Bis heute kann die Stadt Köln nicht sagen, wie und wann Teile des Gulliver-Tunnels saniert werden sollen. Ein Kommentar
Altstadt-Besuch mit Scham-GefühlGesperrter Tunnel zeigt, was in Köln nicht funktioniert


Die gesperrte Ausfahrt des Gulliver-Tunnels am 15. August dieses Jahres
Copyright: Jan Wördenweber
Es war mal wieder einer dieser Altstadt-Besuche, bei dem man sich für seine Stadt schämen musste. Eigentlich hätte ich es wissen müssen, aber da hatten unsere Gäste – der Älteste 85 – schon in einem Café im Rheingarten Platz genommen: Aus dem Abgang zum Parkhaus zog mit jeder Windböe ein beißender Urin-Gestank herüber. Also schnell zahlen und zu Fuß zum Schiffsanleger am Musical-Dome. Da das Rheinufer wegen eines im Rhein gefundenen verdächtigen Gegenstands, der sich später als Lautsprecher herausstellte, gesperrt war, nahmen wir den Weg zahlreicher anderer Passanten.
Die Absperrung des Gulliver-Tunnels war zu diesem Zeitpunkt nicht zu erkennen, die Bauzäune standen kreuz und quer in der Gegend herum – kein Hinweis darauf, dass sich Steine aus dem Gewölbe lösen können und somit Lebensgefahr herrscht. Stattdessen zeigte sich den Köln-Besuchern in der Unterführung die Not und Hinterlassenschaften von Wohnungslosen, die dort seit geraumer Zeit ihr Lager aufgeschlagen hatten.
Schwerfällige Stadtverwaltung
Es ist gut, dass die Stadt inzwischen die Absperrmaßnahmen intensiviert hat. Statt jedoch nur Schilder mit der Aufschrift „Durchgang verboten“ aufzuhängen, wäre es besser, kurz darüber zu informieren, warum der Tunnel gesperrt ist und deshalb dort Gefahr herrscht. Wo andernorts Erklärungen mit „Hier baut die Stadt…“ beginnen, könnte auch am Rheingarten aufgeklärt werden. Aber es passt ins Bild dieser Verwaltung, die sich bundesweit einen Ruf von größter Schwerfälligkeit und Bürokratie erarbeitet hat, dass sie gar nicht viel mitteilen kann oder will.
Wo sich andernorts eine Dynamik entwickelt, wenn der Verkehr nicht wie gewohnt fließt und Touristen an prominenter Stelle auf eine Baustelle starren – Fäkalgeruch inklusive –, heißt es in Köln „mach höösch“, schön langsam. Hier wird eine wichtige Verkehrsführung zum Rheinufertunnel seit mehr als sechs Monaten blockiert und Touristen ein neuer Schandfleck mit Bauzäunen präsentiert. Das allein auf ein Gutachten zu schieben, dessen Erstellung offenbar mehrere Monate brauchte, ist zu billig.
Gerade hinsichtlich des Verkehrschaos' rund um die benachbarte Trankgasse müsste zügiges Handeln gefragt sein. Wäre etwa ein Provisorium wie eine Verschalung des Tunnels denkbar, um die Ausfahrt Richtung Norden kurzfristig wieder befahrbar zu machen? So eine Frage stellt sich die Verwaltung offenbar gar nicht – sie kam jüngst von Kölner Ratspolitikern. Die Verwaltung wird das prüfen. Und sie bewegt sich doch, möchte man spotten. Mehr als ein halbes Jahr Stillstand ist genug.
