Mehr als ein halbes Jahr nach der Teilsperrung des Gulliver-Tunnels ist noch immer nicht bekannt, wie lange die Sanierung dauern wird.
Drohender SteinschlagKölner Tunnel seit Monaten gesperrt – Passanten unwissentlich in Gefahr

Samstagmittag, 15. August: Durch den Tunnel laufen Passanten.
Copyright: Jan Wördenweber
Dass sie sich in Gefahr begeben, war Dutzenden Touristen vor einigen Tagen nicht bewusst. Viele Köln-Besucher nutzten den parallel zum Rheinufer verlaufenden Weg unter der Hohenzollernbrücke, der zum Gulliver-Tunnel am Frankenplatz gehört und Richtung Norden zum Ausgang des Rheinufertunnels führt. Wer vom Rheingarten oder vom Treppenabgang der Philharmonie hinunter schritt, sah vor der Unterführung zur Seite geräumte Bauzäune und keinen Hinweis darauf, dass wenige Meter entfernt Steinschlag drohte.
Das Bauwerk ist marode und stark sanierungsbedürftig. Offiziell ist der Bereich bereits seit Anfang Februar gesperrt – und bis heute kann die Stadt nicht sagen, wann damit begonnen wird, die Schäden zu beseitigen. Dementsprechend ist ebenso unklar, wann der Abschnitt des Gulliver-Tunnels Richtung Norden wieder für den Verkehr freigegeben werden kann. Wer aus der Altstadt über die Straße Am Domhof an der Philharmonie auf die Rheinuferstraße in nördliche Richtung möchte, kann aufgrund der Sperrung seit mehr als sechs Monaten nur durch den anderen Tunnelausgang in südliche Richtung fahren. Erst kurz vor der Severinsbrücke – nach etwa 1,3 Kilometern – ist das Wenden möglich.
Gulliver-Tunnel Richtung Norden seit Februar gesperrt
Von Montag, 2. Februar, bis Freitag, 13. Februar, hatte die Stadt an mehreren Tagen im Tunnel Gulliver, nahe dem Bahndamm, Untersuchungen am Beton vorgenommen. Damals waren erhebliche Schäden im Gewölbe entdeckt worden. Es könnten Steine der Verblendung abstürzen, hieß es in einer Mitteilung der Stadt. Daher müsse der Bereich bis zu einer Instandsetzung aus Sicherheitsgründen gesperrt bleiben. Laut Archivunterlagen wurde dort 1955 ein Bombenschaden aus dem Zweiten Weltkrieg repariert. Doch nun gibt es nach Angaben der Stadt erneut Probleme mit der vor rund 70 Jahren instandgesetzten Schadstelle.

Mehrere Obdachlose hatten hier ihr Lager aufgeschlagen. Inzwischen ist es geräumt.
Copyright: Jan Wördenweber
Hinweisschilder, die auf die drohende Gefahr aufmerksam machen, gibt es nicht. In den vergangenen Wochen schien das Areal ein Eigenleben entwickelt zu haben. Vor verbogenen und demolierten Bauzäunen im Gulliver-Tunnel standen am Samstag, 15. August, mehrere Fahrräder. Der Asphalt war übersät mit Müll und Hinterlassenschaften von mehreren Wohnungslosen. Mehrere Menschen hatten dort Quartier bezogen, augenscheinlich schon seit Längerem.
Am darauffolgenden Montag war das Lager geräumt, die Bauzäune waren zur Seite am Rheingarten so postiert, dass sie den Zugang ohne Weiteres nicht ermöglichten. Zudem befestigte ein Mann im Auftrag der Stadt mehrere Schilder mit der Aufschrift „Durchgang verboten“. Damit solle die Notwendigkeit der Absperrung verdeutlicht werden, teilte ein Stadtsprecher gegenüber dieser Redaktion mit. Die Absperrmaßnahmen seien „vollkommen ausreichend“. Der Sprecher weiter: „Jedoch wurde bei regelmäßig durchgeführten Kontrollen festgestellt, dass sich Personen widerrechtlich Zutritt in diesem Bereich verschafft hatten.“

Hinter Müll und defekten Absperrgittern stehen Fahrräder im Gulliver-Tunnel.
Copyright: Jan Wördenweber
Das gesperrte Areal, benannt nach der benachbarten Überlebensstation für Obdachlose, spielt auch angesichts des Stau-Chaos im Domumfeld eine Rolle. So monierte erst vor wenigen Tagen die Kölner Politik, dass an dieser prominenten Stelle in der Altstadt seit Monaten nichts passiert. Im Streit um die Trankgasse, die seit 2023 eine Fahrradstraße ist, hatten CDU/FDP/KSG die Öffnung des Gulliver-Tunnels Richtung Norden gefordert. Dies könne kurzfristig geschehen, notfalls über ein Provisorium wie eine Verschalung, um die Gefahr von herabfallenden Steinen zu bannen. Der Hauptausschuss beschloss mehrheitlich in seiner jüngsten Sitzung, dass die Verwaltung eine Tunnel-Öffnung prüfen soll und schnellstmöglich eine Planung für die Sanierung des Tunnels vorgelegt wird.

Am Montag standen die Absperrgitter wieder dicht an dicht vor der Unterführung. Im Auftrag der Stadt hängt ein Mann Schilder mit der Aufschrift „Durchgang verboten“ auf.
Copyright: Jan Wördenweber
Anfang März hatte es seitens der Stadt geheißen, dass noch gutachterliche Untersuchungen andauerten. „Erst nach Vorlage der Ergebnisse können Details zur Instandsetzung und zur voraussichtlichen Dauer der Sperrung genannt werden“, hieß es. Am gestrigen Dienstag erklärte ein Stadtsprecher auf Nachfrage, dass das Gutachten erst am 30. März bei einem Ingenieurbüro in Auftrag gegeben werden konnte. Zuvor seien noch „Vortermine notwendig“ gewesen.
Nach umfangreichen Bestandsaufnahmen und Materialuntersuchungen sei das Gutachten am 10. August bei der Stadt eingegangen. Dieses werde derzeit geprüft, heißt es seitens der Stadt. Angaben zum Inhalt der Expertise wurden noch keine gemacht. Allein die Frage zu den Kosten konnte beantwortet werden: Das Ingenieursbüro erhält 110.768 Euro.


