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Fall Pedro CoronaHandyvideo wirft neue Fragen zu eskaliertem Polizeieinsatz in Köln auf

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Pedro Corona trug nach einem Polizeieinsatz irreparable Hirnschäden davon. Das Foto zeigt den 30-Jährigen vor dem Vorfall.

Pedro Corona trug nach einem Polizeieinsatz irreparable Hirnschäden davon. Das Foto zeigt den 30-Jährigen vor dem Vorfall.

Angehörige haben das Video auf dem Handy des 30-Jährigen entdeckt. Seit dem Polizeieinsatz ist Pedro Corona schwerstbehindert.

Ein neu veröffentlichtes Handyvideo wirft erneut Fragen zum eskalierten Polizeieinsatz am 8. April auf, bei dem Pedro Corona irreparable Hirnschäden davontrug. Coronas Anwalt Simon Barrera Gonzalez hat die Aufnahme auf Instagram veröffentlicht. Die Staatsanwaltschaft Köln kündigte an, das Material in ihre laufenden Prüfungen zu dem Fall einzubeziehen. Ein Ermittlungsverfahren gegen die eingesetzten Einsatzkräfte wurde bisher nicht eingeleitet.

In dem Video ist zu sehen, wie Corona mit Polizisten und einer Sanitäterin spricht, die vor seiner Tür stehen. Der 30-Jährige fragt in einem sichtlich nervösen, aber ruhigen Ton: „Warum soll ich rauskommen? Warum muss ich aufmachen? Können Sie mir bitte antworten, bevor Sie Gewalt anwenden?“ Einer der Polizisten klebt dann von außen den Türspion zu. Corona öffnet die Tür darauf selbst.

Unmittelbar darauf betritt der Polizist die Wohnung und geht dem Eindruck der Aufnahme nach direkt auf Corona zu; sinngemäß fordert er ihn auf, mitzukommen, er versucht, den 30-Jährigen am Arm zu greifen. Corona weicht zurück, ruft „Hilfe! Gewalt!“ Dann bricht die Aufnahme ab. Was in der Wohnung danach passiert, ist nicht zu sehen.

Pedro Coronas Video widerspricht der Darstellung der Polizisten

Nach Teilen der Vernehmungsprotokolle, die dieser Redaktion vorliegen, gaben die eingesetzten Polizisten an, sie hätten Corona bereits beim Öffnen der Tür den Grund ihres Erscheinens erläutert. Im Video ist ein solcher Austausch nicht zu erkennen.

Der Einsatz eskalierte kurz danach dramatisch. Laut Vorermittlungsakten und Entlassungsbrief der Universitätsklinik kamen zu den anfangs zwei Beamten sechs weitere hinzu. Die Polizisten fixierten Corona in Bauchlage und zogen ihm zwei Spuckmasken über. Die Notärztin verabreichte offenbar das Beruhigungsmittel Midazolam über die Nase. Anschließend erlitt Corona einen 23 Minuten andauernden Herzstillstand. Nach Einschätzung der Ärzte wurde dieser vermutlich durch einen Sauerstoffmangel während der Fixierung hervorgerufen.

Nach einem Polizeieinsatz in Köln-Deutz, bei dem ein 30-Jähriger Anfang April das Bewusstsein verlor und reanimiert werden musste, erhebt der Anwalt des Mannes schwere Vorwürfe gegen die Polizei.

Nach einem Polizeieinsatz in Köln-Deutz, bei dem ein 30-Jähriger Anfang April das Bewusstsein verlor und reanimiert werden musste, erhebt der Anwalt des Mannes schwere Vorwürfe gegen die Polizei.

Coronas Anwalt kritisiert diese Kombination aus Fixierung in Bauchlage, Sedierung und mehreren Spuckhauben als „höchst fahrlässig“ und sieht darin Grund genug für ein Ermittlungsverfahren. Dass dies bisher nicht eingeleitet wurde, nennt er einen „Skandal“. Gonzalez konnte nach eigenen Angaben nun auch selbst die Bodycam-Aufnahmen einsehen und kritisiert die Haltung der Polizisten scharf. Diese hätten sich über Corona lustig gemacht, ihn außerdem beleidigt.

Staatsanwaltschaft will das Video jetzt prüfen

Die Staatsanwaltschaft beschreibt den Fall anders: Corona habe sich in einer psychischen Notsituation befunden und sollte in eine Klinik eingewiesen werden. Gegenüber anwesenden Freunden habe er aggressiv reagiert und sei in der Vergangenheit wegen einer Psychose behandelt worden. Corona habe sich „mit Händen und Füßen“ gegen die Aufnahme gewehrt, die Beamten geschlagen, getreten und gespuckt sowie eine Beamtin gebissen.

Mit Unterstützung der zusätzlichen Polizisten sei es gelungen, Corona zu fixieren und zum Rettungswagen zu tragen. Bodycam-Aufnahmen zeigen dem Sprecher der Staatsanwaltschaft zufolge, dass Beamte Corona währenddessen durchgehend fragten, ob er frei atmen könne. Auch nach dem Transport blieb Corona bei Bewusstsein und wurde befragt. Als sich sein Zustand plötzlich verschlechterte und er auffallend ruhig wurde, erkannte die Notärztin die Situation und veranlasste eine Reanimation.

Ein Sprecher der Staatsanwaltschaft betont nun, das Video sei bisher nicht bekannt gewesen. Der Anwalt habe vor der Veröffentlichung keinen Kontakt mit der Behörde aufgenommen. Die Staatsanwaltschaft prüfe das Video, genauso wie „sämtliche öffentlich bekannt gewordene Tatsachenbehauptungen“, und werde sich „umfassend um Aufklärung bemühen“. Dabei habe man nach wie vor „auch die entscheidende Frage im Blick, ob die Fixierung von Herrn C., deren Art und Weise und weitere in diesem Zusammenhang getroffene Maßnahmen der Polizeibeamten rechtens und verhältnismäßig waren“. Diese Prüfung dauere an.