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Der Hut zum PferdIn der „Cappelleria“ finden Damen den Look für Ascot und Co

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Eine Frau steht auf einer Leiter, die vor einem großen Regal mit Hüten steht.

Seit über 30 Jahren fertigt Gisela Weinert in ihrer Cappelleria Hutkreationen, die ihre Kundinnen unter anderem beim Pferderennen in Ascot tragen.

Gisela und Gina Weinert liefern in der Mittelstraße das, was bei Pferderennen  auf Frauenköpfen eigentlich nicht fehlen darf: Hüte, die echte Hingucker sind.

Beim Stichwort Pferderennen denkt Gisela Weinert nicht automatisch an Weidenpesch. Das ist keine Köln-Ignoranz, sondern liegt daran, dass ihre Kundschaft viel längere Anreisen in Kauf nimmt, um an einem Galopp-Event teilzunehmen; wobei sich schwer sagen lässt, ob der Fokus dann in erster Linie bei den Pferden, den Jockeys, den Wetten oder den Kopfbedeckungen liegt.

Weinerts „Cappelleria“ als Hutladen zu bezeichnen, wäre so, als würde man den Kölner Dom schlicht eine Kirche nennen. Seit gut dreißig Jahren entstehen in dem Innenstadt-Geschäft buchstäblich Kreationen der Königsklasse. Während man im Kölner Hippodrom allenfalls beim Mehl-Mülhens-Rennen hier und da opulenten Kopfschmuck sichtet, wird man in England beim Royal Ascot „oben ohne“ gar nicht erst zugelassen.

Viele Strohhüte mit unterschiedlich farbigen Bändern sind zu sehen.

In der Mittelstraße 1 ist der Laden, der ein großes Sortiment an Hüten beherbergt.

Ganz so streng mit der Kleiderordnung ist man am Audi-Ascot-Renntag in Hannover oder in Iffezheim nicht. Aber auch dorthin fährt frau nicht zuletzt, um gesehen zu werden und am Hut-Spektakel zu partizipieren. Was man den spektakulären Gebilden nicht ansieht: ein Teil ist made in Cologne.

Gisela Weinert und die ihr zuarbeitenden Modistinnen aus New York, London oder München haben die Renn-Ereignisse immer im Blick, da sie seit Jahrzehnten die Hingucker für Ascot und andere Turfs entwerfen und anfertigen. Ihre Kreationen sind weniger Hüte als skulpturale Kunstwerke, federleichte architektonische Statements –farblich perfekt auf die übrige Garderobe abgestimmt.

Kundinnen bringen Handtasche und Schuhe mit

Die Kundinnen bringen in der Regel das entsprechende Kleid mit, „oft auch den Schuh und die Handtasche“, um mit der Kopfbedeckung schließlich die Krönung des Outfits zu feiern.

Für die Cappelleria bedeuten die Monate April bis Oktober nicht allein wegen der Renn-Saison besonders viel Arbeit, sondern auch, weil in dieser Jahreszeit am liebsten geheiratet wird. Allerdings sind dann völlig andere Kreationen gefragt. Hier gilt oft: weniger ist mehr, da die Braut beziehungsweise die weiblichen Hochzeitsgäste sich anders als Melania Trump bei der Inauguration des Gatten nicht unter breiten Hutkrempen verbergen, sondern auch Gesicht zeigen möchten.

Fascinator sind Schmuckstücke für den Kopf aus federleichter Crinoline

Wenn klein aber kunstvoll gewünscht ist, ist Gisela Weinert ganz in ihrem Element. Zusammen mit ihrer Tochter Gina zaubert die studierte Kunsthistorikerin entzückende Schmuckstücke, die oft nur einen Teil des Kopfes bedecken. Nach einer lang anhaltenden Fascinator-Welle gehe der Trend inzwischen wieder mehr zum Hut, betont die 64-Jährige und zeigt, was man aus Federn oder federleichter Crinoline, einem netzartigen Gewebe, alles machen kann. Sie und Gina Weinert entwerfen und nähen nicht nur, sondern sie färben auch das Stroh für die Hüte selber.

Der Kauf eines Hutes sei oft eine langwierige und manchmal auch wortlose Angelegenheit. Ob das richtige Modell gefunden sei, erkenne sie oft daran, dass sich plötzlich ein Strahlen über das Gesicht der vorm Spiegel stehenden Kundin lege. Angesichts der vielen eleganten Einzelstücke in den Regalen der Cappelleria könnte man meinen, dass solch ein Geschäft eher in die Landeshauptstadt passt. „Ganz und gar nicht“, entgegnet Weinert lächelnd. „Die Kölner sind viel experimentierfreudiger als die Düsseldorfer und lassen sich eher auf Neues ein.“


Cappelleria, Mittelstraße 1, Innenstadt. Öffnungszeiten: Montags bis samstags von 10 bis 19 Uhr. Kein Ruhetag.