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Sorge um Original„Der gelbe Mann“ in Köln-Sülz soll bleiben

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Ein Mann mit Brille sitzt neben einem Mann mit Prinz-Eisenherz-Frisur im weinroten T-Shirt. Der Mann mit Brille stützt einen aufgeklappten Bildband auf einem Tisch auf.

Eusebius Wirdeier und Bezirksbürgermeister Roland Schüler erläutern Paiers Werk und sein Leben mithilfe eines Fotobuchs.

Die Stadt Köln soll den „Gelben Mann“ von Klaus Paier sichern. Das Wandbild befindet sich an einem Betonpfeiler an der Luxemburger Straße.

Eine Hand ist geöffnet, als ob sie etwas in Empfang nimmt, die andere hängt herab, hat scheinbar etwas fallen gelassen. „Der gelbe Mann“, ein Street-Art-Gemälde von Klaus Paier, fällt wegen seiner Gestik auf – und wegen seiner Farbe. Dennoch übersehen viele Menschen das Kunstwerk auf dem Betonpfeiler neben der Wendeltreppe, die von der Luxemburger Straße hoch zu den Gerichtsgebäuden führt.

Hinter einem Bauzaun ist das Wandbild eines Gelben Mannes an einem Betonpfeiler zu sehen.

„Der gelbe Mann“ an der Luxemburger Straße ist die letzte erhaltene Original-Wandmalerei (1993) von Klaus Paier (1945–2009).

Aktuell ist es von Bauzäunen verdeckt, denn die Fußgängerbrücke, die oberhalb der Treppe über die breite Verkehrsachse führt, wurde abgerissen. Ein neuer Fußgängerüberweg wird sie ersetzen. Angesichts der Bauarbeiten vor Ort sorgt sich der Sülzer Fotograf Eusebius Wirdeier, dass städtische Mitarbeiter das Werk entfernen könnten. Schließlich haben sich im Laufe der Jahre einige Farbschmierereien dazu gesellt. Deshalb hat er die Politik eingespannt: Die Bezirksvertretung Lindenthal hat die Stadt Köln nun einstimmig beauftragt, das Gemälde zu sichern.

Paier wurde in Essen geboren, machte eine Lehre bei Thyssenkrupp

Wirdeier hat Paier bei seiner Arbeit fotografisch begleitet, kennt seine Werke und die Orte, an denen sie zu finden sind. „‚Der gelbe Mann‘ ist eines der beiden letzten seiner noch existierenden Gemälde in der Stadt“, schildert er. „Die meisten sind mit der Zeit verschwunden durch Verwitterung oder weil Häuser saniert und die Wände übermalt wurden.“ Paier lebte und arbeitete bis zu seinem  Tod im Jahr 2009 in Köln. Geboren wurde der Street-Art-Künstler 1945 in Essen. Nach einer Schlosser-Lehre bei Thyssenkrupp absolvierte Paier noch das Abitur und studierte ab 1976 Physik an der RWTH Aachen.

Auf einer Hauswand sind zahlreiche Wandbilder, aber auch lieblose Farbschmierereien hinterlassen worden.

An dem Bunker in der Elsaßstraße prangt noch Paiers Wandbild „Schlacht in der Elsaßstraße, 3. März 1933“.

Das gewachsene Verständnis für Kernenergie weckte in der Zeit der Anti-Atomkraft-Bewegung seinen kritischen Geist. Er suchte sich mit Bildern ein Ventil, zunächst auf Wänden in der Aachener Innenstadt. Paier zog nachts los, nicht mit Sprühdosen, sondern mit Pinseln. Seine Graffiti waren auch so illegal und blieben ohne Signatur. Er versah Mauern in Aachen mit Bildern gegen Atomenergie, das Wettrüsten und das Apartheidsregime in Südafrika, oft begleitet von seinem Freund Josef Stöhr. Paier war schwul, kämpfte für die Rechte der Homosexuellen und thematisierte auch das auf seinen Wänden.

Wirdeier schildert seine Herangehensweise: „Zunächst erstellte Paier eine Skizze der Gemälde. Dann trug er in der ersten Nacht zunächst mit Kreide die Kontur auf die Wand auf, in der nächsten zog er sie mit schwarzer Farbe nach und in der dritten malte er sie aus.“ Die Street-Art-Gemälde trugen stets seine Handschrift: einen schwarzen Umriss und ein knallfarbiges Innenleben, ähnlich einer Comicfigur. Die expressiven, kantigen Figuren schreien den Betrachter förmlich an. Sie sind ein wütender Ausdruck von Gesellschaftskritik.

Paiers Gemälde wurden zunächst rigide entfernt. Später überlegte es sich die Stadt Aachen anders und stellte die letzten verbliebenen Bilder unter Denkmalschutz. 1989 wurde dem Street-Art-Künstler schließlich vom Neuen Aachener Kunstverein der „Neue Preis“ verliehen. Da lebte er längst in Köln und bemalte hier Häuserwände.

Am Hochbunker in der Elsaßstraße prangt ein Gemälde

Ein prominentes Bild prangt auf dem Hochbunker an der Elsaßstraße, wo die Bevölkerung nach der Machtübernahme gegen die durch die Straße marschierende SA Widerstand leistete. Sie warfen aus den Fenstern, was sie finden konnten: Blumentöpfe, Flaschen, Müll und sogar gefüllte Nachttöpfe. Paiers Gemälde erinnert daran: Eine Frau mit wütend aufgerissenem Mund hält einen Blumentopf als Wurfgeschoss in der Hand, ein Kaktus und ein Nudelholz segeln bereits durch die Luft auf den Nazi mit der in die Höhe gestreckten Hand, neben der Hakenkreuzflagge.

Es ist allerdings nicht mehr das Original. Zweimal ließ die Stadt Köln das Bild übermalen. Eine Initiative von Südstädtern trug es immer wieder auf – und setzte sich am Ende durch. Heute gehört es zu den beiden letzten Paier-Gemälden in der Stadt. Der mysteriöse gelbe Mann an der Luxemburger Straße ist das letzte noch von Paier selbst gemalte Kunstwerk – und bleibt, möglicherweise als Selbstporträt des Mannes, der früher als hagere Gestalt im Trenchcoat nachts mit Farbtopf und Pinsel durch die Stadt schlich.