Bezirksvertreter wenden sich gegen die Pläne der Cellitinnen, auf dem Gelände des Severinsklösterchens zwei uralte Bäume fällen zu lassen.
FällungenPolitiker wollen uralte Bäume am Severinsklösterchen erhalten

Die Rotbuche auf dem Gelände des Severinsklösterchens soll einem Bauvorhaben weichen.
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Eine etwa 200 Jahre alte Rotbuche und eine rund 100 Jahre alte Kastanie sollen weichen, damit auf dem Gelände des Krankenhauses der Augustinerinnen, meist Severinsklösterchen genannt, ein Neubau errichtet werden kann. Dagegen hat sich die Bezirksvertretung (BV) Innenstadt mit dem einstimmig gefassten Beschluss eines Dringlichkeitsantrags gewandt, den Grüne, Linke, CDU und Volt in die jüngste Sitzung des Gremiums einbrachten. Das Verfahren zur Genehmigung der Fällung beider Bäume solle ausgesetzt werden, bis die Trägerin des Bauvorhabens dargelegt habe, ob sie sich nicht doch noch erhalten lassen.

Das Severinsklösterchen ist eine Institution nicht nur in der Kölner Südstadt.
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„Nachvollziehbar“ solle dargelegt werden, warum in diesem Projektstadium – „zu einem noch frühen Zeitpunkt“ – insbesondere die „mächtige und ortsprägende“ Rotbuche, die einen Stammumfang von vier Metern hat, nicht durch eine Planungsänderung nachhaltig geschützt werden könne. In der Bau- und Nutzungsbeschreibung zu dem Vorhaben ist zu lesen, die Fällung der Bäume auf dem Grundstück in der Südstadt werde durch 16 Ersatzpflanzungen kompensiert.
Antonius-Krankenhaus und „Klösterchen“ gehen zusammen
Die Antragsteller beziehen sich darauf, dass bei der Präsentation des Projekts zugesichert worden sei, dass der Baum, um den es ihnen hauptsächlich geht, unangetastet bleibe. Deshalb habe man sich entschieden, in der auf die Präsentation folgenden BV-Sitzung im Januar, in der das Bauprojekt unter „Mitteilungen“ auf der Tagesordnung stand, zu der Vorlage keinen ergänzenden Antrag einzubringen. Weil der Projektträger unterdessen eine Umplanung vorgenommen hatte, die bei einem Ortstermin zur Sprache kam, bat die Verwaltung die BV „unerwartet kurzfristig“, wie es im Antrag heißt, um die Mitteilung von Einwänden. Die große Mehrheit der Bezirksvertreter reagierte mit dem Dringlichkeitsantrag. Dabei richten sie sich keineswegs gegen den Plan, das Severinsklösterchen auszubauen, das sich Anfang dieses Jahres mit dem Krankenhaus St. Antonius zu einem großen Gesundheitsdienstleister der Cellitinnen zusammengeschlossen hat.
Neue Kiss-and-Ride-Zone könnte zu längeren Rückstaus führen
In dem Flachdach-Bau mit Unter-, Erd- und drei Obergeschossen sollen unter anderem eine Praxis, eine Kita mit Außenspielfläche, ein Wohnheim zum Beispiel für Pflege- und Klinikpersonal sowie Schulungs- und Veranstaltungsräume untergebracht werden. Zu den für den Außenbereich geplanten Anlagen gehört ein Kreisverkehr mit „Kiss and Ride“-Zone. „Kiss and Ride“ bedeutet, dass in der betreffenden Zone Autos kurz halten dürfen, damit Fahrgäste schnell aus- und einsteigen können. In dem Antrag, der nicht nur die Beseitigung der Bäume infrage stellt, wird der Nachweis verlangt, dass auf einen solchen Kreisverkehr nicht verzichtet werden kann. Denn die Erfahrung mit dem ehemaligen Rondell am Haupteingang des Krankenhauses habe gezeigt, dass dort „mal eben kurz“ geparkt worden sei. Deshalb sei zu befürchten, dass die Schaffung einer „Kiss and Ride“-Zone zu Staus bis zum Kartäuser Hof und zur Severinstraße führe.
Anlass zu Bedenken gibt dem Gros der Bezirksvertreter auch die Kita. Sie sei zwar als Betriebskindergarten deklariert, doch nur der geringste Teil der Plätze sei für den Nachwuchs des Klinikpersonals vorgesehen, so Reinhold Goss, Vorsitzender der Grünen-Fraktion in der BV. Weit überwiegend stünden die Plätze des mit öffentlichen Mitteln geförderten Baus allen Kindern offen. Daran knüpft sich die Frage, ob es nicht schon genügend Plätze im Stadtteil gebe. Sie stellt sich vor dem Hintergrund, dass aktuell die Schließung der unweit gelegenen Kita Karl-Korn-Straße zur Debatte steht, weil die Stadt die erhöhte Miete nicht zahlen will und es überdies Zweifel gibt, ob sie noch benötigt wird.
Aus diesem Grund fordert die BV für die geplante Kindertagesstätte den Nachweis, dass nach aktueller Jugendhilfeplanung und den vorliegenden Bevölkerungsprognosen der Bedarf groß genug ist. Das Ergebnis der Klärung habe womöglich Auswirkungen auf die weitere Planung. Die SPD-Fraktion enthielt sich bei der Abstimmung. Man spreche sich ebenfalls dafür aus, die Bäume zu retten, sagte Sozialdemokrat Alicem Polat, doch den Zweifel am Betriebskindergarten teile man nicht. Dieser habe die Aufgabe, den Bedürfnissen der arbeitenden Menschen gerecht zu werden, und sei nicht gleichzustellen mit sonstigen Kindergärten. Deshalb dürfe die Einrichtung nicht von der Jugendhilfeplanung und Bevölkerungsprognosen abhängig gemacht werden.
