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Henns GeschmacksacheDie Pizza der Römer

4 min
Blick in den Innenraum des Restaurants.

Das „Toscanini“ liegt direkt gegenüber vom Klösterchen. 

Das „Toscanini“ überzeugt unseren Autor mit hervorragender Pizza und großen Pastaportionen.

Mit dem 485-Grad brach in Köln die Zeit der neapolitanischen Pizza an – und ließ auf einen Schlag die bisher dominierenden römisch inspirierten Pizzen altbacken aussehen. Bis zu diesem Zeitpunkt wurde vor allem ein Ristorante genannt, wenn es um die Frage nach Kölns bester Pizza ging: das Toscanini gegenüber dem Klösterchen. Auf der Betreiberebene gab es vor einigen Monaten einen Wechsel, und die Frage stellt sich, ob der gute Ruf auch heute noch angemessen ist.

Carsten Henn

Carsten Henn

Carsten Henn, geboren 1973 in Köln, besitzt einen Weinberg an der Terrassen-Mosel, hält Hühner und Bienen und teilt sein Leben mit Katzen. Er arbeitete nach seinem Studium (unter anderem Weinbau) als ...

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Von den zwei Gasträumen wird einer vom großen Steinofen beherrscht. Die Akustik ist recht hallig und dadurch hart, am besten sitzt man an den großen Fenstern, die bei höheren Temperaturen weit geöffnet werden.

Die erste erfreuliche Überraschung: Der offene Weißwein stammt von einem renommierten Erzeuger. Ein Ciro Bianco von Liubrandi aus Kalabrien. Natürlich ein einfacher Tropfen, aber saftig, fruchtig und sommerlich (0,25l für 8,40 €). Für Weinfreunde hat die kleine Karte noch anderes Schönes aus Italien zu bieten, darunter einen Langhe Arneis von Cordero di Montezemolo aus dem Piemont (39,90 €) und sogar zwei rote Spitzenweine (Brunello von Argiano, Barolo von Montezemolo) – leider alles ohne Jahrgangsangabe.

Ob Pasta oder Carpaccio: erfreulich große Portionen

Heiße Pizzabrötchen kommen auf den Tisch, dazu ein herzhafter, mediterran gewürzter Dip. Danach als Vorspeise Quadrone ai Carne, dazu gibt es eine cremige Waldpilz-Sauce. Ich schreibe „dazu“, dabei ist es eher ein komplettes Bedecken der al dente gegarten, reichlich mit Perlhuhn gefüllten und geschmacklich überzeugenden frischen Pasta. Obwohl ich ein erklärter Saucen-Fan bin, und diese sogar ein paar unterschiedliche Pilze aufweist, ist es des Guten ein wenig zu viel.

Ein Teller mit Pasta in Waldpilz-Sauce garniert mit etwas Grün.

Die frische Pasta kann geschmacklich überzeugen.

Auch gelungen: die mit Rind- und Schweinefleisch gefüllten Tortellini in einer sehr cremigen Parmesansauce mit – angenehm bissfest – gegartem Brokkoli. Die Portionen sind übrigens allesamt erfreulich groß. Auch beim dünn geschnittenen Carpaccio mit Parmesan, Rucola, Zitronenschnitz, und der mittlerweile leider unvermeidbaren Crema di Balsamico.

Toscanini in Köln: Pizza und Fisch überzeugen

Aber was ist mit der Kernkompetenz des Hauses? 34 Pizzen werden angeboten, preislich los geht es mit einer Margherita für 9,40 €, am meisten zahlt man für eine Formaggio di Capra mit Ziegenkäse, getrockneten Feigen, Walnüssen, Honig und Rucola. Zu diesem Test habe ich als Unterstützung meinen Sohn mitgenommen, der sich von kaum etwas anderem als Pizza ernährt.

Auf den Tisch kommt die Mozzarella di Bufala. Sie ist groß, ragt zum Teil über den Teller hinaus. Sie ist dünn und knusprig, auch der schmale Rand. Sie ist auch nur dünn belegt, also weder ein Käsemonster noch eine verkappte Tomatensuppe. Aber: genau die richtige Menge. Sowohl die fruchtige Tomatensauce kommt zur Geltung als auch Büffelmozzarella, grünes Pesto, Cocktailtomaten und Pizzateig. Das ist richtig überzeugend, von meinem Sohn gibt es einen seltenen Daumen hoch.

Pizza belegt mit Tomaten und Basilikum, grünem Pesto und Mozzarella, liegt auf einem Teller.

Die Pizza ist dünn und knusprig, hat aber genau die richtige Menge.

Pflicht also voll erfüllt, kommen wir zur Kür. Auf der Tageskarte steht ein im Ganzen gegarter Seebarsch, mit Kräutern gefüllt. Der Fisch ist saftig, die Kräuter entfalten Wirkung, die Haut könnte noch krosser sein, aber das ist Jammern auf hohem Niveau. Dazu gibt es ein paar Kartoffeln mit Tupfern von grünem Pesto und einen Beilagensalat, der diesen Namen allerdings nicht verdient. Von der Größe her ist es eher ein Hauptspeisensalat. Nicht bloß ein paar Blätter Salat und Tomaten, sondern auch Mais, Gurken, Karotten, Oliven. All das mit einem ordentlichen Dressing.

Fisch garniert mit Pesto, Tomaten und Basilikum. Anbei Kartoffeln.

Der Seebarsch ist saftig und kommt mit einem großen Beilagensalat.

Unter den Pastagerichten findet sich auch ein sehr ungewöhnliches: Mediterrane Linsen Bolognese. Ungewöhnlich auch wegen des, im Vergleich zu den anderen Gerichten, verhältnismäßig hohen Preises. Leider stellt sich heraus, dass es gar kein Pastagericht ist. Als die freundliche Bedienung die Enttäuschung am Tisch bemerkt bietet sie sofort an eine andere Speise zu bringen. Souverän reagiert. Die Bolognese ist ein sehr stark mediterran gewürzter Linsenauflauf mit Karotten, Kartoffel-Haube und veganem Käse, an einigen Stellen sehr dunkel geröstet. Das ist nicht mehr als okay, vermutlich sind die veganen Pizzen hier eine sinnvollere Wahl.

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Bei so großen Portionen braucht es zwar kaum Dolce, acht werden hier trotzdem angeboten. Das Tiramisu ist nur Durchschnitt, zu süß, zu wenig Kaffee-Aroma, zu wenig alkoholischer Punch. Die Zabaione dagegen gerät top: wunderbar luftig aufgeschlagen mit präsenter Amaretto-Note.

Fazit: Ein Ristorante mit guter Pizza oder eins mit guter Pasta? Beides. Und sogar noch ein bisschen mehr.

Bewertung: 5 von 6

Toscanini: Jakobstr. 22, 50678 Köln, Tel.: 0221- 310 99 90, jeden Tag von 12 bis 15 Uhr (außer Samstag) und von 18 bis 23 Uhr, www.toscanini.restaurant.