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25. Sommerblut-FestivalJubiläumsausgabe findet trotz finanzieller Einbußen statt

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Zwei Frauen und ein Mann stehen nebeneinander. Der Mann hält ein Plakat, auf dem „Sommerblut“ zu lesen ist.

Sommerblut-Öffentlichkeitsmitarbeiterin Hannah Lina Schneeberger, Festivalleiter Rolf Emmerich und Inklusionsbeauftragte Iris Haist (v. l.) wollen in der begleitenden Ausstellung auch Plakate, beispielsweise aus dem Jahr 2014 zum Thema „Tabu“, zeigen.

Unabhängig von Finanzierungsproblemen plant das inklusive Kunst- und Kultur-Event im Frühjahr Theater-, Tanz- und Musikproduktionen sowie eine Jubiläumsausstellung, für die noch Exponate gesucht werden.

Ausgerechnet die Verwirklichung der Jubiläumsausgabe wird zum bisher schwierigsten Unterfangen in der Historie des Sommerblut-Teams. Das immens erfolgreiche inklusive Festival leidet unter den finanziellen Einschnitten im Kultursektor. Die 25. Auflage vom 13. bis 24. Mai will Festivalleiter und -gründer Rolf Emmerich zur Not auch mit eigenen Mitteln realisieren. „Sommerblut wird definitiv stattfinden, auch, wenn die Kürzungen im Vergleich zum letzten Jahr nochmals um 25 Prozent gestiegen sind“, berichtet der Organisator. Demnach stellen bisher wichtige Förderer wie etwa die „Aktion Mensch“ und das Programm „Kreatives Europa“ der Europäischen Union keine Gelder mehr zur Verfügung.

45 Aufführungen und Jubiläumsausstellung in der Südstadt

Bisher setzt sich das Programm zum Leitthema „Solidarität“ aus 16 Projekten an 13 Veranstaltungsorten zusammen. Es sind 45 Aufführungen für und von Menschen mit und ohne Behinderungen geplant. Anlässlich des Jubiläums soll zudem eine Ausstellung mit rund 400 Original-Exponaten stattfinden, die in den Räumlichkeiten der Michael Horbach Stiftung Plakate, Flyer, Fotografien und Programmhefte aber auch Filmausschnitte, Kostüme, Banner sowie Mobiliar aus den einstigen Produktionen präsentiert.

„Das ‚Käthe k Kunsthaus‘ wird darüber hinaus spezielle Motive für die Themenfelder zeichnen und die Ausstellung komplettieren. Einige der Bildnisse werden wir für die Gäste auf Postkarten zur Mitnahme drucken“, erklärt Kuratorin und Inklusionsbeauftragte Iris Haist. Ferner sind via E-Mail an ausstellung@sommerblut.de externe Materialien willkommen: „Wir freuen uns über Einsendungen aller Art, die in einer Verbindung mit dem Festival stehen. Das können auch Erinnerungen in Form von Tagebucheinträgen sein“, so Haist.

Wenn man die Kultur aus dem Leben der Menschen bannt, ist das immer auch ein Stück Demokratie-Abbau.
Rolf Emmerich, Festivalleiter

Da die fehlenden Fördergelder unter anderem für die Barrierefreiheit an den Veranstaltungsorten verwendet werden, beispielsweise für Blinden-Leitsysteme, Gebärdendolmetscher oder Audiodeskriptionen, rufen die Macherinnen und Macher die Öffentlichkeit passend zum Leitthema zur Solidarität auf. Mit einem digitalen Crowdfunding würden sich die Organisatoren direkt an potenzielle Unterstützer wenden. „Es war nie einfach, solch einen Event zu organisieren. Erst nach zehn Jahren fühlte ich mich dahingehend ernst genommen und erhielt den notwendigen Zuspruch aus der Politik. Nun findet leider eine Rückwärtsrolle statt. Wenn man die Kultur aus dem Leben der Menschen bannt, ist das immer auch ein Stück Demokratie-Abbau“, blickt Festivalleiter Rolf Emmerich mit Sorge in die Zukunft. Das 25. Sommerblut-Festival wird am 13. Mai mit der Performance „Die Wunde Europas: Kunst als Zeugnis“ mit ukrainischen und deutschen Veteranen im Orangerie Theater eröffnet.


Sommerblut Festival

Die auch als „Festival der Multipolarkultur“ bezeichnete Veranstaltungsreihe erlebte ihre Premiere 2002 im Theaterhaus Köln. Wesentlich ist die Ausrichtung als inklusives, barrierefreies Event mit Darbietungen aus den Bereichen Theater, Musik, Tanz, Film, Literatur, Malerei, Fotografie und Objektkunst. Dabei werden Eigenproduktionen als auch Gastspiele präsentiert. In den Jahren 2008 bis 2011 verfolgten zwischen 18.000 und 23.000 Besucherinnen und Besucher die jeweils 120 bis 150 Präsentationen.

Zu den Künstlerinnen und Künstlern zählten unter anderem Dirk Bach, Herbert Feuerstein, Clueso, Romy Haag, Hella von Sinnen, Lilo Wanders, Ulla Meinecke, Christine Westermann, Ralph Morgenstern, Bettina Böttinger, Maren Kroymann, Gerburg Jahnke, Konrad Beikircher und Katharina Thalbach. 2012 erhielt das Sommerblut-Theaterprojekt „Anderland“ zum Thema Demenz den Kölner Innovationspreis Behindertenpolitik. Als Schirmherr fungiert seit 2002 Kölns ehemaliger Regierungspräsident und Oberbürgermeister Jürgen Roters. Erste Vorsitzende des Sommerblut e.V. ist Patrizia Kubanek, Sexualberaterin für Menschen mit Behinderung.

Sommerblut Kulturfestival 2026, 13. bis 24. Mai, verschiedene Orte, www.sommerblut.de