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Nordbrücke jahrelang dichtWas das für Bonn, Köln und die Region bedeutet

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Die gesperrte Bonner Nordbrücke

Die gesperrte Bonner Nordbrücke 

Die Bonner Nordbrücke bleibt für mehr als zwei Jahre komplett gesperrt. Das hat erhebliche Auswirkungen. 

Überraschend kam das Aus für die Bonner Nordbrücke am Freitag nicht mehr. Und so konnte Guido Déus (CDU), Oberbürgermeister der Stadt Bonn, nur noch von einer „schlimmen Botschaft für Bonn und die Region“ sprechen. Positiv sei einzig, dass zumindest Radfahrer und Fußgänger die Brücke voraussichtlich ab Spätsommer wieder nutzen könnten. Auch NRW-Verkehrsminister Oliver Krischer (Grüne) wirkte angesichts der Tatsache, dass die Autobahn GmbH ein Versagen einzelner Bauteile der Vorlandbrücke nicht mehr ausschließen kann, ziemlich zerknirscht. Dass die Bonner Nordbrücke als wichtige Verkehrsverbindung nun für mehr als zwei Jahre nicht zur Verfügung stehe, werde die Region intensiv belasten. Dass der Abriss sofort starten solle, sei aber „ein klares Signal an die Region, dass hier gehandelt wird und nicht lange diskutiert wird“. Wir beantworten die wichtigsten Fragen.

Wie reagiert die Stadt Bonn auf den langfristigen Ausfall der Brücke?

„Wir geben alles, um die Mobilität in unserer Stadt halbwegs aufrechtzuerhalten.“ Als Stadt haben wir seit der Sperrung verschiedene Sofort-Maßnahmen umgesetzt. Dazu zählen die Schaffung neuer P+R-Plätze mit Shuttle zur nächsten ÖPNV-Anbindung, kostenlose Busse und Bahnen bis Ende Juni und verschiedene Maßnahmen auf innerstädtischen Straßen, um den ÖPNV vom allgemeinen Verkehr zu entzerren“, sagte Oberbürgermeister Guido Déus (CDU). Erste Erfolge seien schon erkennbar. „Inzwischen haben sich viele auf die neue Situation eingestellt. Wir zählen sehr viel mehr Radfahrende. Pendler nutzen vermehrt die P+R-Plätze, viele steigen auf den ÖPNV um.“ An der südlicher gelegenen Kennedybrücke sei die Zahl der Radfahrenden von 8000 auf 19.000 pro Tag gestiegen. Den kostenlosen Nahverkehr wird die Stadt aus finanziellen Gründen nicht über den Juni hinaus verlängern.

Was sagt der ADAC zum Brücken-Aus?

„Der Worst-Case ist eingetreten. Die temporäre Sperrung für Lkw und Pkw wird zum Dauerzustand für mindestens die nächsten zwei Jahre. 100.000 Fahrzeuge, die bisher täglich über die Nordbrücke gefahren sind, müssen sich jetzt im Großraum Bonn auf das restliche Straßennetz verteilen“, sagt Roman Suthold, Verkehrsexperte des ADAC Nordrhein. „Autofahrer müssen nach unserer Modellstudie pro Jahr Umwege von 50 Millionen Kilometern in Kauf nehmen, Lkw von 5,5 Millionen Kilometern. Der volkswirtschaftliche Schaden beträgt jährlich mehr als 170 Millionen Euro.“

Welche Alternativen gibt es für Pendler?

Das ist schwer zu beantworten, zumal es auf den Bahnstrecken zwischen Köln und Bonn immer wieder zu Sperrungen kommen wird. „Einpendler nach Bonn sollten prüfen, ob sie P&R-Anlagen am Stadtrand nutzen und auf den ÖPNV umsteigen können. Pendler, die flexible Arbeitszeitmodelle nutzen können, sollten antizyklisch fahren und die Stoßzeiten meiden“, so ADAC-Verkehrsexperte Suthold. „Wir empfehlen, wo es möglich ist, Home-Office-Tage zu nutzen und diese verstärkt auf den Mittwoch oder Donnerstag zu legen, da an diesen Wochentagen die Staugefahr am größten ist.“

Welche Folgen hat die Sperrung für die A4, die zwischen Köln-Klettenberg und dem Eifeltor wegen der kaputten Brücke für Lkw ab 7,5 Tonnen zumindest bis zum Einbau einer Sperranlage nicht genutzt werden kann?

Der Landrat des Rhein-Erft-Kreises, Frank Rock (CDU), geht davon aus, dass ein Drittel des Lkw-Verkehrs von der Bonner Nordbrücke auf die A4 zurollen wird. Das sagte er bei einem Ortstermin an der Anschlussstelle Klettenberg. Der Umleitungsverkehr müsse besser geplant werden. Das gelte sowohl für die großräumige Umleitung als auch für die vielen Lkw, die zwischen den Anschlussstellen Klettenberg und Eifeltor über die Luxemburger Straße und den Militärring ausweichen müssen.

Warum kann der Neubau oder die Sanierung der A4-Brücke Eifeltor, der für 2028 geplant ist, nicht vorgezogen werden?

„Bisher gibt es die Vorgabe, dass wir uns mit dem Austausch der Brücke an den Sperrungen der Deutschen Bahn orientieren müssen“, sagte Kölns Oberbürgermeister Torsten Burmester (SPD). „Das kann jetzt nicht mehr das Argument sein. Wir müssen die Planungen harmonisieren, weil das die Verkehrssituation nicht mehr zulässt.“ Gemeinsam mit Landrat Frank Rock fordere er den Bund auf, den Koordinierungsrat für den Verkehr im Bonner Norden auf die Ausweichverkehre zu erweitern, die über Köln führen, sagte Burmester. „Wir müssen einbezogen werden, weil diese Verkehre zum Großteil auch bei uns landen.“

Was hat das für Folgen?

Aus Sicht des Kölner Oberbürgermeisters muss es bei mehr als 3700 Regelverstößen innerhalb von sechs Tagen gegen das Fahrverbot für Lkw an der Eifeltor-Brücke auf dem Kölner Autobahnring großräumige Umleitungen geben, die mit den Verkehrslösungen vergleichbar sind, als die Leverkusener Rheinbrücke für Lkw gesperrt war. Das würde ein komplettes Fahrverbot für schwere Lkw auf der A4 zwischen dem Heumarer Dreieck und dem Kreuz Köln-West bedeuten. „Wir müssen die Interessen der Region gegenüber dem Bund gemeinsam vertreten“, sagte Burmester.

Was heißt das langfristig für die Region?

„Die Autobahn GmbH muss außerdem die Arbeiten auf dem Kölner Autobahnring insgesamt beschleunigen, um für eine deutliche Entlastung der Verkehrsinfrastruktur zu sorgen, damit der Verkehr im Drehkreuz des Westens wieder richtig fließen kann“, sagte Kölns Oberbürgermeister. „Die Rodenkirchener Brücke ist seit Jahren eine Baustelle, am Heumarer Dreieck ist kein Ende in Sicht, am Kreuz Köln-West wird seit Jahren gearbeitet. Bund und Land müssen mehr in die Erhaltung der Infrastruktur investieren, damit die Verkehrstüchtigkeit des Kölner Autobahnrings gesichert wird.“

Die Rede ist von einem „Sofortprogramm zur Entlastung der Region“. Was heißt das?

Die Stadt Köln und der Rhein-Erft-Kreis haben einen Katalog mit fünf Forderungen aufgestellt. Dazu zählen provisorische Verkehrsverbindungen und Entlastungsmöglichkeiten für die Luxemburger Straße, bessere Ampelschaltungen auf den Umleitungsstrecken, der Einsatz intelligenter Verkehrsleitsysteme, zusätzliche P&R-Parkplätze und beschleunigte Planungs- und Genehmigungsverfahren.