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Fall Pedro CoronaStaatsanwaltschaft prüft Polizeieinsatz in Köln-Deutz neu

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Nach einem Polizeieinsatz in Köln-Deutz liegt ein 30-Jähriger im Koma. Nun wird der Fall erneut geprüft.

Nach einem Polizeieinsatz in Köln-Deutz liegt ein 30-Jähriger im Koma. Nun wird der Fall erneut geprüft. 

Der Einsatz in Deutz endete für Pedro Corona dramatisch. Ein Entlassungsbrief der Uniklinik und ein Medienbericht bringen neue Details ans Licht. Nun prüft die Staatsanwaltschaft erneut.

Die Kölner Staatsanwaltschaft beschäftigt sich erneut mit einem folgenschweren Polizeieinsatz in Deutz im April. Das bestätigte Oberstaatsanwalt Ulrich Bremer dieser Redaktion. Zuvor hatte der WDR berichtet. Bei dem Einsatz in seiner Wohnung am 8. April verlor der 30-jährige Pedro Corona das Bewusstsein und musste reanimiert werden. Seitdem liegt der 30-Jährige im Koma. Sein Anwalt, Simon Barrera Gonzalez, sprach von einem Fall „schwerster Polizeigewalt“ und forderte „rechtsstaatliche, objektive Ermittlungen“ gegen die eingesetzten Beamten. Die Kölner Staatsanwaltschaft sah nach Vorermittlungen durch das Polizeipräsidium Bonn zunächst keine Anhaltspunkte für ein Fehlverhalten der Polizisten.

„Aufgrund neuer Veröffentlichungen, etwa des Entlassungsbriefes der Uniklinik, wird noch einmal geprüft, ob insbesondere der Fixierungsvorgang ordnungsgemäß verlaufen ist“, sagt Oberstaatsanwalt Ulrich Bremer nun. Dabei handelt es sich aber erneut nur um eine Prüfung, die darüber entscheiden soll, ob Ermittlungen gegen die eingesetzten Beamten aufgenommen werden. Der Entlassungsbrief habe der Staatsanwaltschaft bisher wegen der ärztlichen Schweigepflicht nicht vorgelegt, so Bremer.

Staatsanwaltschaft Köln sah zunächst keine Anhaltspunkte für Ermittlungen

Bei dem Einsatz am 8. April rief der Notarzt die Polizei zur Hilfe, weil Corona sich in einer psychischen Notsituation befand und in eine Klinik eingewiesen werden sollte. Dann eskalierte die Situation. Wie Bremer Ende April mitteilte, soll Corona auch gegenüber anwesenden Freunden aggressiv reagiert haben. Schon in der Vergangenheit soll er wegen einer Psychose behandelt worden sein. Corona soll sich laut Bremer „mit Händen und Füßen“ dagegen gewehrt haben, ins Krankenhaus gebracht zu werden. „Er schlug und trat in Richtung der zunächst eingetroffenen zwei Polizeibeamten, spuckte Blut und biss einer Beamtin in den Arm, die später im Krankenhaus auch auf übertragbare Erkrankungen untersucht werden musste“, sagte Bremer.

Insgesamt seien dann sechs weitere Beamte hinzugekommen. Schließlich sei es gelungen, den Mann zu „bändigen“, zu fixieren und auf einem Rettungstuch aus dem Haus zu tragen. „Vor dem Haus, nun auf einer Trage liegend, wurde er unversehens reanimationspflichtig“, so Bremer. Daraufhin habe die Notärztin sofort Rettungsmaßnahmen eingeleitet. Anhörungen der eingesetzten Polizisten und Rettungskräfte sowie Aufzeichnungen von Bodycams hätten keine „konkreten Anhaltspunkte für eine übermäßige, rechtswidrige Polizeigewalt“ ergeben, so Bremer damals.

Anwalt Gonzales hat erhebliche Zweifel an dieser Darstellung. Genauso wie Freunde und Unterstützer, die die Initiative „Justice for Pedro“ gründeten und auf Instagram Auszüge aus dem Entlassungsbrief veröffentlichten.

Corona sei laut Aussagen der anwesenden Freunde 90 Minuten alleine mit den Beamten in seiner Wohnung gewesen und habe dort um Hilfe gerufen. Daraufhin sei er „fast unbekleidet, gefesselt und mit einer Spuckmaske vor dem Gesicht“ aus der Wohnung getragen worden und bereits „blau angelaufen“ gewesen – also mit erkennbaren Anzeichen von Sauerstoffmangel, wie er im April sagte.

Wie aus den Vorermittlungsakten hervorgeht, die dieser Redaktion in Auszügen vorliegen, fixierten die Polizisten Corona in Bauchlage und zogen ihm sogar eine zweite Spuckmaske über, nachdem die erste offenbar defekt war und Corona nicht aufhörte, um sich zu spucken. Aus dem Entlassungsbrief der Uniklinik, dessen Auszüge diese Redaktion ebenfalls einsehen konnte, geht außerdem hervor, dass die Notärztin ihm in dieser Situation das Beruhigungsmittel Midazolam über die Nase verabreicht haben soll. Corona erlitt einen Herzstillstand, der 23 Minuten andauerte. Nach Einschätzung der Ärzte wurde dieser vermutlich durch einen Sauerstoffmangel während der Fixierungsmaßnahmen hervorgerufen. Seitdem liegt Corona im Koma und befindet sich mittlerweile in einem Krankenhaus im Kölner Umland. Ob er je wieder aufwacht, ist ungewiss.

Aus Sicht des Anwalts Gonzales war diese Kombination aus Fixierung in Bauchlage, Verabreichung von Beruhigungsmitteln und mehreren Spuckhauben „höchst fahrlässig und mehr als Grund genug, ein Ermittlungsverfahren einzuleiten.“ Dass dies bisher noch immer nicht geschehen ist, ist für Gonzales ein „Skandal“.