Das Baudezernat hat es nicht für nötig gehalten, die Politik aktiv über die Verdreifachung der Baukosten zu informieren, sagt unser Autor.
Beton statt KulturStadt Köln setzt am Ebertplatz das völlig falsche Signal


Abgänge wurden am Ebertplatz mit Betondeckeln verschlossen.
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Der Ebertplatz hatte vor einigen Jahren bundesweite Aufmerksamkeit auf sich gezogen – im negativen Sinne, als Drogenhotspot. Dazu hatten auch zwei gewalttätige Konflikte beigetragen, bei denen zwei junge Männer ihr Leben verloren. Die Probleme sind zwar bei weitem noch nicht gelöst, das Kulturprogramm und der Gastronomiebetrieb vor Ort haben die Situation aber zumindest stabilisiert.
Verlagerung der Drogenszene
Auf einer Liste der problemreichsten Orte in Köln steht der Ebertplatz nicht mehr auf den vorderen Rängen. Genau deshalb lässt es sich nicht nachvollziehen, dass die Stadt Köln nun ausgerechnet an dem erfolgreichen Platzprogramm sparen will.
Hinzu kommt, dass es derzeit deutliche Verdrängungseffekte vom Drogenhotspot Neumarkt gibt, weil die Polizei dort rigoros gegen Dealer vorgeht. Die Szene verlagert sich auf die Bereiche entlang der Ringe: Rudolfplatz, Friesenplatz, Hansaring, Ebertplatz. Es könnte also kaum einen ungünstigeren Zeitpunkt geben, die Bemühungen am Ebertplatz zu halbieren.
Dass gleichzeitig auch noch herauskommt, dass das Zubetonieren der sechs Abgänge von der Straße zum Platz dreimal so viel kostet wie geplant, könnte kein schlechteres Zeichen senden. Beton statt Kultur – das klingt zu Recht nicht gut und angesichts der aktuellen Lage geradezu weltfremd. Ja, das Zubetonieren sollte dunkle Ecken beseitigen und so die Sicherheit am Ebertplatz erhöhen.
Berechtige Verärgerung der Politik
Doch hätte die Politik das auch so entschieden, wenn von vorneherein klar gewesen wäre, dass die Aktion mehr als eine halbe Million Euro kostet? Wohl kaum. Das lässt sich in Zeiten einer klammen Stadtkasse auch nicht vermitteln – zumal dann nicht, wenn gleichzeitig am selben Ort in einem anderen Bereich radikal gespart wird.
Jenseits davon sorgt die Stadtverwaltung ein weiteres Mal für berechtigte Verärgerung in Reihen der Politik. Das Baudezernat hat es nicht für nötig gehalten, die Politik aktiv über die Verdreifachung der Baukosten zu informieren. Erst durch eine Anfrage der Ratsgruppe Die Partei hat die Verwaltung darüber Auskunft gegeben. Der richtige Weg wäre es aber ganz eindeutig gewesen, der Politik die Kostenverteuerung mitzuteilen, bevor die Stadtverwaltung den Auftrag an das Bauunternehmen vergeben hat. Und nicht erst hinterher, auf Nachfrage, wenn es ohnehin schon zu spät ist, um noch zu reagieren.
Das alles spielt sich ab vor dem ohnehin traurigen Hintergrund, dass der Ebertplatz eigentlich schon seit zwei Jahrzehnten neu gestaltet werden soll, tatsächlich aber seit zwei Jahrzehnten absolut nichts in dieser Richtung geschieht. Inzwischen verweist das Baudezernat auf einen möglichen Baubeginn im Jahr 2030 – daran glaubt allerdings wohl wirklich niemand mehr. Zu oft hat die Stadt Köln in der Vergangenheit Bürger und Politiker vertröstet.
Statt also am Ebertplatz einen Neuanfang zu wagen, betoniert das Baudezernat lieber ein weiteres Stück des ewigen Provisoriums. Und es gibt dafür Geld aus, das Köln für eine Neugestaltung hätte gut gebrauchen können.

