Das Forum „Unternehmen engagiert in Köln“ macht mit einer Stolpersteinverlegung in der Südstadt gesellschaftliches Engagement sichtbar.
Engagement für DemokratieStolpersteine in der Kölner Südstadt erinnern an das Ehepaar Lindemann

Torsten Burmester, Ulrich Voigt und das gesamte Forum „Unternehmen engagiert in Köln“ wollen mit den neuen Stolpersteinen an das jüdische Ehepaar Lindemann, das 1942 von den Nazis ermordet wurde, erinnern.
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Zwei neue Stolpersteine vor dem Haus am Karolingerring 27 erinnern seit Anfang Juli an Adolf und Jenny Lindemann. Das jüdische Ehepaar lebte dort bis zur Deportation im Jahr 1942. Vier Tage nach ihrer Verschleppung in die Vernichtungsstätte Maly Trostinec bei Minsk wurden beide dort am 24. Juli 1942 ermordet.
Die Stolpersteinverlegung war Teil der Aktionswoche des Forums „Unternehmen engagiert in Köln“. Der 2023 unter Federführung der Stadt gegründete Zusammenschluss umfasst inzwischen 35 Unternehmen. Sie engagieren sich unter anderem für Umweltbildung, Artenvielfalt und soziales Miteinander. Die Aktionswoche soll dieses Engagement sichtbar machen.
„Mit diesen Steinen kehren die Namen Jenny und Adolf Lindemann in unsere Stadt zurück“, sagte Oberbürgermeister Torsten Burmester bei der Stolpersteinverlegung. Der OB ist Schirmherr des Forums „Unternehmen engagiert in Köln“.
Die Patenschaft für die beiden Stolpersteine übernahm die Sparkasse Köln-Bonn. Vorstandsvorsitzender Ulrich Voigt verwies auf die historische Verantwortung seines Hauses. Im Zuge der Aufarbeitung des 200-jährigen Bestehens habe die Sparkasse mit großer Betroffenheit festgestellt, dass auch sie Teil des nationalsozialistischen Systems gewesen sei und Menschen ihre wirtschaftliche Existenz entzogen habe – darunter Adolf und Jenny Lindemann, die Kunden der Sparkasse waren.
Verantwortung für Vergangenheit und Gegenwart
„Wir wollen mit den Steinen erinnern. Erinnern heißt zurückblicken, aber auch Verantwortung übernehmen“, sagte Voigt. Das begangene Unrecht lasse sich nicht ungeschehen machen. „Aber wir können es sichtbar machen“, so Voigt. Nach bisherigen Recherchen der Sparkasse Köln-Bonn wurden 163 ehemalige Kunden Opfer nationalsozialistischen Unrechts – auch durch das Haus. Für sie sollen ebenfalls Stolpersteine in Köln und Bonn verlegt werden. „Es ist auch ein Appell, dass Antisemitismus und Rassismus nie wieder einen Platz bei uns haben dürfen“, betonte Voigt.
Im Anschluss an die Verlegung reinigten rund 120 Mitglieder des Forums weitere Stolpersteine im gesamten Stadtgebiet. Damit wollten die beteiligten Unternehmen nicht nur an die Opfer erinnern, sondern auch ein sichtbares Zeichen für Demokratie und gegen das Vergessen setzen.
Gegen Vereinsamung von Älteren
Ein weiterer Schwerpunkt der Aktionswoche war eine Seniorenolympiade. In acht Kölner Senioreneinrichtungen organisierten Mitglieder des Forums Bewegungs- und Denkspiele, um Begegnungen zu schaffen und der Einsamkeit älterer Menschen entgegenzuwirken.
„In der aktuellen Zeit wird es wichtiger denn je, Flagge und demokratische Haltung zu zeigen, auch aus unternehmerischer Sicht. Deshalb war es vielen Unternehmen ein Anliegen, dies über die Stolperstein-Aktion zu tun. Gleichzeitig wird es auch immer wichtiger, gegen die Vereinsamung älterer Menschen anzugehen. Auch wenn sie im Heim versorgt und in Gesellschaft Gleichaltriger leben, bedeutet das nicht, dass sie sich nicht einsam fühlen“, erläutert Sabine Geilenkirchen von der städtischen Kommunalstelle zur Förderung und Anerkennung Bürgerschaftlichen Engagements die Projektauswahl.

