Nach eigenen Angaben erreichte Edelgard bei seinen mobilen Einsätzen 4700 Personen. Die Initiative fordert nach Geschlechtern getrennte Toiletten.
„Von Grapschen bis Vergewaltigung“Edelgard zieht nach Karneval Bilanz zu sexualisierter Gewalt

Drei Zweierteams waren an den Karnevalshotspots schichtweise unterwegs und stellten einen erhöhten Beratungs- und Hilfsbedarf bei jungen Feiernden fest.
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Nach Karneval zieht auch die Initiative Edelgard Bilanz: Das Projekt zum Schutz von Frauen vor sexualisierter Gewalt hat in diesem Jahr einen erhöhten Beratungsbedarf bei jungen Menschen und eine Verschärfung der Situation festgestellt. Das teilt Hanna Frank von der Koordinierungsstelle Edelgard mit. Bei den mobilen Einsätzen von je drei Zweierteams in den Feierhotspots Zülpicher Platz/Barbarossaplatz, Südstadt sowie Aachener Straße/Brüsseler Platz konnten nach eigenen Angaben 4700 Menschen erreicht werden.
„Die Einsatzteams hatten einen Zähler dabei“, sagt Frank auf Nachfrage des „Kölner Stadt-Anzeiger“. Deren Aufgabe sei es gewesen, proaktiv auf die Feierenden zuzugehen, über das Beratungsangebot zu informieren und Hilfe nach sexualisierter Gewalt anzubieten. „Die akute Unterstützung vor Ort war häufig notwendig“, sagt Frank. Wie viele Personen in den vergangenen Jahren die Beratung wahrgenommen haben, kann Edelgard nicht nachvollziehen. Die Zähler seien dieses Jahr erstmals zum Einsatz gekommen.
Die Ursache für den erhöhten Bedarf sei nicht genau zu ermitteln. Edelgard ist seit Jahren im Straßenkarneval aktiv, eine immer besser funktionierende Zusammenarbeit zwischen Sanitätern und Polizisten könnte ein Grund sein, ein anderer der gesteigerte Bekanntheitsgrad des Projekts.
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Edelgard nennt keine Zahlen wegen mutmaßlich hoher Dunkelziffer
Neben einer Infozentrale am Barbarossaplatz, die man an den Karnevalstagen telefonisch erreichen konnte, waren die mobilen Teams Donnerstag, Samstag und Montag im Schichtsystem bis teilweise nachts unterwegs. Dabei reichten die akuten Vorfälle laut Frank von Begrapschen über die Verabreichung von K.O.-Tropfen bis hin zu Vergewaltigung. „Wegen verbaler Belästigung wenden sich die Frauen nicht an uns“, sagt Frank.
Ordnungsamt und Polizei schätzten die Lage in diesem Jahr insgesamt als ruhiger ein. Zu Straftaten, Einsätzen und Anzeigen kam es dennoch: An Weiberfastnacht etwa soll ein Unbekannter in einer Südstadt-Kneipe auf der Toilette eine Frau vergewaltigt haben. Am Samstag gingen Hinweise auf eine mutmaßliche Vergewaltigung einer Jugendlichen in einem Dixi-Klo an der Roonstraße/Ecke Rathenauplatz ein. Es sei von einem hohen Dunkelfeld auszugehen, so Frank: Edelgard lehne es daher ab, Statistiken zu führen oder Fallzahlen zu benennen.
Frank untermauert diese Zurückhaltung mit der kürzlich veröffentlichten Studie „Lesubia“ – „Lebenssituation, Sicherheit und Belastung im Alltag“, die das Bundeskriminalamt zusammen mit dem Innen- sowie Familienministerium durchgeführt hat. Diese erste großangelegte, repräsentative Studie zeige deutlich, dass „sexuelle Belästigung weit verbreitet ist, aber nur selten angezeigt wird“, heißt es in der Edelgard-Bilanz. Zahlen ließen daher keinen Rückschluss auf die tatsächliche Gefährdung zu, so Frank.
Für interne Zwecke protokolliert Edelgard jedoch Fälle der letzten Jahre. Die Einsatzkräfte sind laut Frank zudem erfahrene Berater und Beraterinnen. „Was wir auch beobachtet haben – und das bereits am 11.11. – war, dass es neben sehr viel positivem Feedback und Dankbarkeit für unsere Arbeit, auch vermehrt Situationen gab, in denen Männer sich sehr negativ geäußert haben“, so Frank. Eine zunehmend „antifeministische Haltung“ sei unter Männern und Männergruppen zu verzeichnen.
Edelgard fordert mehr Sicherheitspersonal an Toiletten - Appell an Gastronomen
Edelgard fordert nun von der Stadt Köln mehr Sicherheitspersonal an mobilen Toiletten sowie Toiletten getrennt nach „männlich“ sowie „Flinta“-Personen, also Frauen und queeren Menschen. Zum anderen appellieren sie an Gastronomen, mehr für das Thema sexualisierte Gewalt zu sensibilisieren. „Es gibt Bars und Clubs, die Awareness-Konzepte haben und deren Security-Leute an der Tür bereits kommunizieren, dass man sich an sie wenden kann: Das muss weiter ausgebaut werden“, sagt Frank.

