Romeo Aigbekaen durchlief fast jeden großen Kölner Jugendverein, spielte in Hamburg – und kehrt nun zur Fortuna zurück.
Fortuna Kölns Neuzugang Romeo Aigbekaen„Es fühlt sich an wie zurück zur Familie“

Soll den Angriff der Fortuna verstärken: Romeo Aigbekaen
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Manchmal führt ein Umweg im Fußball nicht in die Ferne, sondern zurück an einen vertrauten Ort. Bei Romeo Aigbekaen ist das so. Der 22 Jahre alte Flügelspieler wechselte auf Leihbasis vom FC St. Pauli zum Drittligisten Fortuna Köln — und damit zurück zu einem Verein, der in seiner Fußballbiografie früh wichtig war. „Für mich ist das keine große Umstellung“, sagt Aigbekaen. „Ich kannte die Fortuna schon gut, sie war meine erste Station in Köln und im Fußball. Es fühlt sich ein bisschen an wie zurück zur Familie und zu Freunden.“
Aigbekaen, geboren in Frechen, hat in seiner noch jungen Laufbahn viel von dem kennengelernt, was der Kölner Fußball unterhalb der Bundesliga-Bühne zu bieten hat. Ausgebildet wurde er in verschiedenen Stadtteilen. 2019 wechselte er aus der Nachwuchs der Fortuna zur U17 des SC Borussia Lindenthal-Hohenlind, später spielte er in den Nachwuchsabteilungen des 1. FC Köln und von Viktoria. Aus der U19 der Viktoria ging es zum 1. FC Düren, danach zur zweiten Mannschaft des FC St. Pauli. In Hamburg unterschrieb er auch einen Profivertrag.
Aigbekaen war Teil des Profikaders von St. Pauli
Die vergangene Saison war für Aigbekaen keine einfache, doch trotz aller Umstände deutete er sein Potenzial an. Für St. Pauli II kam er auf vier Tore und eine Vorlage in 19 Spielen. Die Zahlen erzählen nur einen Teil. Adduktorenbeschwerden und ein Muskelfaserriss bremsten ihn. Doch zugleich rückte er mehrfach in den Profikader, stand gegen den VfB Stuttgart und Bayer 04 Leverkusen sogar im Kader des damaligen Bundesligisten, der am Saisonende in die Zweite Liga abstieg.
Gerade sein Tempo fällt auf. Aigbekaen kann auf dem Flügel Gegner binden und Räume öffnen. Er selbst beschreibt seine Stärken selbstbewusst: „Ich bringe viel Speed mit, ein gutes Dribbling und Durchsetzungsvermögen. Das sind Attribute, die in der Dritten Liga funktionieren können.“ Für die Fortuna, die nach dem Aufstieg in der neuen Liga zunächst Stabilität sucht, ist das eine wichtige Ergänzung. In der Offensive ist die Konkurrenz auf den Außenpositionen mit Timo Bornemann, Rafael Garcia und Nico Thier zwar groß. Doch Aigbekaen bringt ein Profil mit, das dem Kader in Breite und Spitze eine weitere Variante verschafft.
Ausschlaggebend für seine Rückkehr waren nach eigener Aussage nicht nur das vertraute Umfeld und die Nähe zu Köln. „Die Gespräche waren sehr gut“, sagt er. „Entscheidend war für mich, wie die Fortuna mich einsetzen möchte – und wie sie in der Dritte Liga spielen will.“ Der Kontakt kam über Co-Trainer Martin Grund zustande, den Aigbekaen bereits aus seiner kurzen Zeit in Düren kannte. Timo Westendorf, heute Trainer der U19 der Fortuna, hatte den Flügelspieler einst entdeckt und in die Fortuna-Jugend geholt: „Ich kann mich noch gut erinnern. Das war gegen Ende der U13. Wir hatten damals einen Testspiel gegen Königsdorf, da haben wir sehr eindeutig gewonnen. Mir und meinem Co-Trainer ist Romeo beim Gegner sofort ausgefallen. Er hat trotz der Eindeutigkeit ein super Spiel gemacht, war ein ständiger Unruheherd. Da wollten wir ihn zu uns in die Jugend holen. Zur U14 kam er dann.“
Die Aufstiegssaison der Fortuna habe er aus der Ferne verfolgt, sagt Aigbekaen. „Als ich gesehen habe, dass sie Erster sind, habe ich mich sehr gefreut“, sagt er. „Die letzten Jahre waren sie mal nah dran, mal weniger nah dran – diesmal hat es funktioniert.“ Nun folgt für den Aufsteiger die nächste Prüfung. Die Dritte Liga ist härter, enger, weniger nachsichtig. „Das Niveau ist höher als in der Regionalliga, das weiß jeder“, sagt Aigbekaen. „Aber wenn man ein gutes Fundament hat, kann man auch dort bestehen.“
Vorfreude auf das Spiel gegen Viktoria
Dieses Fundament soll nicht nur aus Euphorie bestehen. Aigbekaen spricht viel über Ordnung, Geduld und Widerstandsfähigkeit. Über Phasen, in denen eine Mannschaft leiden muss. „Es wird Momente geben, in denen man vielleicht 20 Minuten hinten drinsteht“, sagt er. „Dann darf man nicht verrückt werden, sondern muss seinem Plan treu bleiben und auf den Moment warten, in dem man zustechen kann.“
Taktisch erwartet Aigbekaen keine eindimensionale Fortuna. „Ich glaube, wir wollen beides können: Defensiv kompakt stehen und umschalten, aber auch höher anlaufen und, wenn es sinnvoll ist und Gegenpressing ausüben“, sagt er. „Wenn man nur eine Sache macht, wird man irgendwann analysiert. Wenn man mehrere Dinge spielen kann, ist das ein Vorteil.“ Der erste Auftrag bleibt dennoch der Klassenerhalt, wie bei fast jedem Aufsteiger. „Der Trainer legt Wert darauf, dass wir jedes Mal 100 Prozent geben – auch im Training“, sagt Aigbekaen. „Wenn wir diese Leistung im Training und dann in den Spielen abrufen, wird es auch mit dem Klassenerhalt funktionieren.“
Besonders freut sich Aigbekaen auf das Derby gegen Viktoria Köln, wo er früher spielte. „Ich habe kein böses Blut mit Viktoria“, sagt Aigbekaen, „aber ein Derby willst du natürlich gewinnen.“ Bei der Frage nach der Nummer zwei hinter dem FC legt er sich fest: „Für mich ist das ganz klar Fortuna. Von den Fans her war das früher schon so – und ich finde, es ist immer noch so.“ Er könne es kaum erwarten, im Südstadion aufzulaufen, erzählt er: „Ich freue mich sehr darauf. Es wird ein großartiges Gefühl. Früher als Jugendlicher habe ich dort immer nur zugeschaut.“
Nun dürfte sich in den kommenden Wochen sein Traum vom Profidebüt bei der Fortuna erfüllen.
