Lampen aus Salzkristallen, mundgeblasene Wasserkrüge oder ein individueller Teppich mit Wolle von Rheinschafen: Ein Rundgang über das Festival Passagen.
Rundgang auf den Kölner Passagen„Für alle, die Bock haben, dass es mal anders aussieht“

Elisabeth Seidel stellt ihre Salzkristalllampen im Geschäft „Siebter Himmel“ an der Brüsseler Straße 67 vor. Aus den übrig bleibenden Kristallen stellt sie kleine Schalen für Schmuck oder anderes her.
Copyright: Arton Krasniqi
Ein bisschen Risiko ist immer dabei, wenn Elisabeth Seidel neue Salzkristalle für ihre Leuchten züchtet. Temperaturschwankungen wie zuletzt von sehr kalt auf recht mild mögen sie zum Beispiel nicht. „Manche sind dann auch nicht gewachsen. Ich stelle die Kristalle in meinem Keller her. Sie brauchen gleichbleibende Temperaturen und es muss dunkel sein“, sagt die 30-Jährige. Wir treffen sie im Buch- und Designgeschäft „Siebter Himmel“ auf der Brüsseler Straße: Mit ihren Lampen ist die Design-Absolventin der TH Köln Teil des Festivals „Passagen“, das bis zum 22. Januar läuft.
Zum Start des Festivals ist Seidel am Freitagvormittag eine der ersten, die ihre Ausstellung persönlich begleitet. Ein Kristallzucht-Set für Kinder in einem Schaufenster habe sie auf die Idee gebracht, mit diesem Material zu experimentieren, erzählt sie. Die Ästhetik der Salzkristalle habe sie so „berührt“, dass sie sich das nötige chemische Wissen komplett selbst angeeignet habe. Für eine Lampe, die aus mehreren übereinandergelegten, kristallüberzogenen Acrylglasscheiben besteht, braucht sie etwa 24 aktive Arbeitstage: In 12 bis 15 Liter Lösung liegt der Acrylkörper tagelang, mit Trocknungs- und Liegezeiten kommt man so auf einen Zeitraum von vier Wochen. Rund 730 Euro kostet ein Exemplar.
Kölner Passagen: Salzkristalle werden zu Lampen
Da Kristalle auf Feuchtigkeit reagieren – von einer Hängung im Bad rät sie ab –, hat sie gemeinsam mit einer Restauratorin eine effektive Abwehrmethode entwickelt: „Ich verwende einen Überlack. 30 Minuten unter vollaufgedrehter Dusche und Wasserdampf konnten der Lampe dann nichts mehr anhaben“, sagt Seidel. Die Kölner Designerin ist eine von zwölf sogenannten „Cartes Blanches“: Zusammen mit Köln-Business unterstützt Passagen-Erfinderin Sabine Voggenreiter damit Ideen aus Köln, die „das Design voranbringen und innovativ sind“.
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Weiter geht es über die Ehrenstraße zur Albertusstraße. Im Qvest-Store erklärt Storemanager Moritz Hinrichs die aktuelle Ausstellung, die die Grenzen des Designs zur Kunst auslotet.

Moritz Hinrichs im Qvest-Store: Hinter ihm die handgewebten Teppiche von Reuber Henning und rechts neben ihm Wasserkrüge und Vasen aus mundgeblasenem Glas vom Berliner Label Analog Glass.
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Aktuell im Fokus stehen die in Nepal handgeknüpften Teppiche von „Reuber Henning“ aus Berlin, hinter dem das Designerinnen-Duo Franziska Reuber und Birgit Krah steht. Die Arbeiten der Berliner Glasmanufaktur „Analog Glass“ sind ein weiteres Highlight. Mundgeblasene Wasserkrüge oder Vasen, Unikate in rosé oder hellgrün, oder eine Pendelleuchte, die sich auf bis zu 15 Lampen erweitern lässt. „Der Krug wird geblasen und der Griff entsteht durch die Verwendung einer Zange. Deswegen sieht keiner aus wie der andere“, sagt Hinrichs. Auch einen Hocker aus Glas, über den eine Silberschicht gezogen wurde, ist hier ausgestellt und kostet stolze 4600 Euro.
„Das sind alles Gegenstände für den Alltag und sollen benutzt werden“, sagt Hinrichs. Die geschwungene Vase aus Glas würde sich aber genauso gut auf einem Sockel oder einer Kommode machen, um als Kunstobjekt bewundert zu werden. Der Qvest-Store von Unternehmer Michael Kaune („Qvest Hotel“, „Kaune Contemporary Gallery“) berät Hotels, Restaurants, Bars oder Museen, wenn sie besondere Stücke für ihre Inneneinrichtung suchen. Zu den Kunden gehören auch Sammler. Der Qvest-Kosmos, zu dem auch das Restaurant La Fonda im Gereonsviertel gehört, sei mit seinem ganzheitlichen Konzept in Köln einzigartig, so der 27-Jährige.
In der Ehrenfelder Pattenhalle kann man gebündelt lokales und internationales Design von rund 30, meist produzierenden, Designern entdecken. Wer schon immer Kölner Schafswolle in einem Designer-Teppich haben wollte, wird beim Kölner Unternehmen Rheinwolle und der Düsseldorfer „Textilerin“ Sanja Lulei fündig. Martin Hoffmann, Gründer von Rheinwolle, ist eigentlich Architekt.

In der Pattenhalle in Ehrenfeld: Martin Hoffmann von Rheinwolle und Sanja Lulei alias „Die Textilerin“
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Kölner Passagen: Auf die Inszenierung von Design kommt es auch an

Lukas Philipp Schulze aus Düsseldorf setzt mit seinem Studio Mudio in der Pattenhalle Designobjekte von Düsseldorfer Designern in Szene.
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Durch einen Zufall hat er herausgefunden, dass der Großteil der hier geschorenen Wolle nicht verarbeitet wird. Nach einem kurzen Gespräch mit einem Kölner Schäfer war die Idee geboren, Rheinwolle zu gründen. „Für Kleidung ist die Wolle zu grob“, sagt Hoffmann, für Teppiche eignet sie sich eher. Dank Sanja Lulei, der „Textilerin“, gibt es auf den Passagen jetzt nicht nur den aktuellen Jahrgangs-Teppich, sondern auch einen handgemachten Designer-Teppich aus Kölner Wolle. „Ich arbeite an der Schnittstelle zwischen Kunst, Handwerk und Design“, sagt Lulei.
Kein Designstück wirkt so, wie es soll, ohne die richtige Inszenierung. Genau das ist die Aufgabe von Lukas Philipp Schulz mit seinem Studio Mudio. Zu seinen Kunden zählen aber nicht nur Designer, Museen oder Messen, selbst eine Tierarztpraxis betreut er momentan. „Einfach alle, die Bock haben, dass es mal anders aussieht“, sagt der Szenograph. Bei den Passagen hat er das Ausstellungsdesign für fünf Düsseldorfer Studios entwickelt. Die aus verzinktem Stahl hergestellten Podeste erinnern Schulz am ehesten an die „Metallfassung klassischer Bleistift-Radiergummis“. Die welligen Bewegungen sollen den Rhein charakterisieren, der Köln und Düsseldorf verbindet.

Die Pattenhalle in Ehrenfeld: Studio Mudio betreut Messen und Designer in Sachen Inszenierung
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