Donald, Pudding und Fritz grasen im Sonnenuntergang. Wer den Blick über ihr Revier wandern lässt, sieht 20 Hektar vor sich, davon zwölf Hektar Wasser. Das ist für die drei sehr wichtig, sie sind schließlich Wasserbüffel. In der Mitte liegt ein großer See, ringsherum der Kölner Forst, mitten im Naturschutzgebiet am Hornpottweg. Hier sind sie zu Hause, und das ist auch gleichzeitig ihr Arbeitsplatz: als Landschaftsgärtner.
Für die Bezirksregierung Köln sorgen sie dafür, dass sich die ehemalige Kiesgrube nicht zuwächst. Die drei Bullen gehören Marcus Dernerth. Er ist Landwirt im Nebenerwerb und hält seit 20 Jahren Rinder und seit neun Jahren Wasserbüffel für die Landschaftspflege. Sie stehen auf Ausgleichsflächen, Obstwiesen oder Pachtflächen. Die Fläche im Naturschutzgebiet an der Grenze zu Leverkusen hat er über den Naturschutzbund vermittelt bekommen. Er wird für die Beweidung belohnt und nicht für den Nachwuchs, wie es eigentlich bei solchen Tieren üblich ist.

Die Wasserbüffel grasen auf dem Gelände der ehemaligen Kiesgrube. Sie fressen unter anderem Gehölz, Blätter und junge Triebe.
Copyright: Charlotte Groß-Hohnacker
Die Kiesgrube wurde in den 80er-Jahren stillgelegt und lange nicht bewirtschaftet. Mit der Zeit wurden immer mehr mechanische Arbeiten nötig, und Landschaftsbauer wurden beauftragt, Bäume zu fällen und Pflanzen aus dem Teich zu holen, damit dieser nicht verlandet, also zu trockenem Land wird. „Das wurde von Jahr zu Jahr teurer, der Maschinenaufwand war enorm, und die Schäden am Boden durch die Gerätschaften eben auch“, sagt Dernerth. Dann sei das Land Nordrhein-Westfalen auf die Idee gekommen, dass Rinder oder Wasserbüffel diese Arbeiten nachhaltiger ausführen könnten.
Früher gab es einen großen Schwarzerlenbestand, der Blätter abwarf und so den Tümpel zum Verlanden brachte. Nachdem die Bäume gekappt worden waren, blieben ihre Stümpfe im Boden und hatten immer wieder Stockausschläge, die jedes Jahr entfernt werden mussten. Die Büffel holen sich diese jungen Triebe als Futter.

Ein Selbstfang-Fressgitter als Fanganlage auf dem Gelände der Wasserbüffel am Hornpottweg. Die Tiere werden hier bei Bedarf kontrolliert oder behandelt.
Copyright: Charlotte Groß-Hohnacker
Donald, Pudding und Fritz kommen mit kargem Futter aus. Sie setzen ihr Horn ein und knicken damit kleine Äste herunter. Meist sogar vom Wasser aus, weil die Bäume Richtung Licht wachsen. Ihre Beine sind lang und haben große Klauen. Als Paarhufer kommen sie auch in sumpfigen Gebieten klar und fressen das, was Milchvieh nicht gerne mag: viel Gehölz, Blätter und sogar Brombeeren, die die Landwirte sonst nur schwer entfernen können.
Die Tiere leisten zudem einen Beitrag zur Artenvielfalt, den kein menschlicher Landschaftsgärtner ersetzen könnte. „Von einem Dunghaufen kann ein Kiebitz seinen ganzen Nachwuchs ein Jahr lang ernähren“, sagt Dernerth.
Neben den großen Abdrücken der Wasserbüffel finden sich auch kleine Fußspuren wieder: Wildschweine. „Manchmal fressen die zusammen. Manche Besucher haben schon gedacht, das wäre hier ein Wildtiergehege“, so Dernerth. In Sonnenrichtung gibt es sandige Flächen, auf denen kleine Zauneidechsen leben. Auf den Grasflächen überwintern Enten und Gänse, und in den Kuhlen der Kettenfahrzeuge legen Amphibien ihren Laich ab. Würde die Fläche zuwachsen, würde der Wald sich die Fläche zurückholen. Laut Dernerth könnte das dazu führen, dass die Artenvielfalt zurückgehen würde.
Arbeit vor und nach der Schicht
Die drei Büffel reichen aktuell für die Fläche aus, und bleiben das ganze Jahr über. Heimisch sind sie eigentlich in Asien, mit den niedrigen Temperaturen im Winter kommen sie gut klar. Er habe viel Überzeugungsarbeit leisten müssen, um die Naturschutzbehörden zu überreden, die Tiere das ganze Jahr stehen lassen zu dürfen. In Nordrhein-Westfalen gebe es nicht viele solcher Projekte, und die Erfahrung fehle: „Geht man dagegen an die Küste, da hat man schon länger Galloway-Rinder auf den Deichen stehen, die das Land offenhalten. Teilweise wird dort gar nicht zugefüttert, weil die Winter milder sind.“
Marcus Dernerth und seine Partnerin haben 20 Rinder, neun Wasserbüffel und 60 Schafe auf knapp 40 Hektar. Die Tiere stehen in Leverkusen, Köln, Kürten und Bergisch Gladbach. Eigentlich betreibt er ein Geschäft für Futtermittel. Morgens und abends vor der Arbeit fährt er die Wiesen ab und kontrolliert, ob es allen Tieren gut geht. Sonntags repariert er die Zäune, schaut, ob der Strom funktioniert und kein Baum auf einen Zaun gefallen ist.
Wenn der Landwirt ruft, dann kommen seine drei Büffel angetrabt. Wenn er mit Heu oder Möhren lockt, noch schneller. Mehr als 40 km/h können sie laufen. Auch wenn sie friedlich grasen und so wirken, als könnte keine der Fliegen auf ihrem Rücken sie aus der Ruhe bringen, sollte man doch Respekt vor ihnen haben, sagt Dernerth: „Mir gegenüber sind sie zahm, sie kennen auch die Spaziergänger, die hierherkommen. Wenn aber jemand mit Hund vorbeigeht, reagieren sie manchmal anders. Oder auch wenn Kälber dabei wären, wären sie nicht mehr so friedlich.“ Wenn Anführer Fritz die Hörner senkt, tun es die beiden Jüngeren ihm gleich, und dann ist Vorsicht geboten. Spaziergänger bleiben also lieber außerhalb des Zauns und beobachten aus der Ferne. Marcus Dernerth darf sie aber sogar streicheln.

