Mitten in der Millionenstadt Köln laufen Schafherden über die Straßen, die eigentlich für Autos gedacht sind. Wo man sie noch sehen kann.
Absolut friedlichWarum in Köln Herden von Schafen über die Straßen laufen
Schafherde läuft in Köln über eine Kreuzung
Es ist Sonntagmorgen, der 22. März, 8 Uhr, als Martina K. in Köln-Longerich an der Kreuzung kurz vor der Longericher S-Bahn-Haltestelle vorbeifährt. Was sie sieht, filmt sie direkt mit ihrem Smartphone: Eine Herde Schafe wird über die Kreuzung getrieben. Mit dabei sind ein Hirte und ein Hirtenhund. Ein entschleunigender Anblick.
Das ist für manche vielleicht ungewohnt, wenn sie an die Urbanität Kölns denken. Doch so selten sind die Weidetiere in der Großstadt nicht. Im Gegenteil: Die Stadt Köln hält sie als Nutztiere.
Schafe leisten Landschaftspflege in Köln
Auf Anfrage dieser Redaktion teilte die Stadtverwaltung mit, dass es in Köln drei Wanderschäferinnen und -schäfer gibt. Diese beweiden im Auftrag der Stadt Köln große Grünflächen und leisten somit eine natürliche Landschaftspflege. Die Verwaltung erklärt weiter: „Die Beweidung dient der naturverträglichen Pflege von Grünflächen, fördert den Erhalt der Artenvielfalt und verhindert ein Verbuschen.“

Ein Hirte führt seine Schafe über eine Verkehrskreuzung in Longerich.
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Die beweideten Flächen befinden sich im Äußeren Grüngürtel, im Nüssenberger Busch, auf den Poller Wiesen und in der Riehler Aue. In der Zeit von März bis in den Herbst hinein kann man beobachten, wie die Herden über die Flächen ziehen.

Viele Schafe ziehen über die Straßen von Köln.
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Für Autofahrende bedeutet dies, beim Fahren nachsichtig zu sein und gegebenenfalls Wartezeit in Kauf zu nehmen. Da die Weideflächen über das Stadtgebiet verteilt liegen, müssen die Herden – unter der Aufsicht ihrer Schäferinnen und Schäfer sowie der Hütehunde – gelegentlich Verkehrsflächen kreuzen. Wie dies aussieht, ist auf dem Video zu sehen.
Schafe und Ziegen sorgen für Artenvielfalt
Dabei erledigen die Tiere neben ihrer Funktion als lebendiger Rasenmäher noch eine weitere Aufgabe: Sie härten den Boden mit ihren Hufen – besser als eine normale Walze. Zudem tragen die Tiere zur Erhaltung der Artenvielfalt bei. In ihrem Fell können Samen und Insekten haften bleiben und so auf andere Weideflächen weitergetragen werden.
Aufmerksame Beobachterinnen und Beobachter können auch Ziegen in einigen Herden entdecken. Sie haben eine spezielle Aufgabe in der Herde: Sie fressen auch verholzte Pflanzen, weil sie nicht auf frisches Gras angewiesen sind. So spart die Stadt auch diesen Schnitt.
Der Einsatz der Schafherden ist für das Grünflächenamt und die Schäferinnen und Schäfer von Vorteil. Die Stadt erhebt keine Nutzungsgebühr. So kommen die Tiere günstig an die erheblichen Mengen frischer Nahrung, die sie in der Weidesaison täglich benötigen. Schafe sind acht bis zehn Stunden am Tag mit Fressen beschäftigt und nehmen dabei drei bis zehn Kilogramm Grünfutter zu sich.
Damit die Tiere auch im Winter satt werden, darf in der Vegetationsperiode auf städtischen Flächen entgeltfrei Gras gemäht und Heu für das Winterfutter gemacht werden. In der Millionenstadt Köln ist das Bild von friedlich wandernden und grasenden Schafherden ein guter Moment, um durchzuatmen.

