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Neue KunstgalerieWerke des „Teuwen-Kreises“ sind am Stadtgarten zu sehen

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Das Ölgemälde „Liegende“ von Georg Esser.

Das Ölgemälde „Liegende“ von Georg Esser.

Mitglieder der Stiftung Werkkunst eröffnen nahe dem Stadtgarten einen neuen Ausstellungsort und zeigen Werke ihrer bei Prof. Teuwen ausgebildeten Eltern.

In der Dunkelheit räkelt sich eine Frau lasziv auf ihrem Bett. Hauttöne stechen im schwarz-umbrafarbenen Hintergrund hervor. Türkisfarbene Laken und ein rotes Bettgestell setzen farbige Akzente. Der Akt „Liegende“ des Malers Georg Esser gehört zu den Hinguckern in der Ausstellung „Wilhelm Teuwen und sein Kreis“, die am 21. März an dem neuen Ausstellungsort der Stiftung Werkkunst an der Goebenstraße 3 eröffnete.

Das Gemälde wirkt auch durch seine Dichte: Ein zentimeterdicker pastoser Auftrag von Ölfarbe verleiht ihm ein Relief und eine besondere Tiefe. Der Maler Esser war auch ausgebildeter Maurer. Und so musste er erst gar nicht eine Aufnahmeprüfung bestehen, als er nach dem Krieg im Jahr 1948 sein Studium an den Kölner Werkschulen aufnahm. Er half beim Wiederaufbau, zog und verputzte Wände.

Die Stiftungsmitglieder Ulla Hulbert sowie Christian und Brigitte Kaldenhoff (v.l.) in den neuen Ausstellungsräumen an der Goebenstraße 3.

Die Stiftungsmitglieder Ulla Hulbert sowie Christian und Brigitte Kaldenhoff (v.l.) in den neuen Ausstellungsräumen an der Goebenstraße 3.

Meister Teuwen gestaltete Kirchenfenster im Dom

Sein Professor, Wilhelm Teuwen hatte ohnehin seine eigenen Aufnahmekriterien. Das erzählen die Kinder seiner Schüler und Schülerinnen. Mappen hätten ihn nicht interessiert. Er ließ Bewerber und Bewerberinnen einen Gegenstand zeichnen. Wenn das Ergebnis ihm gefiel, waren sie aufgenommen im Club, seinem Schülerkreis.

Alle Künstler und Künstlerinnen, die in den neuen Räumen ausgestellt sind, verbindet das gemeinsame Studium bei dem charismatischen Professor, der nur auf die Anrede „Meister Teuwen“ reagiert. An den legendären Kölner Werkschulen leitete er die Abteilung für Kirchen- und Glasmalerei und war maßgeblich am Wiederaufbau kirchlicher Innenräume und der Notverglasung zahlreicher zerstörter Kirchenfenster in der Stadt beteiligt.

Er widmete sich aber auch der Malerei und dem Holzschnitt, stets in seinem eigenen Stil, mäandernd zwischen Formenstrenge und Sinnlichkeit. 1957 erhielt Teuwen den prestigeträchtigen Auftrag, das große Nordfenster im Kölner Dom zu gestalten, und arbeitete zehn Jahre bis zu seinem Tod an dem monumentalen Projekt, das schließlich einer seiner Schüler, Hubert Schaffmeister, vollendete.

Das Erbe des Teuwen-Kreises

Das Verhältnis der Studierenden zu ihrem Professor sei eng gewesen, schildert Stiftungsmitglied Christian Kaldenhoff. Man diskutierte Wettbewerbe, gerne in einem Weinlokal, besuchte gemeinsam Ausstellungen, beschwingt von einem „Wir-Gefühl“. Nun ist der Teuwen-Kreis mit seinen Werken in den Räumen an der Goebenstraße wieder vereint, auf Initiative der Künstler-Kinder. Sie trafen sich auf Beerdigungen, als in den Jahren 2021 bis 2023 zahlreiche Teuwen-Schüler und -Schülerinnen verstarben: Roswit und Klaus Balke, Helma Rexhausen, die Witwe von Robert Rexhausen, Ulla Kaldenhoff, Witwe von Helmut Kaldenhoff. Die Künstlerehepaare hatten sich einst an den Kölner Werkschulen kennengelernt – und so das Problem ihrer Erben verdoppelt: den riesigen Nachlass aus Gemälden und Werken.

Die Stiftung Werkkunst der Erben eröffnet eigenen Ausstellungsort

Ihre Nachkommen waren der Meinung, er habe Aufmerksamkeit verdient, und gründeten die Stiftung Werkkunst und fanden einen Ausstellungsort: wunderschöne, lichte Altbauräume an der Goebenstraße. Dort sind die Kunstwerke der Teuwen-Schüler nun vereint. Die grafischen Arbeiten von Ulla Kaldenhoff schmücken eine ganze Wand. Skulpturen, Zeichnungen und Gemälde von Klaus Balke thematisieren eher Politisches: „Venezuela 1962“ steht auf dem Sockel einer Skulptur, die eine Frau zeigt, die einen sterbenden Soldaten fest umgriffen hält, der sich an sie klammert. Leid ist in manchen Nachkriegswerken spürbar. Es gibt aber auch viel Lichtes, Sinnliches: Aquarelle von Roswit Balke zeigen südfranzösische Landschaften. Pastellige Stillleben und Porträts von Helmut Kaldenhoff strahlen Ruhe und Klarheit aus. Eindrucksvoll form- und farbschön gestaltet sind die gewebten Wandteppiche von Karin Schaffmeister.

Alle Werke vereinen künstlerisches Schaffen mit handwerklichem Können, so wie es an den Kölner Werkschulen gelehrt wurde. Ihre Professoren und Schüler haben Spuren in der ganzen Stadt hinterlassen, Kirchenfenster und Skulpturen, beispielsweise am Kölner Dom. Die Stiftungsmitglieder möchten künftig Exkursionen zu den Hinterlassenschaften veranstalten. Und selbstverständlich sollen weitere Ausstellungen an dem neu dafür geschaffenen Ort folgen.


Die Ausstellung ist bis Sonntag, 12. April, zu sehen. Öffnungszeiten: Mittwoch, Donnerstag und Freitag von 15 bis 18 Uhr, Samstag und Sonntag 12–17 Uhr, Karfreitag geschlossen, Ostersonntag 15 bis 18 Uhr. www.werkkunst-koeln.de