht heißt: Hier ist die Mitte des Tunnels.

In der Mitte des Tunnels leuchtet ein blaues Licht. Nach der Funktion gefragt, sagt Dugeorge: Das markiert die Mitte des Tunnels, soll U-Boot-Gefühle wecken und letztlich klar machen: Wir sind jetzt gerade unter dem Rhein. Und unweigerlich denkt man an die Szene aus „Rambo III“, in der sein Begleiter ihn fragt, was das blaue Licht soll, und der Actionheld antwortet: Es leuchtet blau. Genauso ist es im Fernwärmetunnel.

Es klingt wie im U-Boot

Dugeorge setzt sich kurz auf eins der Rohre, die rechts und links im Tunnel verlaufen. Hier pausiert er immer mal mit den Gruppen, und die stellen Fragen. Ob der Tunnel bombensicher sei, ob er als Bunker taugen würde, wann auch ihr Haushalt Fernwärme bekommt. Manchmal kann man eine Schiffsschraube hören, sagt der junge Mann. Wie das klingt? „Ich finde: wie ein U-Boot aus einem Film. Da ist dann so ein Rauschen.“

Für die Serie „Köln von unten“
Der Fernwärmetunnel der RheinEnergie unterquert den Rhein um die Wärmenetze im links- und rechtsrheinischen Köln zu verbinden.

Köln
30.06.2026

Foto: Michael Bause

Schwindelfrei sollte sein, wer den Fernwärmetunnel besuchen will. Gittertreppen führen runter und auch wieder rauf.

Der junge Mann, der zum Studium aus Heidelberg nach Köln gekommen ist, gibt den Besucherinnen und Besuchern immer auch Tunnel-Wissen mit auf den Weg: Die 461 Meter lange Röhre ist drei Meter breit, die Wände aus Stahlbeton sind 30 Zentimeter dick. Auf jedem der 3,30 Meter langen Tunnelelemente, aus denen die Röhre zusammengesetzt ist, lasten beim mittleren Wasserstand von 2,20 Metern rund 177 Tonnen.

Für die Serie „Köln von unten“
Der Fernwärmetunnel der RheinEnergie unterquert den Rhein um die Wärmenetze im links- und rechtsrheinischen Köln zu verbinden.

Köln
30.06.2026

Foto: Michael Bause

Am Ende des Tunnels ist ein Licht. Rot heißt: Hier geht es raus.

Zweimal im Jahr gibt es sogenannte Tunnelbegehungen. Fachleute prüfen dann, ob es Risse gibt, ob alles gut ist im Tunnel. „Aber hier ist es in der Regel sehr, sehr ruhig“, sagt Nicolas Dugeorge. Auch die vier Telefone, die in der Röhre hängen und die man sogar von draußen anrufen kann, werden ungefähr nie gebraucht. Zwei Jahrhunderthochwasser hat der Tunnel bislang schadlos überstanden. „Durch die runde Form ist das statisch im Prinzip unzerstörbar“, sagt Dugeorge.

Am Ende des Tunnels, wir sind im Linksrheinischen angekommen, leuchtet ein rotes Licht. Dugeorge läuft darauf zu, nimmt die Gittertreppe nach oben. Er öffnet eine weitere, schwere Tür, tritt hindurch und steht im Parkhaus des blauen Zelts am Hauptbahnhof. Zurück im oberirdischen Köln.