Das Café Toré an der Neusser Straße hat geschlossen, weil ihm der Mietvertrag gekündigt wurde. Zuvor hatte die Inhaber-Familie in den Laden investiert.
Beliebtes Café„Toré“ im Agnesviertel ist geschlossen – Räumung steht bevor

Seit kurz nach Jahresbeginn ist das Café Toré an der Ecke Neusser Straße / Balthasarstraße geschlossen. Noch steht das Mobiliar in den Räumlichkeiten.
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Das Ende ihres Cafés an der Neusser Straße 41 nimmt die beiden Schwestern Kumru und Nure Celebi nach wie vor mit – und viele Menschen im Agnesveedel, die regelmäßig hingingen, sind traurig. „Jede kleine Ecke in dem Laden hatte eine Geschichte“, berichtet Kumru Celebi. „Wir sind super gut im Viertel angekommen und waren von Anfang an als Familienbetrieb willkommen“, ergänzt ihre Schwester Nure. „Nicht nur unser Geld, sondern auch unsere Seelen stecken in dem Laden. Es war ein sehr beliebtes Café mit viel Stammkundschaft. Außerdem hatten wir ein Veranstaltungs- und Kulturprogramm sowie Ausstellungen bei uns.“
Wegen Differenzen mit den Vermietern hat das Café Toré im Agnesviertel, an der Ecke Neusser Straße/Balthasarstraße, mit dem letzten Betriebstag am 8. Januar geschlossen. Bis zum 10. Mai muss das Ladenlokal geräumt sein. Eröffnet hatte das Café 2018, im Jahr 2025 erweiterte es sich um das Nachbarlokal. Neben der Zahlung von 120.000 Euro Ablöse an den vorigen Inhaber machten sich die Geschwister Celebi nach eigenen Angaben an eine umfassende, sechs Monate lang andauernde Kernsanierung der Räumlichkeiten, unter anderem mit einer Renovierung der Wände und Decken sowie Arbeiten an der Elektrik und Technik. „Wir hatten langfristig mit dem Laden geplant“, betont Kumru Celebi.
Im Zweitstandort in Köln-Mülheim geht es weiter
Umso überraschender sei für die beiden die Kündigung gekommen. Seitdem hätten die beiden der Hausverwaltung, die im Auftrag der Vermieterin aus Nürnberg handelt, mehrere Nachmieter-Parteien angeboten, um den finanziellen Schaden zu begrenzen; alle seien jedoch abgelehnt worden. „Ich will einfach fair behandelt werden“, unterstreicht Kumru. Durch die Schließung verloren sechs Beschäftigte ihre Arbeit; zwei davon konnten sie jedoch eine Weiterbeschäftigung an ihrem Zweitstandort bieten, im Erdgeschoss des „Kulturbunker“ an der Berliner Straße 20 in Mülheim, den die Celebis 2021 eröffnet hatten – im Nachhinein erweist sich die zweite Dependance für sie als kleines Glück im Unglück.
Die dortigen Räumlichkeiten sind großzügig. Neben den Innenräumen mit hohen Decken gibt es eine große Terrasse und sogar eine Bühne für Kulturprogramm. Wie zuvor im Agnesviertel, bietet das Café Toré eine umfangreiche Frühstückskarte sowie eine kurdisch-mediterran inspirierte Küche – unter anderem mit diversen Sandwiches, Tapas und kurdischen Hauptgerichten sowie Salaten. Hinzu kommen Sonderaktionen wie der Aperol-Donnerstag, der „Tintoré“-Mittwoch mit dem spanischen Trendgetränk „Tinto de Verano“ plus freiem Tapas-Gericht oder die kürzliche Teilnahme an der „Mülheimer Nacht“. Dennoch schmerzt der ideelle und finanzielle Verlust des Standorts im Agnesviertel sehr.
Verwaltung weist Vorwürfe zurück
Die Hausverwaltung tritt der Schilderung der beiden früheren Inhaberinnen vehement entgegen. „Die Mietverträge für beide Cafés wurden fristlos wegen Zahlungsverzugs gekündigt“, heißt es. Für die benachbarten Lokaleinheiten habe ein Mietrückstand im hohen fünfstelligen Bereich bestanden, zudem seien ebenfalls fünfstellige Gerichts- und Anwaltskosten aufgelaufen.
Man habe die Kündigung erst ausgesprochen, nachdem sämtliche Mahnungen seitens der Mieter ignoriert worden seien. Zudem seien die Räumungstermine durch die Gerichtsvollzieherin angekündigt worden; die Schließung sei also keinesfalls unerwartet oder überraschend gewesen. Angesichts des weiterhin bestehenden Zahlungsrückstandes, laut Verwaltung mehr als 40.000 Euro, sei die Vermieterin zu keinen weiteren Verhandlungen mehr bereit und wolle auch den Nachmieter selbst auswählen.
Wie Nure Celebi betont, sei man nach wie vor an einer friedlichen Lösung interessiert und sei zu einem Ausgleich der offenen Beträge sowie Gesprächen bereit. Man könne nicht ausschließen, dass es die eine oder andere Termin-Versäumnis gegeben habe; dagegen stände jedoch der hohe Aufwand, den man selbst betrieben habe. „Uns wäre es am liebsten, die Läden zurückzubekommen.“
