Chor-KonzertJeder Mensch ist ein (Mit-)Sänger

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Der vor fünf Jahren gegründete bundesweite „Singen-wie-im-Himmel Chor“ gastierte in der Thomaskirche.

Der vor fünf Jahren gegründete bundesweite „Singen-wie-im-Himmel Chor“ gastierte in der Thomaskirche.

Innenstadt – Ob in der Kneipe, in der Philharmonie oder unter freiem Himmel, ob mit Kölsch oder Textblatt in der Hand: Mitsing-Konzerte haben Hochkonjunktur. Vereinigungen wie Loss mer singe, Bands wie De Familich oder Frau Höpker, die immer wieder zum Gesang bittet, treiben die Kölner Mitsingwelle voran. Mitsing-, Mitschunkel- und Spaßfaktor sind garantiert. Bei Dieter Wienand und seinem bundesweiten „Singen-wie-im-Himmel-Chor“ in der evangelischen Thomaskirche in der Lentstraße geht es jetzt ruhiger zu, spiritueller.

Flackernde Kerzen, Blumen und bunte Stoffe zieren den Boden im Altarraum. Dahinter der Chor mit 25 Sängerinnen und Sängern, im Alter von Ende 40 bis über 70. Bevor sich Wienand (55) der heilenden Kraft der Musik widmet und die rund 60 Konzertbesucher zum Mitsingen einlädt, lässt er sie im Stehen wippen. Von einem Bein aufs andere. Rechts, links, rechts und wieder links. Zum Einklang haucht er einen Liedtext ins Mikrofon. „Willkommen in diesem Tag, willkommen in diesem Raum, willkommen, willkommen, willkommen.“

Alle Menschen können singen

Der Chor nimmt mehrstimmig Fahrt auf. Der Klang der Besucherstimmen webt sich vorsichtig in den Sound ein. Zufriedenheit zeichnet sich auf den Gesichtern ab. Wienand, der sich selbst als Anstifter zum Singen bezeichnet, arbeitet ohne Noten und Textblätter, aber auch ohne Anspruch auf Leistung. Es ist unwichtig, ob jeder Ton stimmt. Einfache Melodien mit Wiederholungs-Charakter kennzeichnen das eineinhalbstündige, meditative Programm und den improvisierten Gesang mit Gästen. Für ein einheitliches Klangerlebnis reicht es allemal. Bei seinen Konzerten verschwimmen die Grenzen zwischen Publikum und Aufführenden, zwischen Zuhören und Teilnehmen. Wienand wirbt für seine Art zu musizieren: „Wir alle können singen“, sagt er. Es sei schade, wenn schon in der Schulzeit die Menschen in „Brummer“ und „Sänger“ aufgeteilt würden. Viele individuelle, musische und kreative Fähigkeiten könnten sich deshalb nicht entfalten.

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In der Thomaskirche umfasst das Programm neben mazedonischen Liebesliedern, südafrikanischen Chorälen und buddhistischen Mantren auch Chorsätze aus der griechischen Liturgie, gesungene Gebete und spirituelle Melodien schamanischen Ursprungs. Neben instrumentalen Zwischenspielen trug Wienand als Solist mit Gitarre oder Akkordeon vertonte Gedichte von Hermann Hesse und Rainer Maria Rilke vor.

Chor besteht seit fünf Jahren

Der Chor, der sich vor fünf Jahren zusammenfand und dessen Namen sich von dem schwedischen Musik-Filmdrama „Wie im Himmel“ ableitet, trifft sich an vier Wochenenden im Jahr zur Probe. Kristina Lahl (54), Mitsängerin aus Esslingen bei Stuttgart, ist ganz begeistert vom „großen Meister“ und dem gemeinsamen Singen, das für sie wie Balsam für Körper und Geist ist. Der spirituelle Rahmen und das behutsame Hineinführen in den Klang seien für sie interessante Erlebnisse gewesen, erzählt Lahl. Parallel zum bundesweiten „Singen-wie-im-Himmel-Chor“ hat sich in diesem Jahr zusätzlich ein „Kölner Chor“ mit 40 Sängerinnen und Sängern gebildet. Ob auch die Kölner Gruppe nach ihrem Auftritt händchenhaltend die Bühne verlassen wird, bleibt abzuwarten.

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