Extreme Trockenheit und Dürre seit Mitte Juni haben die NRW-Wälder austrocknen lassen. 98 Prozent der Brände entstehen durch menschliches Fehlverhalten.
In NRW steigt das WaldbrandrisikoWarnstufe 4 in vielen Regionen

Schilder, die auf die Waldbrandgefahr und die Sperrung für Autos und Motorräder hinweisen, stehen in Roetgen an einem Waldweg. Foto: dpa +++ dpa-Bildfunk +++
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Es ist die Zahl des Tages: 94 Prozent der Fläche von NRW sind mittlerweile von extremer Trockenheit und Dürre betroffen, Tendenz steigend. Die Zahl der Regionen, in denen die Waldbrand-Gefahrenstufe 4 von 5 erreicht ist, nimmt zu. 4 steht für hohe Gefahr, 5 für sehr hohe Gefahr. Besonders betroffen ist der waldreiche Südwesten, aber auch am Niederrhein und im Südosten des Landes steigt das Risiko.
Der Übeltäter, der NRW in diese Lage gebracht hat, ist schnell benannt: Er heißt Juni und wird als extrem warmer und außergewöhnlicher Sonnenscheinmonat in die Geschichte eingehen, die NRW eine historische Hitzewelle mit einer ausgeprägten Omega-Wetterlage beschert hat, durch die sich eine Hitzeglocke bilden konnte.
Hitzewelle im Juni setzt den Wäldern mächtig zu
Das Landesamt für Natur, Umwelt und Klima (Lanuk) bezeichnet das letzte Juni-Drittel als „Stresstest von bisher unbekannter Intensität und Länge“. Diese Hitzewelle endete erst am 29. Juni nach verbreitet elf heißen Tagen mit mehr als 40 Grad am Rhein, die am 26. Juni erreicht wurden. „Es ist davon auszugehen, dass durch die globale Erderwärmung solche Hitzewellen in Zukunft immer gewöhnlicher werden, sofern die globalen Klimaschutzanstrengungen nicht weiter intensiviert werden“, so das Lanuk
Was macht das mit dem Wald an Rhein und Ruhr? Und wie hoch ist die Waldbrandrisiko? Das Gefahrenpotenzial sei zumindest gestiegen, sagt Sebastian Kruse, Waldbrand-Experte bei Wald und Holz NRW in Münster. „Vor rund 30 Jahren, als der Wald noch in einem recht gesunden Zustand war, konnte er sich noch selbst schützen. Da gab es noch ein geschlossenes Kronendach. Deshalb konnte sich die Feuchtigkeit auch bei intensiver Sonneneinstrahlung und längerer Dürre besser halten. Wälder sind Wasserschwämme. Ein intakter Wald kann Feuchtigkeit besser speichern und gibt sie nicht so schnell ab.“
Ein intakter Wald kann Feuchtigkeit besser speichern und gibt sie nicht so schnell ab
Das habe sich in NRW durch die Sturmschäden nach Kyrill im Jahr 2007 und den Borkenkäfer-Befall 2018, bei denen rund 180.000 Hektar Wald vernichtet wurden, vollkommen geändert. „Diese Flächen haben wir größtenteils zwar wieder aufgeforstet. Da liegt aber nach wie vor jede Menge Totholz rum“, sagt Kruse. Totholz, Gras und alle möglichen Arten von „Schadflora“ seien ideale Brandbeschleuniger.
Wer den Wald besser schützen will, braucht einen langen Atem. Schäden wie die der Jahre 2007 und 2018 seien erst nach 40 bis 50 Jahren behoben. „Wenn wir dann wieder einen gesunden Mischwald und die Bäume mindestens einen vier Meter astfreien Stamm entwickelt haben, sind wir aus dem Gröbsten raus. Dazu müssen wir unsere Wälder aber konsequent und langfristig zu Laubmischwäldern umbauen“, sagt Kruse.
Bis dahin sei bei extremen Wetterlagen und langen Trockenperioden höchste Vorsicht geboten. „Man kann das gar nicht oft genug wiederholen. 98 Prozent aller Waldbrände werden durch menschliches Fehlverhalten ausgelöst. Das reicht von Brandstiftung bis zur Fahrlässigkeit. Vor allen Dingen beim Grillen.“
Bei der aktuellen Trockenheit werde sich ein kleines Bodenfeuer deutlich rasanter ausbreiten und unbeherrschbar werden. „Da frisst sich ein kleiner Funke schnell von Gras zu Gras, erreicht irgendwann trockene Nadelhölzer, die auch noch jung sind. Von dort ziehen sich die Flammen bis in die Krone.“
Solche Brände seien für die Feuerwehr kaum mehr beherrschbar. „Bei einer Flammenlänge von mehr als drei Metern gehen die nicht in die Fläche, sondern schlagen beispielsweise an einem Waldweg eine Schneise, die sie ganz stark benässen und auf diese Weise eine Stopplinie ziehen. Alles andere wäre zu gefährlich.“
Forst-Experte Kruse hat so seine Zweifel, ob ein starkes Gewitter oder ein paar Schauer, wie sie für den heutigen Dienstag und Mittwoch regional angekündigt sind, ausreichen, um die Waldbrandgefahr zu senken.
Die Brandprognose der Meteorologen vom Deutschen Wetterdienst werde aus den Parametern Wind, Temperatur und Bodendaten ermittelt. Letztere seien einfach zu ungenau. „Ich glaube nicht, dass man anhand der Daten, die eine Wetterstation liefert, die Feuchtigkeit des Bodens bestimmen kann. Dazu kann es keine optimalen Daten geben.“
Die aktuelle Wetterlage sei für den Wald „schon außergewöhnlich“, sagt Kruse. „Die vielen Schäden aus der Vergangenheit, die Trockenlage und eine Bevölkerung, denen der Wald immer fremder wird und unvorsichtig ist. Das sind schon große Risikofaktoren.“
Darin nicht enthalten sind klassische Böschungsbrände, zu denen die Feuerwehr in der Region in den letzten Tagen immer wieder ausrücken musste.
Seit 2020 wurden nach Angaben des Landwirtschaftsministeriums in NRW bei 736 Bränden rund 210 Hektar Wald vernichtet. 2026 waren es bisher rund 30 Brände mit insgesamt weniger als 20 Hektar.
Forstministerin Silke Gorißen appelliert an die Waldbesucher, sich strikt an die Regeln zu halten. „Bitte beachten Sie, dass Rauchen, Grillen und offenes Feuer im Wald streng verboten sind. Bitte nur auf befestigten Flächen parken, damit heiße Katalysatoren der Autos keine Vegetation in Brand setzen.“
Hier eine Übersicht zu den Einsätzen rund um Köln
Innerhalb weniger Stunden verwüstete ein Großbrand am Sonntag zwischen Bergheim-Oberaußem und Quadrath-Ichendorf rund 81.500 Quadratmeter Feld, Wald und Böschung. Rund 120 Einsatzkräfte kämpften mehr als sechs Stunden gegen das Feuer.
Im Rhein-Erft-Kreis mussten die Feuerwehren in den vergangenen Wochen mehrfach zu Wald-, Wiesen- und Böschungsbränden ausrücken. Zwar konnten diese wie kürzlich an der Autobahnböschung in Kerpen (A4) schnell gelöscht werden, doch längere Trockenperioden und hohe Temperaturen stellen die Feuerwehren im Rhein-Erft-Kreis vor immer größere und neue Herausforderungen.
Ein Waldbodenbrand im Nationalpark Eifel hielt seit der Nacht zu Montag auch die Feuerwehren der Kreise Euskirchen und Düren in Atem. In einem schwer zugänglichen Waldgebiet nahe Voißel gerieten nach ersten Erkenntnissen gegen 2 Uhr rund 15.000 Quadratmeter Waldboden in Brand.
Am späten Vormittag hatten die etwa 150 Einsatzkräfte das Feuer auf einer Fläche von rund zweieinhalb Sportplätzen unter Kontrolle, gelöscht war der Brand jedoch noch nicht. Eine Brandwache wurde rund um Voißel eingerichtet, ein Feuerwehrmann wurde während des Einsatzes verletzt.
Vor einigen Wochen hatte bereits ein Waldbrand in der Wahner Heide für einen zwei Tage andauernden Großeinsatz der Feuerwehr gesorgt. Eine 500 Quadratmeter große Waldfläche war Anfang Juli in Rösrath Brand geraten. Da nicht ausgeschlossen werden konnte, dass sich im Boden Kampfmittel befinden, durften die Einsatzkräfte das Brandgebiet nicht betreten. Ein Hubschrauber der Polizei flog rund 20 Einsätze mit dem „Bambi Bucket“, einem an einem langen Seil befestigten und rund 900 Liter Löschwasser fassenden Behältnis.