Kölner NeubauprojektAusblick auf die Stadt für alle – Deutzer Hafen könnte Highlight bieten

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Der Blick von den Mühlengebäuden im Deutzer Hafen auf das Stadtpanorama ist spektakulär. Man sieht in Richtung Dom über die Severinsbrücke.

Jeder soll nach Fertigstellung der Sanierung den Blick auf die Stadt vom Dach der Mühlengebäude erleben können.

Es ist viel Geduld gefragt, bis der Deutzer Hafen ein neues Wohn- und Büroviertel wird. Der Geschäftsführer des Projekts macht Hoffnung auf zwei Glanzpunkte.

Mindestens 33 Millionen Euro müssen Interessenten mitbringen, die das erste Grundstück am früher industriell genutzten Deutzer Hafen neu bebauen wollen. Im Interview bei „ekonomy mit K“, dem Wirtschaftspodcast des „Kölner Stadt-Anzeiger“, berichtet Andreas Röhrig, Geschäftsführer der Entwicklungsgesellschaft „Moderne Stadt“, wie er das Baufeld für ein Bürogebäude am Ende des Hafenbeckens trotz Krise der Immobilienwirtschaft losschlagen möchte. Ab dem 4. Oktober stehen die Verkaufsunterlagen für Interessenten bereit – mit dem Start der großen Immobilienmesse Expo Real in München.

Das gesamte Areal rund um das nicht mehr genutzte Kölner Hafenbecken unterhalb der Deutzer Drehbrücke soll in den kommenden Jahren zu einem Gebiet mit Wohnungen, Büros, Schule, Schwimmbad und Kultureinrichtungen umgebaut werden. Bis zur Fertigstellung aller Baufelder auf fast 38 Hektar Fläche dauert es bis weit in die 2030er-Jahre hinein. Das Gelände wird dominiert von den ehemaligen Mühlengebäuden – der weißen und der roten Mühle – die in ihrer Gestalt erhalten bleiben werden.

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Die prominente Lage am Wasser zwischen Severinsbrücke und Südbrücke, direkt hinter den Poller Wiesen, macht den Deutzer Hafen zu einem außergewöhnlichen Erneuerungsprojekt. Viele Neubauvorhaben an anderen Orten seien derzeit „in Klammern gesetzt“, sagt Röhrig. Aber er rechne fest mit Interessenten, da es bei dem zu verkaufenden Grundstück in drei bis fünf Jahren „in die Baurealisierung gehe“. Vor allem spreche der Trend zu nachhaltigeren Immobilien für das Vorhaben sowie natürlich die Lage.

Das Pilotprojekt soll ein Bürogebäude mit 31.000 Quadratmetern Fläche werden mit „belebten Erdgeschossen“. Von dort habe man auch Domblick sowie den Blick über das gesamte Hafenbecken. Für die Fortentwicklung des Hafens ist der Bau auch deshalb wichtig, weil er als Schallschutz zwischen dem Güterzugverkehr auf der Südbrücke und den weiteren Bauprojekten in Deutz wirkt.

Röhrig: „Mehrere große Stifter können sich den Deutzer Hafen als Ausstellungsraum vorstellen“

Für ein anderes Grundstück macht Röhrig im Interview Hoffnung auf ein ganz besonderes Bauwerk. „Es gibt mehrere große Stifter, die Sammlungen beherbergen, die können sich den Deutzer Hafen als Ausstellungsraum vorstellen.“ Für ein mögliches Museum gebe es etwa ein Baufeld, „das wir erst ganz zum Schluss herausgeben, weil es so prägnant vor den Mühlen liegt. Eine prägnante Kulturnutzung kann dort bedeutsam platziert werden.“

Am anderen Rheinufer, bei der Neubebauung des Rheinauhafens, hatte das Schokoladenmuseum das prominenteste Grundstück an der Spitze erhalten. Röhrig macht Hoffnung auf eine ähnlich auffallende Attraktion im Deutzer Hafen.

Blick vom Dach der Mühlen in Richtung Dom

Ein weiteres touristisches Highlight könnte sich auf dem Dach der Mühlengebäude ergeben. Von dort bietet sich ein überwältigender Blick über die gesamte Stadt. „Wofür wir uns sehr einsetzen ist, dass dauerhaft eine Zugänglichkeit der oberen Etagen für die Öffentlichkeit gesichert wird“, sagt Röhrig. „Damit jeder Kölner oder jeder Besucher von Köln den Blick erleben kann.“

Bevor die Visionen Realität werden, stehen aber viele Jahre dauernde Vorbereitungsarbeiten an. Weitgehend abgeschlossen sind die Abrissarbeiten kleinerer Gebäude, die an die Mühlen angrenzten. Der nächste Schritt im Frühjahr ist der Bau von ersten Abwasserkanälen, bevor später erste neue Straßen angelegt werden.

Die Kosten für die Erschließung trägt die Stadt und geht damit in Vorleistung. Der Verkauf der städtischen Grundstücke auf dem Gelände soll die Kosten zu einem Großteil wieder einspielen. Doch es fallen weitere Kosten an – etwa für den Bau einer geplanten Schule.

Unter dem Strich könnte die Stadt so fast bis zu 150 Millionen Euro Verlust ausweisen, hatte sie zuletzt angekündigt. Demgegenüber stehen aber auch Einnahmen aus Steuerzahlungen der künftigen fast 7000 Bewohner und der Unternehmen, die dort fast 7000 Arbeitsplätze schaffen könnten, sagt Röhrig.

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