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Kommentar

Querbeat-Sänger über Barbarossaplatz
Ja, er ist noch da. Äh wach.

Ein Kommentar von
3 min
06.04.2024
Köln:
Konzert Querbeat in der Lanxess Arena
Foto: Martina Goyert

Querbeat bei einem Konzert in der Lanxess Arena 2024.

Ein Gastbeitrag von Jojo Berger über die Liebeserklärung seiner Band Querbeat an den Barbarossaplatz. 

„Guten Morgen Barbarossaplatz, bist du auch noch wach?“ Ich weiß nicht, wie oft ich diese Liedzeile schon gesungen habe. Von Karnevalspartys über Festivalbühnen und in sehr, sehr vielen Städten auf Konzerttour. Selbst in Madrid wurde das Wort schon mitgesungen… Und eine Sache fällt mir auf, wenn ich beim Blick in die lächelnd mitsingenden Mundpartien schaue: Es wird überraschend oft „bist du auch noch DA“ mitgesungen. Fälschlicherweise – wir haben den Autor glücklicherweise dazu befragen können.

Querbeat-Sänger Jojo Berger

Querbeat-Sänger Jojo Berger

Da meine Schwester Logopädin ist, weiß ich, dass das „d“ ein sogenannter alveolarer Verschlusslaut ist. Die Zunge tippt dabei kurz an den Zahndamm, also den Bereich direkt hinter den oberen Schneidezähnen. Das „w“ hingegen wird mit den Lippen und den Zähnen gebildet, ein labiodentaler Reibelaut. Mundmotorisch also zwei völlig verschiedene Baustellen. Apropos Baustelle, zurück zum Barba.

Es ist möglicherweise einer der unattraktivsten Verkehrsplätze ever

„Da“ zu singen ist also ein Fehler. Oooder eine bewusste Entscheidung der Leute, es umzudichten – vielleicht mit der unterschwelligen Botschaft, er möge bitte bald mal nicht mehr in dieser Form da sein. Wir müssen ja alle zugeben: Es ist möglicherweise einer der unattraktivsten Verkehrsplätze ever. Leerstand blickt auf Bahnen im Minutentakt, die sich im Soundtrack quietschender Stahlräder in die Gerüche legen. Neonbeleuchtete Büdchen konkurrieren um Kioskbiere, die Quadratmeter Straßengrau gehen gefühlt nahtlos in das berühmte Kölner Grau des Himmels über.

Bis vor kurzem auch wohl der spannendste Fahrradspur-Wechseldich-Moment der Stadt, wenn man mit dem Drahtesel vom Asphalt auf den unebenen, gepurzelten roten Pflasterstein-Schmalweg hüpfen musste. Im Rücken hupende Lieferwagen, versteht sich. Was wäre, wenn … ein Brunnen, grün umzingelt von Bäumen? Alles bepflanzt. Gute Luft. Naja, wer schon mal einen Vogel hat zwitschern hören am Barbarossaplatz, gewinnt von mir persönlich eine mit Pfand bezahlte Tüte Eis.

Wunschdenken. Aber sind wir doch mal ehrlich: Wenn jetzt in Köln auch noch die Plätze schön wären, dann würden wir uns weniger in Stadt-Lobhudelei unsere kölsche Seele und Lebensart schönsingen. Wär doch auch schade. Ach ja, um die Frage zu beantworten: Ja, er ist noch da. Ähm, wach.


Jojo Berger ist Sänger von Querbeat, einer Band aus Köln, die ihren Stil selbst als Brasspoppunk bezeichnet. „Guten Morgen Barbarossaplatz“ ist einer ihrer größten Hits. Querbeat spielt am 12. Juni 2027 im Kölner Rhein-Energie-Stadion. Tickets gibt es unterwww.querbeat-im-stadion.de


Unsere neue Serie „Kölner Plätze“ rückt einmal im Monat einen Ort in Köln in den Fokus. Dieser Beitrag ist Teil der ersten Folge zum Barbarossaplatz.

Reden auch Sie mit uns über den Barbarossaplatz: Wie erleben Sie ihn? Was hält Sie hier? Was fehlt? Ergänzen Sie die Aufgabenliste! Vielleicht haben Sie eine besondere Geschichte zu erzählen, die Sie mit dem Barbarossaplatz verbindet. Oder haben Sie besonders schöne, auch bezeichnende oder historische Fotos des Platzes? Dann senden Sie eine Mail an ksta-koeln@kstamedien.de.