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LärmbelastungNachbarn in Lindenthal wollen Tempo 30 per Klage durchsetzen

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Vier Männer stehen auf einer vielspurigen Straße mit einer Straßenbahn im Hintergrund nebeneinander und halten Plakate mit Tempo-30-Emblem hoch.

Bezirksvertreter Florian Weber-Baronowsky, Anwohner Fabian Stark, Bezirksbürgermeister Roland Schüler und Anwohner Florian Wächter (v.l.) fordern Tempo 30 auf dem Gürtel zwischen Dürener Straße und Raderthal.

Die Interessengemeinschaft lebenswerter Gürtel wird ihrer  Forderung nach Tempo 30 Nachdruck verleihen. Sie will die Stadt verklagen. Wegen Untätigkeit. 

Zwischen den Spuren des Lindenthalgürtels fällt die Unterhaltung schwer. Auf der Mittelinsel an der Kreuzung Gürtel/Franzstraße übertönen der Autolärm und das Quietschen der Bahn das gesprochene Wort. Es ist der perfekte Ort für die anwesenden Gürtel-Anwohner, um zu zeigen, worum es ihnen geht: Sie haben mit der Lärmbelastung zu kämpfen, die von der stark befahrenen Verkehrsachse ausgeht. Daher haben sie vor einiger Zeit, die „Interessengemeinschaft lebenswerter Gürtel“ gegründet und setzen sich für eine Lärmminderung auf dem Streckenabschnitt zwischen Dürener Straße und Raderthal ein, zunächst für die Senkung der Höchstgeschwindigkeit auf 30 Kilometer pro Stunde – nun bald vor Gericht.

Konstant hoher Lärmpegel nervt Nachbarn in Köln-Lindenthal

Gürtel-Anwohner Fabian Starke erläutert die Situation: „Der Lärm ist konstant da, durch die Autos und deren Bremsen und Anfahren an den nahen Ampeln“, erzählt er. Hinzu kämen die Erschütterungen durch die Straßenbahn. Mitstreiter Florian Wächter lebt am Raderthalgürtel an der Grenze zu Zollstock ebenfalls im Dauerstraßenlärm. Dort in der Nähe des Eifeltors und des Logistik-Centers der Deutschen Bundesbahn, sind zudem viele Lkw unterwegs. Bezirksvertreter Florian Weber-Baranowsky (Grüne), der am Sülzgürtel wohnt, erlebt es ähnlich: „Anstrengend ist vor allem das permanente Grundrauschen.“

Starke und Wächter verweisen auf die Lärmkarte der Stadt Köln. Der Gürtel ist mit der Farbe Lila ausgewiesen. Dort überschreitet der durchschnittliche Lärmpegel somit 70 Dezibel. Laut Bundesumweltministerium kann nach wissenschaftlichen Studien eine Dauerbelastung über etwa 65 Dezibel am Tag zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen führen, zu Änderungen in Stoffwechsel und Hormonhaushalt, der Gehirnstromaktivität, aber auch zu schlechtem Schlaf und Stresssymptomen. Langzeitfolgen können hoher Blutdruck und Herzinfarkt sein.

Demonstranten stehen und liegen auf einer Straßenkreuzung.

Nach einem tödlichen Unfall im Herbst 2024 demonstierten Tausende für eine Sichere Luxemburger Straße für alle. Veranstalter war die IG Lebenswerte Lux.

Nach der Bundesimmissionsschutzverordnung darf daher in Wohngebieten ein Wert von 59 Dezibel und in Mischgebieten ein Wert von 64 Dezibel nicht überschritten werden. Zwar gilt die Regelung explizit nur für Neubau oder Erweiterung. Die Gerichte ziehen die Werte dennoch auch für die Beurteilung bereits bestehender Straßen heran. Die Mitglieder der IG lebenswerter Gürtel haben somit bereits Anträge bei der Stadtverwaltung gestellt, die Höchstgeschwindigkeit auf Tempo 30 zu senken.

Stadt kann keinen Zeitpunkt für Einführung von Tempo 30 nennen

Die Verwaltung bekommt eine erhebliche Anzahl von Lärmschutz-Anträgen, schreibt Robert Baumanns, Sprecher der Stadt. „Sie werden derzeit beim Amt für Straßen und Radwegebau gesammelt.“ Verkehrsberuhigende Temporeduktionen bedürften umfassender Prüfungen und Abstimmungen mit verschiedenen Fachabteilungen und externen Dienstleistern, da sie an gesetzliche Vorgaben und Planungsprozesse gebunden seien. Ein Zeitpunkt für die Umsetzung könne daher nicht genannt werden.

Die fünf Mitglieder der Interessengemeinschaft haben sich deswegen nun dazu entschlossen, die Stadt beim Verwaltungsgericht Köln wegen Untätigkeit zu verklagen und den erfahrenen Anwalt Wolfram Sedlak beauftragt. Er hat in der Stadt schon viele ähnliche Klagen geführt – und gewonnen. In manchen Fällen gab die Stadt auch nach und reduzierte die Höchstgeschwindigkeit, bevor das endgültige Urteil gesprochen wurde. So wurde im vergangenen Jahr auf der Luxemburger Straße zwischen Barbarossaplatz und Militärring Tempo 30 eingeführt.

„Kölsche Lösung “

Auf anderen Straßen, wie auch auf dem Melatengürtel, wurde das Tempo nur abschnittweise gedrosselt, nämlich nur dort wo der jeweilige Kläger wohnt. Sedlak bezeichnet das als die „kölsche Lösung“. Um gegen die Scheibchentaktik vorzugehen, nimmt sich die Interessengemeinschaft lebenswerter Gürtel, nun ein Beispiel an der „IG lebenswerte Lux“: Es klagten gleich mehrere ihrer Mitglieder, die an unterschiedlichen Stellen der Straße wohnen, und so wurde das Tempo auf der gesamten Verkehrsachse gedrosselt. Dieses Ergebnis erhoffen sich die Bürger und Bürgerinnen auch für den Gürtel.