Die Menschen vor Ort können nicht nur am besten beschreiben, was den Platz so wichtig für Köln macht, sie sehen auch am deutlichsten seine Schwachstellen.
Serie „Kölner Plätze“Was sich die Menschen am Barborassaplatz für die Zukunft wünschen

Barbarossaplatz, Straßenschild, Symbolbild, Kölner Plätze. Foto: Julia Hahn-Klose
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Savvas Zarhfiwis, 38 Jahre alt, wohnt am Barbarossaplatz.
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„Hier ist 24 Stunden Leben.“
Warum wohnen Sie am Barbarossaplatz?
„Man kann auch nachts was Essen und trinken gehen. Man kommt überall hin.“ Seit 2021 wohnt er hier, hat nach einer Trennung eine Wohnung gesucht. Für 30 Quadratmeter zahlt er jetzt 700 Euro. „Das ist gut.“
Was braucht der Barbarossaplatz?
„Platz zum gemütlich Sitzen.“

Bilge Kizgin, 25 Jahre alt, ist Personalberaterin in einem Büro am Barbarossaplatz.
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„Selbst zum Telefonieren ist es zu laut“
Wie ist es, hier zu arbeiten?
„Laut.“ Ein Zug der Linie 16 fährt an ihr vorbei, es quietscht ohrenbetäubend. „Die Bahn, ständig Hupen, die Polizei. Die Autos biegen nicht richtig ab und dann sind da noch Radfahrer. Es kommt bestimmt einmal die Woche der Krankenwagen.“ Hier sind viele Büros, Arztpraxen und Kanzleien. „Es ist sehr zentral, aber Parkplätze gibt es keine.“
Was braucht der Barbarossaplatz?
„Die Leute verstehen nicht, wo die Spuren langgehen.“ Sie zeigt auf die Neue Weyerstraße, „die kann man ja auch gar nicht mehr erkennen.“

Gülhan Dag, 56 Jahre alt, führt eine Änderungsschneiderei am Barbarossaplatz.
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„Mein Schaufenster ist von der Straßenbahn aus sichtbar.“
Wieso haben Sie hier Ihr Geschäft?
„Der Hohenstaufenring ist eine lebendige Straße.“ 1050 Euro für 40 Quadratmeter zahlt sie: „Das ist die halbe Miete von der Neumarkt-Galerie“, da hatte sie vorher ihre Schneiderei. Stammkunden seien mitgekommen, wer seine Stoffe bringt, arbeitet hier oder fährt hier vorbei. Seit acht Jahren ist sie hier ansässig.
Hat sich der Platz seitdem verändert?
„Seit Corona gibt es weniger Büros, das merke ich. Weniger Leute gehen zu Fuß vorbei.“
Was braucht der Barbarossaplatz?
„Geschäfte. Restaurants gibt es, Lebensmittel kann man kaufen, aber keine Schuhe und Klamotten.“

Memo Özbas, 35 Jahre alt, führt den Kiosk "Multikulti" am Barbarossaplatz.
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„Die Leute laufen hier nur durch, ich will, dass sie anhalten.“
Warum ein Kiosk am Barbarossaplatz?
„Ich war als Jugendlicher schon hier unterwegs.“ Özbas ist am Ebertplatz aufgewachsen, sagt aber: „Der Barbarossaplatz ist der Mittelpunkt von Köln. Die bekannteste Kreuzung. Wo bist du mehr multikulti aufgestellt als in Köln und dann am Barbarossaplatz?“
Was braucht der Barbarossaplatz?
„Wir müssen den Platz aufwerten, die Gastronomien erweitern.“ Er will einen Außenbereich für seinen Kiosk. „Die Leute sollen sich setzen, einen Eiskaffee, Mate trinken, Zeitung lesen. Auch die Späti-Kultur gehört zu Köln. Ich bin Kölner durch und durch, liebe diese Stadt und will das Beste rausholen.“

Maryam Agah, 53 Jahre alt, ist Tagesmutter am Barbarossaplatz.
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„Verdreckt, vermüllt, hässlich. Der Barbarossaplatz könnte schön sein, er ist der Start der Südstadt.“
Wie ist es, am Barbarossaplatz Tagesmutter zu sein?
„Man kommt hier sehr schnell hin.“ Sie wohnt im Rechtsrheinischen, „ich kann mit dem Fahrrad, Auto und der Bahn fahren, immer brauche ich eine halbe Stunde.“ Für Eltern, die ihre Kinder zu ihr bringen, liegt der angemietete Raum auf dem Weg zu ihrer Arbeit. „Es kommen so viele am Barbarossaplatz vorbei.“ Wenn sie mit den Kindern rausgeht, dann in den Grüngürtel oder einem nahen Spielplatz. „Ich muss die Kinder oft ablenken. Wenn wir angesprochen werden auf der Straße. Und es stinkt nach Urin.“
Was braucht der Barbarossaplatz?
„Das Ordnungsamt und die Polizei müssen endlich durchgreifen. Ich brauche doch ein Gefühl von Sicherheit. Wir müssen ständig Obdachlose wegschicken, die schlafen vor unserer Tür – wir sind aber eine Kindertagespflege!“
Leseraufruf zur neuen Serie
Unsere neue Serie „Kölner Plätze“ nimmt einmal im Monat einen Ort in Köln in den Blickpunkt. Wir erklären, wieso der Platz heute so aussieht, wie er aussieht. Wir sprechen mit den Menschen, die dort wohnen und arbeiten. Daraus entsteht eine To-do-Liste: Die Menschen, die an dem Platz leben, können nicht nur am besten beschreiben, was ihn zu einem essenziellen Teil Kölns macht. Sie sehen auch jeden Tag, wo es Verbesserungsbedarf gibt.
Reden auch Sie mit uns über den Barbarossaplatz: Wie erleben Sie ihn? Was hält Sie hier? Was fehlt? Ergänzen Sie die Aufgabenliste! Vielleicht haben Sie eine besondere Geschichte zu erzählen, die Sie mit dem Barbarossaplatz verbindet. Oder haben Sie besonders schöne, auch bezeichnende oder historische Fotos des Platzes? Dann senden Sie eine Mail an ksta-koeln@kstamedien.de