Auf der Tempelstraße erinnert eine Einrichtung an lokale NS-Regimekritiker und informiert über die Verlegung von Stolpersteinen.
Erinnerung an NS-OpferBürgerzentrum Deutz veranstaltet Infoabend zu Stolpersteinen

Bürgerzentrumsleiter Tobias Kempf hofft auf reges Interesse an der Info- und Gedenkveranstaltung in der städtischen Einrichtung.
Copyright: Thomas Dahl
Einen Augenblick aus dem vertrauten Rhythmus geraten, vielleicht innehalten und Buchstaben sowie Zahlen auf dem Boden entziffern, die zur Menschlichkeit werden – Stolpersteine erinnern an die Opfer des Nationalsozialismus und prägen mittlerweile europaweit das Bild der Städte. Oftmals bleiben jedoch Fragen über jene Persönlichkeiten offen, erklärt sich nicht die Verfahrensweise zur Verlegung der messingbeschlagenen Quader. Antworten zur Thematik möchten die Veranstalter des ersten Info- und Gedenkabends „Stolpersteine in Deutz“ am 11. September im Bürgerzentrum Deutz geben.
So wird unter anderem Ulla Stuckmann von der Umsetzung ihrer Idee, anstelle eines Geschenkes zum 74. Geburtstag, Spendengelder für die Verlegung eines Steines zum Gedenken an ihren Großvater, den Übersetzer und Journalisten Richard Feldmann (1884–1972), zu sammeln.
Stolperstein für NS-Überlebenden verlegt
„Ich wusste nicht, wie man solch eine Aktion beantragt oder wie teuer das ist. Außerdem war mir nicht klar, ob das auch für Menschen möglich ist, die die Naziherrschaft überlebt haben“, erinnert sich die ehemalige Mitarbeiterin des Deutzer Bürgerzentrums. Der Stein wurde am 24. Juni dieses Jahres vor Feldmanns Wohnhaus auf der Tempelstraße 28 eingebettet (wir berichteten).
Aus den Geburtstagsgeldern in Höhe von rund 500 Euro finanziert Stuckmann nun drei weitere Objekte, die vor dem Gymnasium Schaurtestraße an ehemalige Schüler erinnern. „Wir möchten mit der Veranstaltung ein Zeichen gegen das Vergessen setzen und dazu ermutigen, sich für Demokratie und Freiheit einzusetzen“, erklärt die Rentnerin.
Bürgerzentrumsleiter Tobias Kempf hofft, dass sich eine Fortsetzung der Treffen am Ort entwickelt, um den Zusammenhalt im Stadtteil zu stärken. Zu den Gästen des rund 90-minütigen Termins gehören Ibrahim Basalamah vom NS-Dokumentationszentrum Köln sowie der Pädagoge Thomas Kahl und Schülerin Anne Servos, die über ihre biografischen Arbeiten am Gymnasium Schaurtestraße informieren.
An der Bildungseinrichtung wurden in den vergangenen Jahren 13 Steine für die Opfer von Verfolgungen, Folterungen und Ermordungen in den Boden gelassen. Die Agenda wird durch musikalische Beiträge von Fabian Berghofer (Gitarre, Bass) und Verena Guido (Gesang, Geige, Mandoline, Gitarre) ergänzt.
„Stolpersteine in Deutz“, Freitag, 11. September, 18 Uhr, Bürgerzentrum Deutz, Großer Saal, 1. Etage, Tempelstraße 41–43, 50679 Köln, Eintritt frei, www.buergerzentrum-deutz.de, www.stolpersteine.eu

