Aus dem Landhaus Kuckuck wurde das „Mâîde“. Es hat bei FC-Fans schon von sich reden gemacht, weil es kein Kölsch gibt. Wie das Essen schmeckt, hat unser Restaurant-Kritiker probiert.
Henns GeschmackssacheIm ehemaligen Kuckuck wird jetzt anatolisch gekocht - Wie schmeckt's im „Mâîde“?

Die große Gastronomie, in der früher das „Landhaus Kuckuck“ war, wurde komplett umgestaltet.
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Einst stand die Kölner Koch-Legende Erhard Schäfer im Landhaus Kuckuck am Herd, errang mit der klassisch-französischen Küche seines Restaurants „Maître“ hier sogar einen Michelin Stern. Dann stand die Immobilie leer und viele fragten sich: Wer wird sie wohl übernehmen? Denn so großartig sie ist - im Grüngürtel nahe dem Stadion gelegen, mit eigenem Parkplatz - so groß ist sie eben auch. Die vielen Innen- und Außenplätze muss man erstmal regelmäßig voll bekommen.
Das „Mâîde“ versucht es nun mit anatolischer Küche und man sieht direkt beim Eintreten: Hier wurde für die Umgestaltung viel Geld in die Hand genommen. Schön ist es geworden, gemütlich, spürbar anatolisch, ohne ins Kitschige abzurutschen. Also alles gut? Nicht ganz, denn schon vor der Eröffnung gab es den ersten Shitstorm, weil das Konzept keinen Alkohol vorsieht. Und das neben dem Effzeh! Grenzt ja an Blasphemie! Ein zweiter Shitstorm betraf dann das Parken – aber dazu später mehr.

Entree im „Mâîde“: Am Tresen tauscht man auch das Parkticket um - das Restaurant hat einen eigenen Parkplatz.
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Kulinarisch geht es wunderbar los. Große, heiße Brotfladen, mit Luft gefüllt wie Ballons, werden auf den Tisch gestellt, dazu zwei Dips, etwas Butter, etwas Käse und für jeden ein kleiner Salat mit einem gekonnt fruchtig abgeschmeckten Dressing. Da fühlt man sich direkt willkommen.
Gute Stimmung - auch ohne Kölsch
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Dazu die angenehm trubelige Stimmung, viel Kinderlachen, große Familien an den Tischen. Es ist Rush-Hour, weil sonntags (wie auch an jedem anderen Wochentag) bis in den frühen Nachmittag ein großes Frühstücksbüffet angeboten wird. Hier ist Leben und Stimmung in der Bude – auch ohne Kölsch.

Die gemischte Vorspeisenplatte mit unterschiedlichen Dips und Falafel
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Für die Bestellung kann man sich durch die Karte mit ihren 191 Positionen arbeiten (alle mit deutscher Übersetzung), oder sich an der langen Glastheke vor dem Holzkohlegrill umschauen, in der allerlei Fleischstücke aufgereiht liegen. Üblicherweise bestellt man zu Beginn die gemischte Vorspeisenplatte. Sie kommt mit großen, heißen Falafel, ein wenig Salat, ein paar Oliven, unterschiedlichen Dips – allerdings erfährt man leider nicht, was genau was ist, denn es wird nichts annonciert. Alles ist von solider Qualität. Das gilt auch für das Lahmacun, welches zwar dünn und knusprig, aber in der Würzung eindimensional ist, zudem fehlt der auf der Speisekarte stehende Salat dazu.

In Vitrinen steht das Grillgut aus - Grillgerichte sind der Schwerpunkt der Küche.
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Grillgerichte sind ein Schwerpunkt der Küche im „Mâîde“
Das Gericht „Ali Nazik“ wird unter „Gerichte des Küchenchefs“ gelistet. Sobald sich die heiße Sauce der Lammstreifen mit dem kühlen Joghurt-Auberginen-Mix vermischt, wird verständlich, warum dies ein Klassiker der türkischen Küche ist (wobei mehr Auberginen sinnvoll gewesen wären).

„Ali Nazik“ ist ein Klassiker der türkischen Küche - das heiße Fleisch verbindet sich gut mit dem kühlen Joghurt-Auberginen-Mix.
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Grillgerichte sind ein Schwerpunkt des „Mâîde“, und das saftige Hähnchenbrustfilet – unter „Spezialitäten des Hauses“ gelistet – zeigt, dass man diese beherrscht. Allerdings verdient die Champignon-Sahnesauce ihren Namen nicht, weil es an einer prägnanten Champignon-Note mangelt, und die Pommes sind keine, sondern rauchig gewürzte Kartoffelscheiben. In einem türkischen Restaurant darf man nicht unbedingt mit Kompetenz in Sachen Pizza rechnen, hier weist die vegetarische Variante deutlich zu viel Käse und zu wenig Tomatensauce auf.
Große Dessert-Auswahl
Die Auswahl an Desserts ist groß, Katmer Kaymakli-Fistikli ist Blätterteig, der mit Kaymak (türkischem Rahm) und Pistazien serviert wird. Sehr süß und herrlich knusprig. Künefe Maras Dondurmali-Fistikli ist eine Art süßer Nudelteig mit Käse sowie gehacktem Kadaifi („Engelshaar“), obenauf das berühmte Maras-Eis und Pistazien.

Sehr süß und herrlich knusprig gelingt Katmer Kaymakli-Fistikli
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Nach dem Hauptgang dauert es allerdings sehr lange, bis nach einem Dessert gefragt wird, dann sehr lange, bis es kommt, und schließlich sehr lange, bis wir jemanden um die Rechnung bitten könne, und … nun ja, es dauert auch sehr lange bis sie kommt. Zwischenzeitlich wurde mehrmals versucht einen der vielen Kellner aufmerksam zu machen, die teilweise direkt neben dem Tisch standen - erfolglos.
Verwirrung am Parkplatz
Nach dem Bezahlen dann Anstehen mit dem Parkticket am Empfangstresen. Wortlos wird es umgetauscht. Muss man irgendwo etwas nachzahlen? Keine Info. Auf dem Parkplatz dann zum Automaten, dort hängt die Info: die ersten 2 ½ Stunden sind für Restaurant-Gäste frei, für Externe kostet jede angefangene Stunde 15 Euro. Wir sind im Zeitlimit, aber was für Restaurantgästen gilt, die länger bleiben, steht nicht da.
Das „Mâîde“ ist gerade erst gestartet, vieles wird sich hier sicher noch einspielen, den grundsätzlichen Willen merkt man dem Team bereits an.
Bewertung: 3 von 6
Fazit: Schöne Räumlichkeiten mit großer Terrasse. Die Küche bietet vor allem solide anatolische Klassiker, es gibt keinen Alkohol – und eine merkwürdige Parkregelung.
Mâîde, Olympiaweg 2, 50933 Köln, Tel. 0163-4527605, 8 bis 24 Uhr, Instagram: maide_restaurant
Henns Auswahl:
Gemischte Vorspeisenplatte 18,90 Euro
Lahmacun Salatali 6,50 Euro
Vegetarische Pizza 14,90 Euro
Tavuk Bonfile (Hähnchen) 23,90 Euro
Ali Nazik (Lamm) 25,90 Euro
Katmer Kaymakli-Fistikli 9,90 Euro
Künefe Maras Dondurmali 12,90 Euro
Frühstücks-Buffet 18,90 Euro (Kinder von 4 bis 8 Jahre 9,90 Euro)

