Unsere neue Serie Kölner Plätze nimmt Orte in Köln in den Fokus. Wir erklären ihre Geschichte und sprechen mit den Menschen, die dort leben.
Neue Serie „Kölner Plätze“Barbarossaplatz, lass uns reden

Über den Barbarossaplatz fahren täglich geschätzt 100.000 Menschen.
Copyright: Matthias Heinekamp
Ein Platz zum Kreuzen und Queren: Über den Barbarossaplatz fahren täglich geschätzt 100.000 Menschen. 30.000 steigen allein aus den Stadtbahnen der Linien 16 und 18 ein, aus und um. Dazu kommen die Linien 12 und 15 und noch mehr sitzen in den Bahnen, die über den Platz rattern. Mehr als 35.200 fahren mit ihrem Auto über die Kreuzung. Das ergab die jüngste Zählung vom 1. Juli 2021, noch während der Coronazeit.
Es dürften jetzt eher mehr sein. Dazu kommen in etwa 3000 bis 5000 Radfahrer – so viele messen die nahegelegensten Zähler täglich. Es ist die Shibuya-Kreuzung von Köln. Eigentlich sogar noch verkehrsreicher, denn über die berühmte Kreuzung in Tokio gehen zwar pro Ampelphase schon mal 2500 Menschen. Doch dort fährt nicht auch noch die Stadtbahn, dort staut sich kein Verkehr auf den Radspuren, und dort schieben sich keine Automassen über die Kreuzung.
Viel Verkehrsaufkommen, geringe Aufenthaltsqualität
Trotz der Massen hält auf Kölns „Shiburossa“ nur kaum einer an. Dafür bietet er ja auch gar keinen Platz. Vielleicht heißt er deshalb vor allem bei den jüngeren Kölnerinnen und Kölnern aus dem benachbarten Studierendenviertel nur noch „Barba“. Die Fotomotive sind auch weniger spektakulär als in Japans Hauptstadt. Die Folgerung liegt nahe, dass die geringe Aufenthaltsqualität am Barbarossaplatz schuld am generischen Angebot an Gastro-Ketten ist, das nur wenige inhabergeführte Lokale durchbrechen können.
Damit ist er hinter dem Ebert-, Friesen- und Rudolfplatz der letzte große Innenstadtplatz am Ende des Hohenstaufenrings. Auf dem Weg in die individuellere Südstadt deckt der Barbarossaplatz noch einmal das gesamte Spektrum der deutschen Schnellimbiss-Kultur ab: Merzenich-Brezel und Starbucks-Frappuccino gibt es neben McDonalds-Burger, Döner und natürlich Currywurst-Pommes.
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Bisherige Versuche, den Platz umzubauen, scheiterten
Hier sind die Bürokomplexe noch bis zu 13 Stockwerke hoch, Ruhe kehrt auf der Straße nicht ein. Der Puls vom Barbarossaplatz hat eine Frequenz von eineinhalb Minuten, in denen sich Straßenbahnen, Autos und Pendler in schier endloser Choreografie die Ampelschaltungen teilen. Der Platz, nein Verkehrsknotenpunkt, ist Teil der Kölner Ringe. Für deren städtebaulichen Entwicklung gibt es seit 2011 Leitlinien. In diesem Konzept wird er zwar weiter vorwiegend als „Verkehrsraum“ bezeichnet, festgehalten ist aber auch die Idee, die Stadtbahnhaltestelle zu einer Seite der Straße zu verlegen.
Aktuell verlaufen die Auto-Spuren um sie herum. Ginge das, würde ein „großzügigerer Platzraum“ entstehen. 2020 stellte der Rat fest: „Aufgrund seiner Komplexität wird er nicht als Platzfläche wahrgenommen. Bisherige Versuche, den Platz umzubauen – insbesondere im Sinne des Masterplanes – sind in der Vergangenheit gescheitert.“ Das Fazit einer Mehrheit der damaligen Ratsfraktionen: „Nur eine großräumige Gesamtbetrachtung dieses Stadtraumes kann zu dem gewünschten Ziel führen.“
Machbarkeitsstudie zur unterirdischen Führung der Linie 18 steht noch aus
Er beschloss, dass die Verwaltung prüfen soll, wie sich der Platz verbessern lässt. Eine Machbarkeitsstudie sollte dabei unter anderem untersuchen, ob eine unterirdische Führung der Stadtbahnlinie 18 sinnvoll wäre. Doch passiert ist nichts. Bis heute. Seit vier Jahren gibt die Stadt dafür dieselbe Begründung: Die Studie soll zeitlich näher an einer möglichen Umsetzung der Planung liegen, vor allem der möglichen Verlegung der Linie 16 in den Tunnel der Nord-Süd-Stadtbahn.
Mobilitätsdezernent Ascan Egerer hatte 2023 auch gesagt, die Entscheidung sei abzuwarten, ob die Ost-West-Bahnen weiter ober- oder künftig unterirdisch laufen sollen. Die ist mittlerweile gefallen. Der Rohbau des Tunnels der Nord-Süd-Stadtbahn soll 2032 fertig sein. Das sagt allerdings noch nicht aus, wann tatsächlich Bahnen durch ihn fahren.
Trotzdem bleibt der große Wurf für den Barbarossaplatz weiter aus. Kleinere Umgestaltung aber finden statt: Nächstes Jahr will die Stadt die Bahnsteige der 16 und 18 anheben. Bislang sind sie so niedrig, dass die Bahnen ihre eingebauten Treppen ausfahren. Selbst dann sind noch große Schritte nötig, um in die Bahnen zu klettern. Auch sollen die Haltestellen-Häuschen begrünt werden.
Und der Linksabbiegerstreifen auf der südlichen „Neue Weyerstraße“, an der Station der 16 und 18, soll wegfallen. Dafür soll hier, von der Pfälzer Straße kommend, ein Radfahrstreifen eingerichtet werden und der Radstreifen auf der Nordseite des Platzes auf 2,50 Meter verbreitert werden. Die jüngste Veränderung erfuhr der Platz Ende 2024 durch das Projekt „Ring frei“, seitdem sind die Kölner Ringe durchgängig mit einem breiten Radstreifen versehen. Jetzt fahren nur noch halb so viele Autos über die Ringe wie 2013 einst für die Zukunft prognostiziert.
Leseraufruf zur neuen Serie
Unsere neue Serie „Kölner Plätze“ rückt einmal im Monat einen Ort in Köln in den Fokus. Wir erklären, wieso der Platz heute so aussieht, wie er aussieht. Wir sprechen mit den Menschen, die dort wohnen und arbeiten. Daraus entsteht eine To-Do-Liste: Die Menschen, die an dem Platz leben, können nicht nur am besten beschreiben, was ihn zu einem essenziellen Teil Kölns macht. Sie sehen auch jeden Tag, wo es Verbesserungsbedarf gibt.
Reden auch Sie mit uns über den Barbarossaplatz: Wie erleben Sie ihn? Was hält Sie hier? Was fehlt? Ergänzen Sie die Aufgabenliste! Vielleicht haben Sie eine besondere Geschichte zu erzählen, die Sie mit dem Barbarossaplatz verbindet. Oder haben Sie besonders schöne, auch bezeichnende oder historische Fotos des Platzes? Dann senden Sie eine Mail an ksta-koeln@kstamedien.de.

